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Selbstfahrender Minibus machte Halt in Salzburg

Er ist klein, wendig, fährt mit Strom und kommt völlig ohne Fahrer aus: In der Stadt Salzburg war am Mittwoch österreichweit erstmals ein selbstfahrender Minibus auf offener Straße unterwegs. Vorerst allerdings nur zu Testzwecken. Doch geht es nach den Wünschen der Politik, könnten die autonomen Fahrzeuge in Zukunft eine wichtige Rolle im Öffentlichen Verkehr des Bundeslandes einnehmen.

"Die selbstfahrenden Mini-Busse sollen nicht S-Bahnen oder Linienbusse ersetzen, sondern als Ergänzung die Lücke zwischen dem Wohnort und der nächsten Haltestelle schließen", erklärte der Salzburger Verkehrslandesrat Hans Mayr (parteifrei) bei der Bus-Präsentation. "Es geht um die erste und die letzte Meile. Diese Strecke ist oft der Grund, warum Menschen mit dem Auto fahren und nicht auf den Öffentlichen Verkehr umsteigen."

Der sogenannte Mikro-ÖV dient vor allem im ländlichen Raum als Zubringer zu den Haltestellen. "Mit selbstfahrenden Bussen kann man die Intervalle verkürzen und Kosten reduzieren", sagte Mayr. Er will das System langfristig flächendeckend im Bundesland einführen - möglich sei sowohl ein Einsatz auf kurzen Linien wie auch als Art Ruf-Taxi. "Der Betrieb herkömmlicher Mikro-ÖV-Systeme ist relativ teuer oder beruht auf Lenkern, die freiwillig fahren. Ohne Kosten für die Fahrer kommen die autonomen Mini-Busse auf Dauer billiger." Der Elektrobus "Arma" der französischen Herstellerfirma Navya kostet derzeit noch 250.000 Euro, Mayr rechnet aber damit, dass die Preise mit steigender Produktionszahl sinken.

Der "Arma" ist 4,8 Meter lang und 2,05 Meter breit und damit auch für enge und verwinkelte Gassen geeignet. Er bietet elf Sitz- und vier Stehplätze. Als "Augen" dienen GPS, Kameras und sogenannte LIDAR-Sensoren, die in jeder Sekunde eine Million Lichtpunkte aussenden um die Umgebung abzutasten. Damit kann das Fahrzeug auf Hindernisse wie Baustellen, Menschen, Tiere und andere Fahrzeuge reagieren. Bei der Testfahrt in der Salzburger Altstadt - die nur mit Sondergenehmigung des Verkehrsministeriums möglich war - war der Bus am Mittwoch allerdings recht langsam und vorsichtig unterwegs. Zur Sicherheit war außerdem ein Operateur mit an Bord, der jederzeit hätte eingreifen können.

Die Maximalgeschwindigkeit des Elektro-Minibusses liegt bei 45 km/h, er kann in beide Richtungen fahren. "Die Batterien reichen für rund 10 bis 13 Stunden Betrieb am Tag, dann müssen sie sechs Stunden aufgeladen werden", erklärte Frederic Sartou vom Hersteller Navya, der sich auf die Entwicklung autonomer Fahrzeuge spezialisiert hat. Werden die Akkus leer, fährt der Bus autonom zu einer Ladestation. Derzeit entsteht bei Lyon ein neues Navya-Werk, in dem ab kommendem Jahr rund 300 Stück pro Jahr vom Band laufen sollen. Fahrzeuge der Firma sind im öffentlichen Verkehr bereits in Lyon (F), Perth (AUS), Doha (QAT) und Sion (CH) im Einsatz.

Die landeseigene Forschungsgesellschaft Salzburg Research hat sich für eine Testgenehmigung für selbstfahrende Fahrzeuge im öffentlichen Personennahverkehr sowie für die Sondierung einer Testregion im Bundesland Salzburg beworben, um die Praxistauglichkeit zu erforschen und erproben. "Wir wissen etwa nicht, wie sich der Bus bei Schnee und Eis verhält und welche Kosten für Wartung und Betrieb auf Dauer anfallen", sagte Karl Rehrl, Leiter des Forschungsschwerpunktes Mobilität bei Salzburg Research.

Die Entscheidung, wo in Österreich die Testregionen liegen werden, soll noch heuer fallen. Das Interesse dafür sei laut Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) hoch. Das Verkehrsministerium unterstützt Forschung und Pilotprojekte zum Thema autonomes Fahren aktuell mit 20 Millionen Euro.

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