Mögen die Spiele beginnen: Heute startet Olympia 2006 mit Eröffnungsfeier in Turin!

Fest aus "Feuer, Eis und Musik" ist angekündigt PLUS: Hohe Sicherheitsvorkehrungen bei Zeremonie

Die heutige Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Turin wird ein Fest aus "Feuer, Eis und Musik". Die über zweistündige Zeremonie im Stadio Olimpico, bei der auch Startenor Luciano Pavarotti und Filmdiva Sophia Loren auf der Bühne stehen sollen, ist eine bunt gemischte Show aus Tanz, Akrobatik und feierlichem Olympia-Schwur, bei der sogar Passagen des Nationaldichters Dante rezitiert werden, berichteten italienische Zeitungen am Donnerstag nach der Generalprobe. Und: Nicht einer, sondern acht Sportler sollen die Olympische Flamme entzünden. Das berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica".

Zwei Milliarden Fernsehzuschauer können das Spektakel live miterleben. Österreichische Fahnenträgerin ist die Alpin-Skiläuferin Renate Götschl. Die Eröffnungs- und Schlussfeier am 26. Februar kosten nach Angaben von Valentino Castellani, dem Präsidenten des Organisationskomitees TOROC, zusammen 28 Millionen Euro.

Motto: "Passion lives here"
Die Eröffnungsfeier steht unter dem Motto der Spiele: "Passion lives here" - Leidenschaft lebt hier. Das erstmals präsentierte Konzept umfasst neben dem Einmarsch der 2.500 Sportler aus 82 Nationen und den üblichen Reden Tanz, spektakuläre Akrobatik und aufwändige Ausflüge in die Geschichte.

"Die Show ist heiter und dynamisch, ihr Charakteristikum heißt Schnelligkeit", schreibt "La Gazzetta dello Sport". Acht Nobelpreisträger sollen die Olympische Flagge ins Stadion tragen, verriet das Blatt weiter. "Ein großes italienisches Fest", schwärmte "La Repubblica", bei dem Ferrari-rot gekleidete Eisläufer mit einem Feuerschweif aus dem Helm um das Stadionoval flitzen. Heißluftballons, die Sonne und Mond symbolisieren, ziehen akrobatische Himmelstänzer durch die Lüfte - die Musik reiche von Verdi bis zum Pop.

Geheimnis: Wer entzündet Olympisches Feuer?
Ein Geheimnis blieb, wer das Olympischen Feuer entzündet. Als Favorit wird Italiens dreifacher Goldmedaillen-Gewinner Alberto Tomba ("Tomba la bomba") gehandelt. Inzwischen hat aber auch Stefania Belmondo Ansprüche angemeldet - sie ist mit zehn Medaillen erfolgreichste italienische Olympia-Teilnehmerin. Vor dem Entzünden der Flamme tragen mehrere Läufer die Fackel durchs Stadion, berichteten Zeitungen. Die italienische Nationalhymne werde von einem kleinen Mädchen gesungen.

Nicht einer, sondern acht Sportler sollen die Olympische Flamme entzünden. Das berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Donnerstag. Italiens Ski-Idol Alberto Tomba, die Olympiasiegerinnen Deborah Compagnoni (Ski alpin), Stefania Belmondo und Manuela Di Centa (jeweils Langlauf) sowie die vier Mitglieder der italienischen Langlauf-Staffel (Marco Albarello, Maurilio De Zolt, Silvio Fauner und Giorgio Vanzetta), die bei den Spielen in Lillehammer 1994 Gold erobert haben, teilen sich demnach die Ehre.

Die acht Sportler werden den Brenner mit jeweils einer Fackel in der Hand umkreisen und gleichzeitig das Feuer entfachen. Das 57 Meter hohe Gebilde, das so hoch wie ein 26-stöckiges Gebäude ist, besteht aus fünf ineinander geschwungenen Röhren. Die Flamme soll vier Meter hoch sein, über das Stadio Comunale hinausragen und in allen Stadtteilen zu sehen sein. Entworfen wurde das Gebilde von der renommierten italienischen Designerfirma Pininfarina.

Die offiziellen Eröffnungsworte zum Start der XX. Olympischen Winterspiele spricht der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi. Rund 40 Staats- und Regierungschefs sowie gekrönte Häupter kommen zur Eröffnungsfeier. Aus den USA reist Präsidentengattin Laura Bush an, auch der britische Premierminister Tony Blair schickt seine Ehefrau Cherie nach Turin, der deutsche Bundespräsident Horst Köhler ist anwesend, der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer wird allerdings nicht dabei sein. Aus Furcht vor Terroranschlägen herrschen strengste Sicherheitsmaßnahmen - unter anderem patrouillieren F-16-Kampfjets am Himmel über Turin.

82 Mannschaften nehmen an Spielen teil
Bei der Zeremonie werden alle 82 Olympia-Mannschaften hinter ihren Fahnenträgern an den knapp 35.000 Zuschauern im Stadio Olimpico vorbeiziehen. Allerdings waren am Donnerstag noch Karten in oberen Preisklassen von 200 bis 850 Euro erhältlich. Die Show ist von Choreograf Marco Balich konzipiert, der schon Konzerte von U2, Pink Floyd und Whitney Houston inszenierte.

"Es wird die wichtigste und größte Show der Welt", kündigte Balich an. Geboten wird dabei auch eine Hommage an die italienische Geschichte mit Tanzszenen aus dem Barock und der Renaissance. Schlussakkord sei der Gefangenchor "Va' penioro" aus der Oper "Nabucco" von Giuseppe Verdi. "Eine Show voller Emotionen", meinte "La Repubblica".

Renate Götschl Österreichs Fahnenträgerin
Das österreichische Aufgebot marschiert hinter Renate Götschl ein, vom 82-köpfigen ÖOC-Team werden allerdings nur wenige Sportler dabei sein. Von den Nordischen werden höchstens Ersatzspringer einmarschieren, die Alpinen werden auch großteils fehlen, weil sie noch nicht in der Olympia-Region oder schon in voller Konzentration auf die Bewerbe sind. Die Kufen-Sportler (Bob, Rodeln, Skeleton) und Snowboarder wollen sich die Eröffnung aber großteils nicht entgehen lassen.

Kampfjets patroullieren über Turin
Während der Eröffnungsfeier patrouillieren F-16-Kampfjets am Himmel über Turin. Außerdem stehen Luftabwehrraketen zum Schutz gegen mögliche terroristische Angriffe bereit, berichtete die Zeitung "La Repubblica" (Rom) am Donnerstag. Zugleich bereiten sich die Sicherheitskräfte auf Störungen von Globalisierungs-Kritikern in der Olympia-Stadt vor. Besonders der Besuch der amerikanischen Präsidenten-Gattin Laura Bush in der Universität von Turin gilt als "heikler Termin".

Sicherheitsexperten befürchten "spontane Aktionen" von Globalisierungs-Kritikern und der Anarcho-Szene. "Nicht wirklich gefährliche Aktionen, aber solche, die Angst und Panik auslösen können", meint ein Experte aus dem römischen Innenministerium. Außerdem könnten Demonstranten versuchen, die Wagenkolonne von Laura Bush aufzuhalten. Die Präsidentengattin, die am Donnerstag zunächst in Rom empfangen wurde, werde von 30 CIA-Agenten begleitet.

(apa)