Michael Häupl von

"Ärger mit Hunden und Autos"

Michael Häupl über die Parkpickerl-Misere und „Ohrenreiberl“ für Faymann

Michael Häupl - "Ärger mit Hunden und Autos" © Bild: APA/Techt

Wenn sich Bundeskanzler Werner Faymann zu einem Wiener Thema wie der Parkpickerl-Misere von Rot-Grün zu Wort meldet, hat das nicht nur mit der Nostalgie eines Ex-Stadtrats zu tun. Eher fürchtet er, dass ihm die Basis wegbricht, wenn er sie am nötigsten braucht: bei der Nationalratswahl 2013.

Michael Häupl wiederum hat sicher schon mehr Spaß an Rot-Grün gehabt. Die Ausweitung der Parkpickerlzone verschaffte der ÖVP die Gelegenheit, gegen die Stadtregierung zu kampagnisieren, trieb Häupl in eine merkwürdige Volksbefragung – erst das Pickerl einführen, ein halbes Jahr später abstimmen. Im NEWS-Gespräch versucht der Bürgermeister, das zu erklären. Und schickt eine dezente Retourkutsche gegen den Kanzler auf den Weg. Die Bundesregierung bringe schon was weiter: „Nicht wahnsinnig spektakulär und aufregend, aber immerhin.“

NEWS: Hätten Sie Wiens VP-Chef Manfred Juraczka zugetraut, dass er Ihnen mit 150.000 gesammelten Unterschriften gegen das Parkpickerl den Sommer verhaut?
Michael Häupl: Das ist ja bei einem so polarisierenden Thema nicht allzu schwer. Ich anerkenne die Zahl der Unterschriften. Und irgendwann hat die ÖVP ja etwas machen müssen. Wenn man in Umfragen unter 10 Prozent fällt, ist der neue Parteiobmann gefragt. Ich schätze Herrn Juraczka, halte ihn für einen konsensorientierten Politiker. Und fürs Erste ist es ja aufgegangen: Die ÖVP Wien hält wieder bei 13, 14 Prozent.

NEWS: In der SPÖ rebelliert die Basis. Die „Kronen Zeitung“ berichtet von „Vassilakou raus!“-Forderungen …
Häupl: Eine Rebellion gibt es nicht. Aber ich erwarte mir von der „Krone“ nicht, dass sie plötzlich zum Kampfblatt für Rot-Grün wird. Rot-Grün ist in manchen Medien berühmt, in manchen nicht. Das nehme ich zur Kenntnis.

NEWS: Warum geht die Politik eigentlich vor der Autofahrer-Lobby in die Knie?
Häupl: Tut sie doch nicht. Was hat es in dieser Stadt für ein Theater beim autofreien Rathausplatz, Fußgängerzonen und der Einbahn am Ring gegeben. Oder als vor 20 Jahren das Parkpickerl eingeführt wurde. Es gibt immer Ärger mit Autos und Hunden. Die polarisieren immer. Damit muss man als Politiker leben. Aber ehrlich gesagt: Madrid hat 25 Prozent Arbeitslose, 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit. In Italien gibt es Massendemonstrationen gegen die Aushungerungspolitik der Regierung. Von Athen will ich gar nicht reden. Wir streiten hier übers Parkpickerl. Okay, wir haben offenbar keine anderen Sorgen.

NEWS: Werner Faymann meldete sich aus Sardinien zum Parkpickerl: Er habe Vertrauen zu Ihnen. Sie seien „ein erfahrener Politiker, der weiß, was die Leute im Wirtshaus reden“. Wie fies ist das denn?
Häupl: Ich habe nicht das geringste Problem damit. Er hat ja Recht, wir haben der Kritik Rechnung getragen. Faymann war ja in der Wiener Stadtpolitik, als das Pickerl eingeführt wurde, und weiß, wie das Thema polarisiert und dass man diskutieren muss. Vorher wäre halt besser gewesen.

NEWS: Es würde uns schon interessieren, ob Faymann von Ihnen ein „Ohrenreiberl“ bekommt, wie die „Presse“ mutmaßt.
Häupl: Aber, wo!

NEWS: Gab’s schon einmal ein politisches Ohrenreiberl von Ihnen?
Häupl: Ja, aber ich bin nicht stolz drauf, weil das ist unprofessionell und unpädagogisch.

