Mordversuch eines 42-Jähriger Mannes an dreijährigem Mädchen in Graz vor Gericht

Wollte Lebensgefährtin "einen Denkzettel verpassen"

Wegen Mordversuchs an einem dreijährigen Mädchen muss sich heute ein 42-Jähriger Grazer vor einem Geschworenensenat verantworten. Der Mann soll im Juli vorigen Jahres versucht haben, die Tochter seiner Lebensgefährtin zu töten. Er würgte das Mädchen und drohte, das Kind über den Balkon zu werfen. Die Polizei konnte das Kind im letzten Moment retten.

Der Tat waren zahlreiche Streitereien mit der Lebensgefährtin vorausgegangen. Dabei soll es unter anderem immer wieder um den Alkoholkonsum des Angeklagten gehandelt haben. Der Grazer wurde im Juli 2005 von der Polizei aus der Wohnung der Frau gewiesen, kam jedoch zwei Tage später zurück. Über eine Leiter kletterte er auf den Balkon, schlug eine Fensterscheibe ein und gelangte so ins Kinderzimmer. Dort schlief das dreijährige Mädchen sowie seine beiden älteren Geschwister.

Laut Anklage ergriff der 42-Jährige das Kind und rannte mit ihm auf den Balkon. Dort würgte er die Kleine und drohte, sie über das Geländer in die Tiefe zu werfen. Der Mutter gelang es, das Kind an sich zu reißen. Daraufhin eilte der Mann ins Kinderzimmer und versuchte, den Vorhang anzuzünden. Dann riss er der Frau erneut das Mädchen weg. Er würgte die Dreijährige und warf sich auf sie. Der Polizei gelang es schließlich, das bereits bewusstlose Kind zu befreien.

Bei der ersten Einvernahme hatte der Grazer angegeben, er habe seiner Lebensgefährtin mit dieser Tat "einen Denkzettel verpassen" wollen.

Angeklagter ist nur teilgeständig
"Wenn die Polizei zwei, drei Minuten später gekommen wäre, wäre das Leben des Kindes ausgelöscht gewesen", schilderte Staatsanwalt Wolfgang Fauland in aller Deutlichkeit die dramatische Situation. Das Mädchen war bereits ohnmächtig und röchelte nur noch, als die Beamten den 52-Jährigen endlich überwältigen konnten. Der Angeklagte selbst fühlte sich nur teilweise schuldig.

Es hatte immer wieder Streit gegeben zwischen dem Beschuldigten und seiner Freundin, unter anderem deswegen, weil sie immer wieder Kontakt zu den Vätern ihrer drei Kinder hatte. "Da kam er auf die teuflische Idee, das Mädchen zu töten, um sie zu treffen", sagte der Ankläger. Der Mann war um 4.00 Uhr früh zu dem Haus zurückgekehrt, aus dem er bereits von der Polizei weggewiesen worden war. "Er wollte Selbstmord begehen und das Kind mitnehmen", erklärte dagegen der Verteidiger.

"Fühlen Sie sich schuldig?", fragte Richter Helmut Wlasak. "Nur teilweise", meinte der Angeklagte. Den Hausfriedensbruch gab er zu, zum Mordversuch wollte er nichts sagen. Er hatte nach eigenen Angaben zu den Kindern seiner Lebensgefährtin - sie waren damals zwischen drei und zehn Jahre alt - immer ein sehr gutes Verhältnis. Doch Eifersucht und Alkohol machten den Grazer zunehmend aggressiver. "Er hat das Problem nie bei sich selbst gesucht, dabei ist genau das sein Problem", meinte der Staatsanwalt.

Der 42-Jährige ergriff ganz gezielt das kleinste Kind und lief mit ihm weg, die schreiende Mutter folgte ihm. "Die Kinder sind ihr ein und alles", meinte der Angeklagte unter Tränen. Und genau deswegen wollte er ihr einen "Denkzettel" verpassen, indem er das Mädchen zu töten drohte.

Als Zeuge wurde auch der zehnjährige Bruder des kleinen Mädchens geladen, der auf Geheiß der Mutter versucht hatte, die Dreijährige in Sicherheit zu bringen.
(apa)