"Mit jedem Tag werden Chancen geringer": Zustand von Ariel Sharon ist weiter kritisch

Nach Darmoperation stabi aber kaum noch Hoffnung 77-Jähriger seit Schlaganfall am 4. Jänner im Koma

Nach einer Notoperation am Darm haben sich die Aussichten für eine Genesung von Ariel Sharon weiter verschlechtert. Der 77-jährige israelische Ministerpräsident schwebte am Samstag nach Angaben der Ärzte in Lebensgefahr. In der vierstündigen Operation wurde ein Drittel des Dickdarms entfernt. Am Sonntag wurde der Zustand des Patienten als "stabilisiert, aber weiterhin kritisch" bezeichnet. Seit seinem Schlaganfall am 4. Jänner befindet sich der 77-Jährige im Koma.

Wegen der akuten Verschlechterung des Gesundheitszustands Sharons entschlossen sich die Ärzte am Samstag in Abstimmung mit seinen beiden Söhnen Omri und Gilad zur Operation. "Während des Eingriffs stellten wir an einem Teil des Dickdarms Nekrose fest", sagte der Direktor der Hadassah-Klinik, Shlomo Mor-Yosef. Dieses tote Gewebe wurde entfernt. Es handelte sich bereits um die siebte Operation seit dem Schlaganfall.

Mor-Yosef bezeichnete das andauernde Koma als das aus medizinischer Sicht größte Problem. Auf die Frage, ob Sharon aus dem Koma erwachen könne, antwortete er: "Alle Möglichkeiten bleiben offen, aber mit jedem Tag werden die Chancen geringer".

Die Entscheidung zur Notoperation am Samstag fiel, nachdem eine Computertomographie eine Durchblutungsstörung in Sharons Verdauungssystem zeigte, wie eine Sprecherin des Hadassah-Spitals, Jael Bossem-Levi, vor dem Eingriff mitteilte. Der Verdauungstrakt sei bereits schwer geschädigt. Es bestehe das Risiko einer Nekrose (Absterben von Gewebe, Anm) in Sharons Eingeweiden. "Das Leben Sharons ist in Gefahr", sagte Bossem-Levi.

Die Amtsgeschäfte des Ministerpräsidenten führt der bisherige Vizeregierungschef Ehud Olmert. Bereits am Tag nach dem Schlaganfall hatte sich in der israelischen Öffentlichkeit die Einschätzung durchgesetzt, dass Sharon nicht mehr in sein Amt zurückkehren könne. Für den 28. März sind in Israel vorgezogene Parlamentswahlen geplant, bei denen die von Sharon neu gegründete Partei Kadima laut Umfragen stärkste politische Kraft werden könnte. Olmert wird statt Sharon nun auch Spitzenkandidat von Kadima sein.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, sagte, die US-Regierung verfolge die Entwicklung mit größter Aufmerksamkeit, "und unsere Gedanken und Gebete gelten Sharon".

Bereits sieben Operationen überstanden
* 4. bis 6. Jänner: Drei Notoperationen am Gehirn, um Blutungen zu stoppen.

* 15. Jänner: Luftröhrenschnitt wird gesetzt, um die Atmung zu erleichtern.

* 18. Jänner: Ärzte setzen ein neues Atemröhrchen ein, um ein technisches Problem zu beheben.

* 1. Februar: Magensonde zur künstlichen Ernährung eingesetzt. Dies gilt als Zeichen, dass sich die Ärzte auf eine längerfristige Behandlung einstellen.

* 11. Februar: Nachdem bei eine Computertomographie eine Durchblutungsstörung im Verdauungstrakt festgestellt wurde, wird in einer vierstündigen Notoperation 50 Zentimeter des Dickdarms entfernt. Unmittelbar vor der Operation hatte es geheißen, Sharon werde den Tag nicht überleben.
(apa/red)