Mindestlohn: In 49 Branchen liegt der Kollektivvertrag unter 1.000 Euro brutto!

Zeitungszusteller mit 670 Euro am ärmsten dran Auch Bäcker-Kollektiv liegt bei unter 800 Euro

Mindestlohn: In 49 Branchen liegt der Kollektivvertrag unter 1.000 Euro brutto!

In 49 Branchen gibt es Mindestlöhne unter 1.000 Euro brutto monatlich. In insgesamt 20 Bereichen beträgt der Mindestlohn sogar nicht einmal 900 Euro. Am niedrigsten sind dabei die Zeitungszusteller mit rund 670 Euro eingestuft. Knapp darüber rangieren die Schilehrer mit 683,10 Euro und unter 800 Euro liegt auch noch das Bäckergewerbe mit einem Kollektivvertrag von mindestens 799,88 Euro.

Weitere 17 Branchen kommen auf weniger als 900 Euro brutto monatlich. Es sind dies Ordinationshilfen bei Zahnärzten und Dentisten (880), das Fleischergewerbe (846,87), Immobilien- und Vermögenstreuhänder (883), Angestellte der Lauda Air (896,12), Angestellte in Notariaten (888,79) sowie Angestellte bei Rechtsanwälten (887,34), Angestellte der Gablonzer Betriebe (877,40), Arbeitnehmer der Internationalen Schlafwagen- und Touristikgesellschaft (888), das Papier und Pappe verarbeitende Gewerbe (883,96), das Fotografengewerbe Niederösterreich (860), das Taxi- und Mietwagengewerbe (840), Naturblumenbinder und -händler (842,96), die Bekleidungsindustrie (888,88), Textilreiniger, Chemischreiniger und Färber (882,32), Kürschner, Präparatoren, Handschuhmacher, Säckler, Lederfärber, Gerber und Kappenmacher (885,60), die Lederwaren- und Kofferindustrie (888,88) und das Schuhmachergewerbe (882,32).

Zahlen darüber, wieviele der Arbeitnehmer in diesen Berufen tatsächlich nur nach dem KV bezahlt sind und wie viele doch zumindest über 1.000 Euro verdienen, liegen keine vor.

ÖVP-Sozialsprecher Walter Tancsits sieht in der Frage der Durchsetzung eines Mindestlohns von 1.000 Euro die Sozialpartner gefordert. Diese hätten "mehr als einen Nachhol- und Hausübungsbedarf". Für die Sozialpartner sei dieser Zustand ja "peinlich". Durch ein derartiges Nichthandeln werde der Ruf nach dem Gesetzgeber laut, wobei er nicht für eine derartige Lösung eintrete. "Beide Sozialpartner sind hier gefordert. Sie sollen dafür sorgen, dass es nicht weiße Flecken auf der sozialen Landkarte gibt", so Tancsits zur APA.

ÖAAB überlegt gesetzlichen Generalkollektivvertrag
Der ÖVP-Arbeitnehmerflügel ÖAAB kann sich die Durchsetzung eines Mindestlohns von 1.000 Euro auch mit Hilfe eines gesetzlichen Generalkollektivvertrags vorstellen. ÖAA-Generalsekretär Werner Amon erklärte am Donnerstag zur APA, der Wirtschaft sollte zunächst noch Zeit gegeben werden, in den 49 Branchen, in denen der Mindestlohn noch unter 1.000 Euro liegt, in sozialpartnerschaftlichen Verhandlungen eine Lösung zu finden. "Wenn nicht, soll ein Generalkollektivvertrag kommen", so Amon.

Der ÖAAB-Politiker kann sich vorstellen, das Thema bei den nächsten Koalitionsverhandlungen nach den Wahlen im Herbst zu behandeln. Für Amon ist es jedenfalls nicht nachvollziehbar, warum Angestellte etwa von Ärzten, Rechtsanwälten oder Notaren noch immer unter 1.000 Euro verdienen. "Das ist aus wirtschaftlichen Gründen in keinster Weise argumentierbar", betonte Amon.

(apa)