Nach Initiative gegen Problemfamilien: Auch Blair gibt Ohrfeigen für seine Kinder zu

'Gehe mit dem Jüngsten wahrscheinlich anders um'

Der britische Premierminister Tony Blair hat sich in einem Fernsehinterview zur Familienpolitik dazu bekannt, seine Kinder geohrfeigt zu haben. Blair legte das überraschende Eingeständnis am Dienstagabend in einer Interview-Sendung der BBC ab, in der er eigentlich für die neue Initiative seiner Regierung für Problemfamilien werben wollte.

Mit der Frage, ob er seine Kinder ohrfeige, brachte Moderatorin Kirsty Wark den Premier sichtbar in Verlegenheit. "Nein, so komisch das ist, ich glaube, ich bin zu meinem Jüngsten wahrscheinlich anders als ich es mit meinen Älteren war", antwortete er zunächst ausweichend.

Die Moderatorin entgegnete erstaunt: "Was, Sie ohrfeigen den Jüngeren?" Daraufhin ließ Blair durchblicken, dass er zumindest die älteren seiner vier Kinder geohrfeigt habe: "Es war genau umgekehrt, aber... ich glaube, sehen Sie, diese Ohrfeigen... ich meine, Sie haben ganz Recht mit dem, was Sie gerade gesagt haben, ich glaube, jeder kennt den Unterschied zwischen dem Ohrfeigen eines Kindes und dem Missbrauch eines Kindes." Das eigentliche Problem bestehe darin, dass es in "wirklich schwierigen Familien ein wenig darüber hinaus geht", sagte Blair. Der Politiker hat vier Kinder im Alter von fünf bis 21 Jahren.

Eigentlich wollte der Premier in der Sendung für die "Respekt-Agenda" seiner Regierung werben, die Hilfsmaßnahmen, aber auch Strafen für Problemfamilien mit unsozialem Verhalten vorsieht. Blair hatte das Projekt zu einem der Kernanliegen seiner dritten Amtszeit erklärt. Für Familien mit aggressiven Kindern sollten mehr Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Dazu solle eine "Nationale Eltern-Akademie" (National Parenting Academy) ins Leben gerufen werden. Familien mit dauerhaft anti-sozialem Verhalten drohen Kürzungen bei der Sozialfürsorge, die Zwangsteilnahme an Rehabilitierungskursen und im äußersten Fall sogar der gezwungene Umzug aus ihrem Stadtteil.

Dazu sagte Blair: "Wenn Sie in einer Straße leben, in der eine Familie Ihnen und den anderen Nachbarn die absolute Hölle bereitet, muss man etwas dagegen tun." Bereits im vergangenen Jahr hatte Blairs Regierung gesetzliche Maßnahmen gegen das Ohrfeigen von Kindern erlassen. Eltern können zu maximal fünf Jahren Haft verurteilt werden, wenn sie Kinder so stark ohrfeigen, dass Spuren zurückbleiben.
(apa)