Michael Spindelegger von

"Meine Haut ist dick genug"

Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger im Gespräch mit NEWS

Michael Spindelegger - "Meine Haut ist dick genug" © Bild: Roman Zach-Kiesling

Mittags im Schönbrunner Zoo. Das 1.050 Kilo schwere Panzernashorn-Mädchen Sundari hält einigermaßen brav still. Vorsichtigst streichelt Vizekanzler Michael Spindelegger das aus Nepal stammende Tier, dessen Name „die Schöne“ bedeutet. Mit ein paar Bananen hat sich der ÖVP-Chef die Nashorndame Sundari zur dicken Freundin gemacht.

Sundaris Haut, sagt der Außenminister, fühlt sich wie Leder an. Kräftig, stark und dickhäutig. Alles Eigenschaften, die auch Spindelegger braucht, um mit Troubles und unerfreulichen Umfragedaten seiner ÖVP fertig zu werden. Ebenso wie mit dem dramatisch sinkenden Politiker-Ansehen sowie mit der EU-Krise, wie der Vizekanzler im Gespräch mit NEWS freimütig reflektiert.

NEWS: Ist Ihre Haut dick genug, um die ÖVP zu retten? Wie viele Strassers und Mensdorff-Pouillys müssen Sie noch überstehen?
Michael Spindelegger: Meine Haut ist dick genug, um die ÖVP nach oben zu bringen. Ja, sie wächst, ich habe im letzten Jahr an dicker Haut zugelegt, weil man’s sonst nicht aushält. Aber entscheidend ist, dass man für die Dinge sensibel bleibt. Dabei: Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, ich kann daher heute die Hand nicht ins Feuer legen, dass nichts mehr aufkommt. Aber: Für mich ist wichtig, dass unter meiner Führung der ÖVP so was in der Zukunft nicht mehr passiert. Darum auch meine diversen Reformen: Transparenzpaket, Lobbyistengesetz und parteiintern der Verhaltenskodex, der klarlegt, dass über das Rechtliche hinaus ein moralisches Korsett da sein muss.

NEWS: Ist mehr direkte Demokratie Ihre Zauberformel für den bevorstehenden Wahlkampf?
Spindelegger: Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, um auf die Entfremdung der Bürger von der Politik zu antworten, die leider feststellbar ist. Nicht jede Parlamentssitzung, die im TV übertragen wird, ist eine Werbeveranstaltung für die Demokratie. Ich meine, dass man die Bürger gewinnen kann, wenn man ihnen sagt: Wir wollen euch ein bissl zur Selbstentscheidung heranführen, wenn es um Fragen geht, die ihr euch selber wünscht.

NEWS: Zur Skandalserie. Ex-VP Abgeordneter Ferry Maier sagte im „profil“: „Die aktuelle Führung hat den Fehler gemacht, zu lange zu sagen: Das ist lange her und hat nichts mit uns zu tun. Dem ist nicht so. Die ÖVP war, ist und bleibt die ÖVP.“ Was antworten Sie ihm? Spindelegger: Dass wir das aufgearbeitet haben. Eben in Form des Verhaltenskodex. Und mit dem Verbot von Provisionen. Das gibt es nicht mehr, dass jemand, weil er ein Geschäft mit dem Bund vermittelt, dafür eine Provision kriegt. Das sind Antworten auf das, was da negativ aufgekommen ist.

NEWS: Wer sind für Sie die fünf größten Persönlichkeiten in der österreichischen Politik derzeit?
Spindelegger: Von aktiven Politikern nenne ich bewusst niemanden, weil ich sonst fünf von der ÖVP nennen müsste. Und wenn ich wen von den anderen nenne, sagen die Leute: Bist vollkommen wahnsinnig geworden?

NEWS: Gehört Erwin Pröll für Sie zu den fünf größten Politikern?
Spindelegger: Selbstverständlich, er ist für mich auch ein persönlicher Freund, der mich voll und ganz unterstützt.

NEWS: Umgekehrt, fallen Ihnen fünf Politiker ein, die die Politik runterziehen?
Spindelegger: Da brauche ich nur schauen, was im Untersuchungsausschuss durch die Herren Petzner und Pilz passiert. Nichts anderes als in negativen Schlagzeilen andere runterreißen. Also, Vorbilder sind die beiden nicht gerade.

NEWS: Die Regierung, vor allem die ÖVP, scheint dem hilflos gegenüberzustehen. Mit entsprechend negativer Resonanz bei der Bevölkerung.
Spindelegger: Entscheidend ist das offenbar mangelnde Zutrauen zu Persönlichkeiten, dass diese Richtiges entscheiden, weil das Vertrauen in die Politik halt so geschwunden ist wie heute …

NEWS: Apropos Vertrauen. Letzte Woche wurde im Nationalrat der ESM abgestimmt – aber 28 Prozent der Österreicher sagen, er sei nicht richtig, 44 Prozent halten ihn gar für völlig falsch. Das ist doch ein Alarmsignal. Können Sie noch ruhig schlafen?
Spindelegger: Ich schlafe deshalb ruhig, weil ich weiß: Würde die Frage gestellt, ob der Euro als gemeinsame Währung stabil zu halten ist, hätte ich eine Zustimmung – schätze ich – von 80 bis 90 Prozent. Der ESM ist ein Werkzeug für diese Stabilität.

NEWS: Zur EU. Kanzler Faymann tendiert zu Frankreichs Präsident Hollande, distanziert sich von Angela Merkel. Ist das gut?
Spindelegger: Merkel ist eine bemerkenswerte Politikerin. Sie vertritt in Wahrheit auch den österreichischen Steuerzahler in Brüssel sehr gut. Weil sie mit ihrer Stärke sagt, man dürfe nicht alles hinüberschaufeln, Umverteilung ist kein Rezept der Zukunft. Ich bin voll auf ihrer Seite.

NEWS: Zurück ins Inland. Die Wiener ÖVP hält bei kaum zehn Prozent. Wird sie den Aufwind schaffen? Denn ohne sie hat die ÖVP 2013 keine Chance.
Spindelegger: Ich glaube fest, dass Wiens neuer VP-Chef Manfred Juraczka die Wende schafft. Siehe Parkpickerl in Wien, über 150.000 Unterschriften. Das ist Zutrauen für seine Politik, in dieser Frage wesentlich größer als für die rot-grüne Regierung.

NEWS: Ein Sachthema, das die Österreicher besonders emotionalisiert: Bleibt die allgemeine Wehrpflicht?
Spindelegger: Ja, sie bleibt, in einer neuen Konstellation. Als Österreich-Dienst auf drei Säulen. Klassisches Militär, Katastrophenschutz, Zivildienst.

NEWS: Eva Glawischnig (Grüne) sagte zuletzt, Josef Pröll sei moderner gewesen als Sie heute.
Spindelegger: Frau Glawischnig war immer eine Marxistin – und sie ist es heute noch.

Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen NEWS 28/12 !

Kommentare

Sag baba bei den nächsten wahlen.da wirst die dicke haut brauchen wennst in der kälte stehst weil du und dein roter freund östereich verheitzt hast.

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