Sehnsucht nach Normalität von

Mossul-Offensive:
Das erzählen Bewohner

Was Zivilisten aus der IS-Hochburg und vom IS bereits befreite Bewohner sagen

Vom IS befreite Christen © Bild: APA/AFP/SAFIN HAMED

Über eine Million Zivilisten halten sich laut Schätzungen in der nordirakischen IS-Hochburg Mossul auf. Irakische und kurdische Truppen rücken fast stündlich näher. Auf ihrem Weg nach Mossul haben sie bereits mehrere Städte von der Terrormiliz IS befreit. Nun erzählen die Bewohner, was sie unter der Herrschaft des IS erlebt haben. Und auch einige mutige Zivilisten aus Mossul berichten über ihre schwierige Situation.

Der Kampf um Mossul wird ein langwieriger. Experten rechnen mit mehreren Wochen oder sogar Monaten. Ein Brigadegeneral der kurdischen Peschmerga-Miliz sprach von rund zwei Monaten. In dieser Zeit müssen die Bewohner von Mossul ausharren. Bomben, Sniper, Landminen und eine prekäre Versorgungslage erschweren die Flucht.

»Wir wollen wieder ein normales Leben «

Einige mutige Zivilisten haben mit "CNN" über ihre ausweglose Situation gesprochen: "Wir wollen nur wieder ein normales Leben in Mossul", sagt eine 24-jährige Frau mit fünf Kindern. Sie wolle, dass die Kinder wieder zur Schule gehen können und die Bewohner wieder Arbeit haben. "Aber das wichtigste für mich ist, den IS und die Terroristen loszuwerden", sagt sie.

Ein anderer Bewohner zeigt sich nicht nur über den IS besorgt. "Ich habe auch Angst vor den Peschmerga, weil sie mich fragen könnten, warum ich die IS-kontrollierten Zonen nicht verlassen habe und nach Kurdistan geflohen bin", teilt der Mann mit. Er befürchte außerdem, dass sich die Schiiten* an ihm als sunnitischem Moslem rächen würden.

»Ich will nicht, dass der IS in Mossul bleibt«

Ein ehemaliger Polizist erzählt, er habe sich damals - 2014 nahm der IS die Stadt ein - dafür entschieden zu bleiben und mit dem IS zusammenzuarbeiten - als Angestellter im Beamtenapparat der Terrormiliz. "Ich will nicht, dass der IS in Mossul bleibt", sagt der 40-Jährige. Er traut sich aber auch nicht zu flüchten, weil er Angst hat, dann von der Regierung gefangengenommen zu werden und als Verräter im Gefängnis zu landen. "Sie werden mich fragen: 'Was hast du in dieser Zeit gemacht?' Und darüber mache ich mir Sorgen", sagt er. Und er fragt sich: Wer wird in diesem Fall für seine Familie und Kinder?

Befreite Städte und Dörfer

Qassim al-Maliki, der Kommandant der irakischen 9. Panzerdivision, berichtete, dass drei Brigaden bereits 13 Dörfer nahe Mossul befreit hätten.

Eine Gruppe von Frauen eines befreiten Dorfes in der Nähe von Mossul sprachen über das Horrorleben unter der IS-Herrschaft. Sie hätten in ständiger Angst gelebt, sagten sie gegenüber "CNN". Jeden Tag seien sie von IS-Kämpfern gefragt worden, ob sie waffen oder Handys bei sich hätten. Menschen, die wegen einer so simplen Sache wie dem Besitz eines Handys erwischt wurden, seien exekutiert worden. Auch Rauchen war bei Todesstrafe verboten.

Unterdessen haben hunderte Christen aus der Stadt Qaraqosh die Befreiung vom IS durch irakische Regierungstruppen gefeiert. "Heute ist ein glücklicher Tag. Es gibt keinen Zweifel, dass unsere Heimat befreit wird, und wir danken Gott, Jesus Christus und der Jungfrau Maria", sagt Hasem Jeju Cardomi in Erbil.

* Die beiden größten Glaubensrichtungen im Islam sind die Sunniten und die Schiiten. Rund 90 Prozent der Muslime weltweit sind Sunniten. Rund zwei Drittel der Bevölkerung im Irak sind Schiiten.

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