"Mir ist angst": Betonung entscheidet über die endgültige Groß- und Kleinschreibung

Neue Wortkreationen: "Pleitegehen" und "spitze sein" Lesefreundlichkeit: Verwendung von mehr Kommas

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat empfohlen, bei der umstrittenen Groß- und Kleinschreibung von Wörtern künftig den Wortsinn stärker in den Vordergrund zu stellen und die Schreibweise von der Betonung abzuleiten. Im Anschluss an die achte Sitzung des Expertengremiums sagte der Ratsvorsitzende Hans Zehetmaier, bei der Groß- und Kleinschreibung von einzelnen Wörtern müsse die Betonung berücksichtigt werden.

Als Beispiele nannte der frühere bayerische Kultusminister das "Schwarze Brett" als Synonym für eine Mitteilungstafel. Auch die Kleinschreibung sei möglich, wenn allein die Farbe gemeint sei. Gleiches gelte für die "Graue Maus".

Entsprechend solle "ich habe Angst" und "mir ist angst" geschrieben werden. Es gebe einen gleitenden Übergang von Adjektiv und Substantiv, die durchgängige Groß- oder Kleinschreibung der Rechtschreibreform würde damit beendet. Das Anredepronomen im Brief ("Du", "Sie") könne auch wieder groß geschrieben werden. Bisher sei die Kleinschreibung vorgesehen.

Der Rat hatte sich auch dafür ausgesprochen, dass in Zukunft wieder mehr Kommas gesetzt werden sollen. Damit sollen die Sinnzusammenhänge wieder schneller erfasst werden können. Die Lesefreundlichkeit sei wichtig.

Bei einigen der Schreibregeln spricht sich der Expertenrat hingegen für verbindliche, neue Schreibweisen aus. Statt "Pleite gehen" soll künftig "pleitegehen" geschrieben werden, statt "Spitze sein" die Schreibweise "spitze sein" gelten. Auch bei "jenseits von gut und böse" spricht sich der Rat für die künftige Schreibweise "jenseits von Gut und Böse" aus. Zehetmaier sagte, der Rat habe mehr Wert auf den Sprachgebrauch gelegt und appelliere, erzieherische Möglichkeiten in der Rechtschreibung verstärkt zu nutzen.

(apa/red)