Nach Alkohol-Outing: Britischer Liberalen-Chef Charles Kennedy musste zurücktreten

Parteiabgeordnete forderten ihn zum Rücktritt auf

Der britische Liberalen-Chef Charles Kennedy hat sich dem innerparteilichen Druck gebeugt und ist am Samstag von seinem Amt zurückgetreten. Der Schritt geschehe im Interesse seiner Partei, sagte er. Zwei Tage zuvor hatte der 46-Jährige öffentlich seine Alkoholprobleme eingestanden und war daraufhin von mehr als der Hälfte der Parteiabgeordneten zum Rücktritt aufgefordert worden.

Der einst politisch sehr erfolgreiche Schotte war 1999 zum Vorsitzenden der drittstärksten Partei in Großbritannien gewählt worden. Der stellvertretende Parteivorsitzende Menzies Campbell hat vorläufig die Parteiführung übernommen. Der 64-jährige Campbell hat bisher als einziger seine Kandidatur für das Amt angekündigt und gilt als Favorit für die Nachfolge Kennedys.

Die Parteispitze will am Montag zusammentreffen, um den Zeitplan für die innerparteilichen Neuwahlen festzulegen. Auch der 54-jährige Parteipräsident Simon Hughes gilt als möglicher Kandidat.

Liberale Parteiabgeordnete, die den Ruf nach Kennedys Rücktritt nicht unterstützt hatten, befürchten eine Spaltung der Partei. Kennedy sei regelrecht aus dem Amt gejagt worden, sagte Lembit Opik, der Parteisprecher für Nordirland. Die Abgeordneten hoffen jetzt auf einen starken Kandidaten, der die Partei wieder zusammenführen kann.

Kennedy war bisher der erfolgreichste Vorsitzende der Liberalen Partei Großbritanniens. Bei den Parlamentswahlen im vergangenen Mai erreichte die Partei mit 22 Prozent und 62 Mandaten im Unterhaus einen Aufschwung. Vor allem seine konsequente Ablehnung des Irak- Krieges hatte Kennedy viele Sympathien eingebracht.

Kennedy war jedoch bereits vor dem Eingeständnis seiner Alkoholprobleme unter Druck geraten. Er habe dem neuen, konservativen Parteivorsitzenden David Cameron nichts entgegenzusetzen, kritisierten viele liberale Abgeordnete, die schließlich seinen Rücktritt forderten.(apa/red)