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Ein Tormann auf Abwegen

Rapids Goalie-Legende Michael Konsel wechselte vom Strafraum auf den Steilhang

Motor - Ein Tormann auf Abwegen © Bild: Rudi Froese/News

Der Hang ist so steil, dass sich beim Blick durch die Windschutzscheibe nur der Himmel auftut. Der ist an diesem Nachmittag auch noch grau und verhangen, was dem Szenario ein Plus an Dramatik verleiht.

Doch der Fahrer, Rapids Torhüterlegende Michael Konsel, ist hochkonzentriert und macht im Jeep Grand Cherokee alles richtig: Zunächst streichelt er nur das Gaspedal, lenkt dann zackig rechtslinks, damit die durchdrehenden Räder wieder Grip bekommen, und nimmt mit Schwung die letzten Meter zum Gipfel.

"Super gemacht", lobt Christian Karlberger, Leiter des Offroad-Zentrums der ÖAMTC-Fahrtechnik im burgenländischen Stotzing, am Ende eines langen Trainingstages.

Seine Worte haben Gewicht. Denn Karlberger ist der 4 x 4-Guru des Landes und Michael Konsel ein Steilhang-Novize. Selbst in einem gestandenen Offroader wie dem Grand Cherokee, der noch nicht SUV-mäßig kuschelweich gespült worden ist, gesteht Konsel Defizite ein. Wenngleich er die elegant umschreibt: "Ich bin mir sicher, dass ich die Talente meines Autos noch lange nicht ausgereizt habe."

© Rudi Froese/News Da schaut Michael Konsel, wie der Grand Cherokee ein Radl hebt

News schickte den Ex-Keeper in ein Trainingslager der anderen Art: In Stotzing gibt es keinen englischen Rasen, dafür aber 50 Hektar Abenteuerpark für vier angetriebene Räder. Das schaurig steile Gelände, der hinterhältig wechselnde Bodenbelag und die raffi nierten Wasserbecken verlangen Konsel schon vorab Respekt ab, auch wenn er durch seine Einsätze zwischen den Torpfosten von Rapid, AS Roma und dem Nationalteam zum Mann ohne Nerven mutiert ist.

Drei Schritte zum Bergfex

Christian Karlberger hatte versprochen, Konsel in drei Schritten "von einem Softroader in einen Offroader zu verwandeln". Der erste, nämlich der Rundgang um das Auto, beginnt gleich mit einem Hoppala: linker Vorderreifen platt. Doch der Pneu ist im Nu gewechselt, und das Trockentraining kann beginnen. Karlberger zeigt Konsel die hilfreichen Accessoires, die der 190 PS starke Indianerhäuptling in die im Osten Detroits stehende Wiege gelegt bekommen hat. Dank eines Rampenwinkels von bis zu 23,5 Grad und einer Wattiefe von 50 Zentimetern kann er so einiges erklimmen oder durchpflügen. Und die Bodenfreiheit lässt sich um bis zu respektable 28 Zentimeter erhöhen. "Das Wichtigste aber ist, dass man den Jeep als Auto, das alles können sollte, im Gelände vorsichtig behandeln muss", betont Karlberger, während Konsel schon gespannt auf das Go wartet.

Schritt zwei zwingt Jeep samt Offroad-Eleven eine gatschige 30-Grad-Steigung hinauf. Kein Problem, denn der Allrad bekommt von der elektronisch zuschaltbaren Geländeuntersetzung eine Hilfestellung wie der Kletterer vom Steigeisen. Karlberger lobt, dass der Wagen immer in der Falllinie geblieben ist. "So besteht keine Gefahr, dass das Auto seitlich abrutschen oder gar kippen könnte."

© Rudi Froese/News Christian Karlberger, Leiter des ÖAMTC- Offroad-Zentrums, zeigt dem Ex-Fußballer, wie und wann man richtig gegenlenkt

Der Abstieg erzeugt bei Konsel "ein leichtes Kribbeln in der Magengegend". Das kann ein weiteres Technikfeature des Jeeps wie Mariazeller Magentropfen wegblasen: Die Bergabfahrhilfe bremst den Jeep elektronisch auf Minimaltempo ein und erhält dabei auch die Lenkbarkeit. "Ein Segen."

Bei der letzten Sektion geht es um viel Gefühl. Denn bei der sogenannten Achsverschränkung ist immer ein Rad in der Luft, manchmal auch zwei. Solange der Anfahrtswinkel an den Berg stimmt, kann nichts schiefgehen. "Vor allem muss man spüren, wann man wieder Gas geben darf, um wieder Traktion über die Räder auf die Straße zu bringen", erklärt Karlberger.

Das Abschlusszeugnis des Instruktors fällt für Mensch und Maschine mehr als befriedigend aus. "Wenn ein Fahrer ein Auto wie den Jeep so gefühlvoll fährt wie der Michi, dann macht das Auto auch im schwierigsten Terrain selbst mit Straßenbereifung eine Bombenfigur." Die Tricks von Karlberger und die Technik des Jeeps will Konsel vor allem in seinem Neojob einsetzen - als Ribiselbauer auf dem Feld.

Daten

Jeep Grand Cherokee 3.0 Diesel

Preis: € 63.090,- (Limited)
Motor: 6 Zylinder, Turbodiesel, 2987 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Spitze: 190 km/h
0-100: 10,2 Sek.
Verbrauch: 7,5 l / 100 km
Emission: 198 g CO2 / km
Fazit: Das Flaggschiff, das alles an Notwendigkeiten, Sicherheitsfeatures und Allradtechnik reingepackt hat, was man braucht.

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