Mohammed-Karikatur auch auf Titelseite in Deutschland: 'Nachdruck Journalistenpflicht'

Journalisten-Verband verurteilt die Veröffentlichung Nach Abdruck: "France-Soir"-Chef verliert den Job

Mohammed-Karikatur auch auf Titelseite in Deutschland: 'Nachdruck Journalistenpflicht'

Der Nachdruck der umstrittenen Mohammed-Karikatur einer dänischen Zeitung in deutschen Medien ist nach Ansicht des Chefredakteurs der Zeitung "Die Welt" eine journalistische Pflicht. "Das ist jetzt ein politischer Vorgang", sagte Roger Köppel der dpa. Somit liege die Dokumentation des Vorgangs im "Auftrag der Presse". Die "Welt", die die umstrittenen Karikaturen bereits in früheren Ausgaben gedruckt hatte, brachte auf der Titelseite eine Reproduktion einer Zeichnung, die Mohammed mit einer Bombe als Turban zeigt, an der die Lunte brennt.

Die im Axel-Springer-Verlag erscheinende Zeitung hatte auf der Titelseite eine Karikatur gedruckt, die einen bärtigen Mann mit einem Turban in Form einer Bombe auf dem Kopf zeigt. Auf einer hinteren Seite wurden weitere Karikaturen aus der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" abgebildet.

"Man muss das Corpus Delicti dieser Auseinandersetzung zeigen, aber auch auf die moralischen Proteste hinweisen", sagte Köppel. Die Karikatur sei in der "Welt" nicht zum ersten Mal veröffentlicht worden, allerdings erstmals auf der Titelseite. Bemerkenswert sei, dass das Merkmal einer offenen Gesellschaft, auch das Religiöse humoristisch zu betrachten, nun derart unter Beschuss gerate. "Eine dänische Zeitung muss sich für etwas entschuldigen, was zu ihrer Freiheit gehört."

Erstaunt ist Köppel von der Dimension des Protests, der sich auch gegen den Staat Dänemark richte. Der Streit, der unter anderem zu einer Bombendrohung gegen die Zeitung "Jyllands-Posten" und zu Aufrufen zum Boykott dänischer Produkte führte, ist für Köppel "ein grundsätzlich journalistisch interessantes Thema". Es beinhalte die Problematiken von Migration, unterschiedlichen Wertmaßstäben und den Schwierigkeiten beim Aufeinanderprallen einer säkularen und nicht säkularen Kultur. "Das wird uns weiter beschäftigen", sagte Köppel.

Bei allen Veröffentlichungen müsse man das journalistische Ethos bewahren und vorsichtig sein. "Ich persönlich finde aber nicht, dass die Karikatur zu weit geht." Möglicherweise, sagte Köppel, werde der Vorgang auch bewusst von religiösen Scharfmachern ausgeschlachtet.

Kritik vom Journalisten-Verband
Der Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbandes, Hendrik Zörner, bewertete die Veröffentlichung als Verstoß gegen den Kodex des Presserats. Dieser betrachtet Veröffentlichungen, "die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können", als unvereinbar mit der Verantwortung der Presse. Der Verbandssprecher sieht den Beleg für die Verletzung der religiösen Gefühle in den Massenprotesten gegen die Karikaturen in der arabischen Welt. Daran änderten auch die Morddrohungen gegen den Karikaturisten nichts: Der Pressekodex gilt, auch wenn es Morddrohungen gegen Journalisten gibt", sagte Zörner.

"France-Soir"-Chef wegen Mohammed-Karikaturen entlassen
Wegen des Nachdrucks der umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed ist der Chef der Pariser Boulevardzeitung "France Soir", Jacques Lefranc, entlassen worden. Der ägyptische Besitzer von "France-Soir", Raymond Lakah, nannte die Entlassung ein deutliches Zeichen, dass die Überzeugungen aller Menschen geachtet würden. Lakah entschuldigte sich zudem "bei der Gemeinschaft der Moslems und allen Menschen, die wegen dieser Veröffentlichung schockiert oder empört" seien.

"France-Soir" hatte am Mittwoch als einzige französische Zeitung zwölf Mohammed-Karikaturen aus dem dänischen Blatt "Jyllands-Posten" nachgedruckt, um das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen. "Ja, man hat das Recht, Gott zu karikieren", hieß es auf der Titelseite. Man könne von den Karikaturen halten, was man wolle, sie seien weder rassistisch gemeint, noch setzten sie eine Gemeinschaft herab. (apa/red)