Morde in der Familie - Männer haben ein wesentlich höheres Aggressionspotenzial

Tat geht oft emotionaler Eskalationsprozess voraus

Immer wieder lösen Elternteile Blutbäder in ihren eigenen Familien aus. Meistens sind die Täter Männer. Dass Frauen ihre eigenen Kinder umbringen, geschieht eher selten.

"Dass Mütter ihren Kindern selten etwas antun, ergibt sich aus der Tatsache, dass Frauen einen angeborenen Schutzinstinkt haben. Deshalb erheben sie selten die Hand gegen ihre eigene Sprösslinge", sagte Psychiater Max Friedrich im Sommer vergangenen Jahres im Gespräch mit der APA. Männer hätten generell ein höheres Aggressionspotenzial.

Der Tat geht meist ein emotionaler Eskalationsprozess voraus. Der Soziologe Helmut Tausendteufel von der Freien Universität Berlin sprach in diesem Zusammenhang einmal von einem "starken Abhängigkeitsverhältnis zwischen Täter und Opfer". Bei einer Krise verstärke sich das Gefühl, die Beziehung kontrollieren zu müssen, erkannte Tausendteufel aus seinen Untersuchungen. Eskaliert die Situation, könne der Täter sein Handeln immer weniger rational steuern. Nur noch Mord scheint ein Ausweg zu sein.

Diese Bluttaten als "Familientragödie" oder "Verzweiflungstat" zu bezeichnen, sei unrichtig und führe zu einem falschen Bild, zu einer Art Schuldentlastung für den Täter. Das betonte anlässlich eines derartigen Vorfalls vor einigen Jahren der Wiener Psychiaters Stephan Rudas, Chefarzt der Psychosozialen Dienste, in einem Interview mit der APA.

De facto ist die Gesellschaft vor Amokläufern nicht zu schützen, meinen Experten. Für die Prognose solcher Taten reichen die vorhandenen Mittel nicht aus. Nach einer Tat lassen sich allerdings oft "Vorzeichen" finden. Tiefenpsychologisch sind Amokläufe demnach überhaupt nur im Einzelfall erklärbar.

(apa)