Mysteriöser Todesfall: Kommandant der UNO-Schutztruppe in Haiti tot aufgefunden

Brasilianischer General lag erschossen in Zimmer Noch keine Bestätigung für vermuteten Selbstmord

Der brasilianische Oberkommandierende der UNO-Friedenstruppe in Haiti ist am Samstag in Port-au-Prince tot aufgefunden worden. Generalleutnant Urano Teixeira da Matta Bacellar sei nach einem "Schusswaffenzwischenfall" gestorben, wurde verlautbart. In Haiti sind seit Juni 2004 insgesamt 7.600 Soldaten der UNO-Truppe MINUSTAH stationiert. Bacellar hatte das Kommando im August übernommen.

Die UNO-Mission in Port-au-Prince teilte mit, der General sei erschossen in seinem Zimmer aufgefunden worden. Für Vermutungen, es habe sich um Selbstmord gehandelt, gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Angesichts des ausufernden politischen Chaos in dem Karibikstaat setzte der Weltsicherheitsrat in New York am Freitag eine vierwöchige Frist für die schon fünf Mal verschobenen Parlaments - und Präsidentenwahlen. Am selben Tag teilte die MINUSTAH mit, die Sicherheitsmaßnahmen in Port-au-Prince verstärkt zu haben.

Zuvor hatten Geschäftsleute die Haitianer für Montag zu einem Generalstreik aufgefordert, um die Blauhelme zu einem harten Durchgreifen gegen die bewaffneten Banden zu zwingen, die die Stadt mit Morden, Rauben und Entführungen terrorisieren. UNO-Soldaten hatten vorübergehend den Präsidentschaftskandidaten Dany Toussaint wegen illegalen Waffenbesitzes festgenommen.

Die Vereinten Nationen haben die Menschenrechtssituation in Haiti als katastrophal kritisiert. Es gebe standrechtliche Erschießungen, Folter und willkürlichen Verhaftungen. Nach Statistiken der haitianischen Polizei sind seit März 2005 rund 450 Unternehmer, Ärzte, Vertreter haitianischer und internationaler Hilfsorganisationen, Diplomaten und Kinder entführt worden. Die Zahl dürfte aber noch höher sein, da viele Fälle nicht gemeldet werden. Die von den USA unterstützte Übergangsregierung, die seit dem Sturz und der Zwangsexilierung von Präsident Jean-Bertrand Aristide vor zwei Jahren amtiert, setzt nach Darstellung ihrer Kritiker die Medien des Landes massiv unter Druck.

(apa)