Morgenstern verpasst Sprung aufs Podest: Halbzeit-Zweiter scheitert am zweiten Flug

Gold an Norweger Bystöl, 2. Hautamäki, 3. Ljökelsöy Kofler, Widhölzl und Koch unter Wert geschlagen

Der Olympiasieger von der Normalschanze heißt Lars Bystöl. Der Norweger, der heuer auf dem Kulm schon Skiflug-Team-Weltmeister geworden war, triumphierte in Pragelato mit einem Zähler Vorsprung auf den Finnen Matti Hautamäki und einen weiteren auf seinen Landsmann Roar Ljökelsöy. Für Österreich gab es letztlich eine Schlappe: Der nach dem ersten Sprung auf Platz zwei gelegene Thomas Morgenstern fiel im 2. Durchgang bei schwierigen Windverhältnissen auf Platz 9 zurück.

"Ich kann nicht mehr machen als Skispringen. Ich habe den besten Sprung gemacht, den ich hier gezeigt habe. Leider war nicht mehr drinnen, da kann man nichts machen", meinte ein schwer enttäuschter "Morgi", dem die Bedingungen ebenso wie auch Janne Ahonen und dem nach dem ersten Durchgang sensationell führenden Russen Dmitrij Wassilijew zum Verhängnis wurden. Auch Ahonen, der mit Morgenstern ex aequo auf Platz zwei gelegen war, fiel zurück (auf Platz 6), und muss weiter auf sein ersehntes erstes Olympia-Gold warten. Wassilijew rutschte hinter Morgenstern an die 10. Stelle zurück.

Die restlichen drei Österreicher konnten im Kampf um die Medaillen nicht einmal mitreden. Etwas enttäuschend verlief der Wettkampf für Willingen-Sieger Andreas Kofler, der durchaus zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter zählte. Mit 100,5 und 101,5 Metern landete der 21-Jährige aus Telfes bei seinem Olympia-Debüt "nur" an 11. Stelle. "Ich hätte mir mehr erwartet, es war ein braver Job, aber eben nicht gut genug. Meine Schanzen kommen noch", sagte "Kofi".

Andreas Widhölzl zeigte Weiten von 98 und 99,5 m und war als 17. trotzdem nicht unzufrieden. "Ich wäre natürlich schon gerne weiter vorne gewesen. Der erste Sprung war nicht ganz so gut, aber der zweite war in Ordnung. Auf der großen Schanze werde ich sicher stärker sein", versprach der Tiroler. Martin Koch (97,5/94,5) verpatzte den 2. Durchgang und wurde 23.

Offiziell wollte sich niemand wirklich auf die stark wechselnden Rückenwindbedingungen ausreden. "Morgen hätte es ein anderes Resultat gegeben. Unsere Leute Morgenstern und Kofler können gleich gut Skispringen wie die, die da oben stehen", meinte ÖSV-Direktor Toni Innauer mit Blick auf die Medaillengewinner. "Es möge sich jeder selbst ein Bild machen, wenn man sich den Verlauf des zweiten Durchgangs anschaut. Ich bin ziemlich enttäuscht", gestand Innauer.

Nur mit einem absolut perfekten Sprung hätte man die Medaille vielleicht noch retten können, meinten Innauer und auch Alex Pointner unisono. Pointner: "Wir müssen nach vorne schauen, wir haben noch zwei Entscheidungen. Wir haben auch bei der WM erst eine auf den Deckel bekommen und sind dann Weltmeister geworden", hofft Pointner auf eine Wiederholung der Ereignisse.

Wie so oft bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften hat also ein Springer gewonnen, der nicht gerade zum Kreis der engsten Sieganwärter gezählt hat. Allerdings hat Bystöl heuer immerhin auf dem Bergisel gewonnen und kam nicht so wie Phönix aus der Asche wie vor vier Jahren Doppel-Olympiasieger Simon Ammann oder der Slowene Rok Benkovic bei der WM in Oberstdorf.

Endstand Normalschanze (HS 106):
1. Lars Bystöl NOR 266,5 Pkt (101,5/103,5 m)
2. Matti Hautamäki FIN 265,5 (102,0/103,5)
3. Roar Ljökelsöy NOR 264,5 (102,5/102,5)
4. Michael Uhrmann GER 264,0 (101,0/104,5)
5. Andreas Küttel SUI 262,5 (103,0/101,0)
6. Janne Ahonen FIN 261,5 (103,5/100,0)
7. Adam Malysz POL 261,0 (101,5/102,5)
8. Michael Neumayer GER 260,5 (103,5/103,0)
9. T. Morgenstern AUT 259,5 (103,5/99,5)
10. Dmitrij Wassilijew RUS 258,5 (104,5/100,5)
11. Andreas Kofler AUT 257,5 (100,5/101,5)
12. Georg Späth GER 251,0 (99,5/100,0)
13. Jakub Janda CZE 249,0 (99,0/100,0)
. Michael Möllinger SUI 249,0 (100,5/98,5)
15. Björn Romören NOR 248,0 (100,0/98,5)
16. Kamil Stoch POL 247,0 (100,0/98,5)
17. Andreas Widhölzl AUT 244,0 (98,0/99,5)
18. Daiki Ito JPN 243,5 (100,0/96,5)
19. Dmitrij Ipatow RUS 242,5 (98,5/98,5)
20. Noriaki Kasai JPN 241,0 (100,0/95,5)
21. Alexander Herr GER 231,0 (98,5/94,5)
. Jan Matura CZE 231,0 (97,5/93,5)
23. Martin Koch AUT 229,5 (97,5/94,5)
. Takanobu Okabe JPN 229,5 (96,5/94,5)
25. Robert Mateja POL 229,0 (95,5/94,5)
26. Radik Schaparow KAZ 227,0 (98,0/95,0)
27. S. Colloredo ITA 226,5 (95,5/95,0)
28. Janne Happonen FIN 225,0 (96,0/93,5)
29. Stefan Hula POL 218,0 (95,5/90,5)
30. Primoz Peterka SLO 215,0 (97,0/88,0)

(apa/red)