Meinung von

Wenn sich Jelinek verschreibt...

Pohl-Position von Walter Pohl

Meinung - Wenn sich Jelinek verschreibt... © Bild: NEWS

Im Tsunami der Postings rund um die Vorgänge an der Spitze des ORF versammelt sich – wie bei anderen Erregungen auch – eine in den meisten Fällen wort ungewandte, hybride und mediokre Spaßgesellschaft zum gemeinschaftlichen anonymen Jagen.

Das ist nicht lustig für die Betroffenen, aber wer ganz oben ist, muss halt damit rechnen, dass die Häme ihre Energie von ganz unten schöpft. Nun jedoch hat sich Österreichs Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek mit einem stürmerischen Pamphlet zur Causa zu Wort gemeldet. Und da gilt es, etwas genauer hinzuschauen. Denn zwischen Kaskaden von Metaphern versteigt sich die Hochgeachtete zu einer Verachtung der handelnden Personen, die hart an jene Grenze reicht, wo die Verhetzung beginnt.

Jelinek hebt zunächst mit der Charakterisierung der handelnden Personen rund um den „rotblonden“ Niko Pelinka an. Demnach handelt es sich dabei um Mitglieder „einer ganzen Sippe von Gekennzeichneten, (…) so, wie man Bäume fürs Gefälltwerden bezeichnet“. Von der Bodenkultur schweift Jelinek dann in den Nationalsozialismus ab. Früher wären SP-Politiker für ihre Überzeugung noch ins KZ gekommen. Jetzt, so die völkische Beobachterin, würde sie diesen „jungen Menschen so ein Schicksal nicht wünschen“. Aber, so Jelinek mit Penetranz: „Andere haben es sich auch nicht gewünscht und es trotzdem bekommen.“ Jelinek schließt mit der Empfehlung einer Endlösung: „Irgendwo müssen diese Leute ja auch wieder entsorgt werden.“ Man muss Niko Pelinka wahrlich gar nicht mögen, um eine solche Wortwahl widerlich und degoutant zu finden.

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Kommentare

wenn pohl literatur nicht als solche verstehen will... zum einen - ich denke, dass der betroffene ja nicht ganz unschuldig am "tsunami" ist, zumal er sich ja auch konstruktiv in den diskurs einbringen könnte. zum anderen - hätte ich den text von jelinek komplett anders interpretiert: jelinek liefert eine grelle satire zur österreichischen (medien-)politischen realität. diese österreichische realität muss nach wie vor mit sprachlichen wie auch historischen anklängen aus dem nationalsozialismus beschrieben werden. das kann jetzt als widerlich bzw. degoutant empfunden werden, misst meines erachtens allerdings einen literarischen text mit unpassenden maßstäben. http://bit.ly/tacHJi

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