NEWS: Hat Faymann Angst, dass ihm bei der Nationalratswahl 2013 die rote Basis in Wien wegbricht?
Häupl: Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Das Thema wird ja nur benützt, um Rot-Grün-Bashing zu machen. Ist ja kein Zufall, dass just in dem Moment, als die Bundes-ÖVP ihr Anti-Rot-Grün-Papier schreibt, die bis dahin konstruktiven Gespräche mit der Wiener ÖVP scheiterten.

NEWS: Auf Befehl der Bundes-ÖVP?
Häupl: Das ist ja vollkommen klar, dass Juraczka zurückgepfiffen wurde. Es passt ja auch nicht zusammen: Da fährt die Bundes-ÖVP ihre großartige Strategie gegen Rot-Grün, und dann einigt sich ausgerechnet die Wiener ÖVP mit der einzig realen rot-grünen Regierung. Aber, wenn die ÖVP wirklich Rot-Grün als Hauptthema für ihre Wahlkampagne erkoren hat, wünsche ich ihr viel Vergnügen. Dann würden meine Parteifreunde sicher wieder mit Blau-Schwarz kommen – und das wird dann sicher der intelligenteste Wahlkampf, den man sich vorstellen kann.

NEWS: Wie sehr stand Rot-Grün in Wien wegen des Parkpickerls auf der Kippe?
Häupl: Überhaupt nicht. Das ist alles eine Geschichte jener, die mit Rot-Grün keine Freude haben. Neukärntnerisch würde man sagen: Das ist „part of the game“.

NEWS: Wie zufrieden sind Sie mit der Bundesregierung?
Häupl: Von Monat zu Monat zufriedener, weil sie die These vom Nichts-Weiterbringen falsifiziert. Nicht wahnsinnig spektakulär und aufregend, aber immerhin. Es ist ja nicht so, dass alles unproblematisch wäre: Ich spende keinen großen Beifall für das Transparenzgesetz. Aber ich habe im Parteivorstand natürlich dafür gestimmt.

NEWS: FPÖ-Chef Strache fordert den Kern-Euro. Macht das Sinn?
Häupl: Auch wenn ich vorurlaubsmilde gestimmt bin: Der Mann ist sachpolitisch nicht ernst zu nehmen. Das hat keinen Sinn. Selbst mit Dingen, aus denen die VP noch irgendetwas macht, wie die verhatschte Parkpickerl-Debatte, bringt die FPÖ nichts weiter.

NEWS: Juraczka hat Strache die Show gestohlen.
Häupl: Das ist das Beste, was man zu der ganzen Geschichte sagen kann.

NEWS: Diskussionen über das Parkpickerl – machen die amtsmüde?
Häupl: In dem Moment, wo ich denke, müde zu sein, trete ich zurück. Freunde aber wissen: Die beste Motivation für mich ist das Experiment Rot-Grün mit all seinen Unwägbarkeiten. Auf jeden Fall eine bessere als die Parkpickerl-Debatte.

NEWS: Gibt es etwas, das Sie noch reizt? Bundespräsident zum Beispiel?
Häupl: Da bin ich einer Meinung mit Helmut Zilk. Wiener Bürgermeister ist der beste Job, den man in der Politik erreichen kann. Und damit beenden wir’s.

NEWS: Wär aber ein spannendes Match geworden: gegen Erwin Pröll …
Häupl (lacht): Ich denke, wir beide werden Österreich das ersparen.

Kommentare

P.S.: JA BITTE............. ersparen Sie das uns !!!!!!!!!!!!!

mfp7764 melden

Ich glaube nicht das der typ nüchtern war bei dem interview,ist er ja nie.und für das depperte lachen am foto gehört im schon eine reingehauen.bei den wächsten wahlen bist weg vom fenster und kannst mit der vasilko nach griechenland auswandern.

hallerwachel melden

Re: Ich De zwa nach Griechenland ? Dann tuan mia erstmals die Griechen wirklich leid !

fiore666 melden

das seh\' ich.......... total so, - nüchtern bei dieser politik muss man nicht sein...........der macht sich über uns ECHTE wiener lustig und lässt es sich mit seiner vize auf unsere kosten gutgehen......also nur REIN mit weiteren nicht integrierbaren ausländern, damit weiter ROT/GRÜN gewählt wird.........muss ja nur kreuzerl machen.....nix deutsch schreiben und verstehen.............

kickoff melden

Deshalb wurde Griechenland von Moodys ja auf Ramschstandard gesetzt.... ...weil die gehört haben, dass die Vasilakuh mit dem Alki nach Griecheland auswandern werden!

Seite 1 von 1