Niedriglohn von

Wer in Österreich für unter
1.500 Euro brutto arbeitet

Welche Berufe im Niedriglohnsektor angesiedelt sind

Frisör © Bild: Istockphoto.com/Milan Markovic

Wer in Wien eine Wohnung mietet, zahlt laut Arbeiterkammer für neu abgeschlossene Mietverträge bei privaten Vermietern durchschnittlich 10,7 Euro brutto pro Quadratmeter. Das sind umgerechnet fast 650 Euro an Bruttomiete (Hauptmietzins plus Betriebskosten). Eine Frisörin verdient als Einstiegsgehalt rund 1.100 Euro netto im Monat. Die Miete würde in dem Fall mehr als die Hälte des Gehaltes ausmachen. Und diese Berufsgruppe ist nicht die einzige mit diesem Problem.

In Österreich gibt es zahlreiche Berufe, in denen der niedrigste kollektivvertragliche Monatslohn unter 1.500 Euro brutto liegt. Dieses Lohn erhalten in Österreich rund 356.500 Beschäftigte. Betroffen von den Niedriglöhnen sind laut Statistik Austria zu zwei Drittel Frauen und zu einem Drittel Männer. Insgesamt sind es 12,2 Prozent aller Beschäftigten der Privatwirtschaft. Bundeskanzler Christian Kern hat daher in seiner Grundsatzrede in Wels einen Mindestlohn von 1.500 Euro brutto gefordert, die Gewerkschaft tritt seit längerem für einen Mindestlohn von 1.700 Euro brutto ein.

Gestiegene Wohnkosten

Betrachtet man die gestiegenen Kosten für Grundbedürfnisse wie Wohnen und Lebensmittel - Lebensmittel sind laut Statistikamt Eurostat in Österreich durchschnittlich um ein Viertel teurer als im EU-Durchschnitt - wäre eine Umsetzung dieser Vorschläge wohl dringend notwendig. In einer aktuellen Analyse der Arbeiterkammer (AK) zu Mietpreissteigerungen in Wien und Österreich kommt man unter anderem zu dem Schluss: "Die Mieten sind in den letzten Jahren deutlich stärker als die Inflationsrate und die Löhne gestiegen".

Die Bruttomieten zwischen 2008 und 2014 sind österreichweit um 22 Prozent angestiegen, während die Teuerung zwölf Prozent betrug. Die Löhne stiegen im Vergleichszeitraum um 13 Prozent, teilte die AK mit. "Der private Wohnungsmarkt ist nicht mehr leistbar, vor allem für Junge“, sagte AK-Präsident Rudi Kaske, "es muss rasch ein einfaches, klares Mietrecht her, das Wohnen billiger macht."


Eine weitere Maßnahme wäre es, die Monatslöhne unter 1.500 Euro brutto anzuheben.

Den niedrigsten kollektivvertraglichen Monatslohn (ohne Zulagen, Sonderzahlungen etc.) haben in Österreich die Zeitungszusteller: Der aktuelle KV für Zeitungen/Expeditarbeiter sieht für Zusteller einen Monatslohn von 879,99 Euro vor. Damit sind die Zusteller der einzige Fall, wo die KV-Mindestlöhne unter 1.000 Euro liegen, geht aus einer Zusammenstellung des Sozialministeriums (Stand Ende November 2016) hervor.

Problematisch sind aber auch Bereiche, in denen es keinen Kollektivvertrag (KV) gibt, sodass auch keine Informationen über die dortigen Löhne vorliegen, etwa für Arbeiter in der Abfallwirtschaft. Dazu zählen auch Bereiche, wo der letzte KV schon Jahre zurückliege, etwa bei Kosmetikern, wo der Angestellten-KV aus dem Jahr 2002 stamme und ein Mindestgehalt von knapp 800 Euro vorsehe, so das Sozialministerium.

Welche Berufe schlecht bezahlt sind

Niedrig bezahlt werden weiters Serviererinnen in Konditoreien (laut KV Konditoren - Wien, Arbeiter), deren Mindestlohn bei 1.177,35 Euro liegt. Noch niedriger liegt der Mindestlohn für Kanzleikräfte bei Rechtsanwälten (KV Wien, Angestellte), die laut dem letzten KV 2009 überhaupt nur 1.023 Euro Mindestlohn haben. Im Schuhmachergewerbe verdienen Hilfsarbeiter laut KV zumindest 1.174,30 Euro.

Hilfsarbeiter in der Textilreinigung erhalten als Mindest-Monatsgehalt laut KV 1.217,60 Euro. Angestellte bei Ärzten (KV Wien) bekommen zumindest 1.370 Euro im Monat. Arbeiter im Friseurgewerbe verdienen während der Behaltepflicht nur 1.137 Euro als Mindestlohn, danach steigt ihr Lohn auf zumindest 1.344 Euro. Kaufmännische Hilfskräfte im Metallgewerbe bekommen zumindest 1.328,89 Euro monatlich.

Zwischen 1.400 und 1.500 Euro Brutto-Monats-Mindestgehalt haben einige Berufe im Gastgewerbe: So erhalten Bürohilfskräfte (Angestellte) in der Hotellerie und Gastronomie 1.420 bis 1.450 Euro. In Wiener Kaffeehäusern liegt der Mindestlohn bei 1.420 Euro. Küchenhilfskräfte und Mitarbeiter im Zimmerservice müssen mit einem Mindestlohn von 1.420 Euro das Auskommen finden. Im Fleischergewerbe (KV Wien) liegt der Lohn einer Ladnerin bei mindestens 1.458 Euro. Angestellte in der Mühlenindustrie haben einen Mindestlohn von 1.433,22 Euro.

Im Handel liegen laut dem jüngsten KV (ab 1.1.2017) nur mehr die Angestellten in der Beschäftigungsgruppe 1 mit einem Mindest-Monatsgehalt von 1.402 bis 1.436 Euro unter der Grenze von 1.500 Euro.

Bei einem Brutto-Monatsbezug von 1.500 Euro bleiben einem Beschäftigten (ohne Kinder, kein Pendler) nach Abzug von Lohnsteuer und Sozialversicherung knapp 1.200 Euro netto.

Freileich kann man einwenden, dass einige dieser Berufe, wie Frisöre oder Angestellte in der Gastronomie, auf ein Trinkgeld zählen können. Allerdings ist darauf - im Gegensatz zum regulären Gehalt - kein Verlass und es ist von Fall zu Fall verschieden. In der Gastronomie besteht zudem das Problem - wie die AK in der Vergangenheit schon öfter aufgrund von Beschwerden festgestellt hat - dass Bedienstete zwar geringfügig oder als Teilzeitkräfte angemeldet sind, aber Vollzeit arbeiten und einen Teil ihres Lohnes schwarz ausbezahlt bekommen.

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