Nach Crash an der Börse Tokio: Chef von japanischer Internetfirma Livedoor in Haft

Wegen Verdacht der Verbreitung falscher Information PLUS: Immer top-aktuell - die Börsenkurse LIVE!

Der Skandal um die japanische Internetfirma Livedoor hat am Montag einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie Medien des Landes am Montag unter Berufung auf Ermittlungskreise berichteten, wurde der 33-jährige Präsident Takafumi Horie wegen Verdachts der Verbreitung falscher Finanzinformationen festgenommen. Gegen seine rasant gewachsene Internetfirma wird unter anderem wegen Kursmanipulation im Zusammenhang mit einer Firmenübernahme sowie Bilanzfälschung ermittelt. Der Skandal hatte in der vergangenen Woche zu Panikverkäufen an der Börse geführt, woraufhin erstmals in der Geschichte der Börse der gesamte Aktienhandel wegen drohenden Zusammenbruchs des Computersystems abgebrochen werden musste.

Neben Horie wurde den Berichten zufolge auch sein Finanzchef Ryoji Miyauchi verhaftet. Zuvor waren die beiden Manager sowie andere Mitarbeiter der Livedoor-Gruppe von der Staatsanwaltschaft verhört worden. Für Ältere ist Horie der Inbegriff eines Casino-Kapitalismus, andere sehen ihn als einen Rebell gegen die überkommenen Konventionen der alten Japan AG. Das "enfant terrible" der japanischen Unternehmerschaft, das sich in der Öffentlichkeit lieber in T-Shirts als in Anzügen zeigt, hatte mit seinem provokanten Auftreten schon mehrfach für Aufsehen gesorgt.

So mit seinen letztlich erfolglosen Versuchen, einen Baseballclub sowie den größten privaten Fernsehsender des Landes, Fuji TV, zu übernehmen oder - mit Unterstützung der Regierungspartei LDP - als Unabhängiger ins Parlament einzuziehen. Seit 2000 hat der Abbrecher der Elite-Universität Tokio nicht weniger als 20 Unternehmen gekauft.(apa)