Meinung von

Das Internet als Dreckschleuder

Pohl-Position von Walter Pohl

Meinung - Das Internet als Dreckschleuder © Bild: NEWS

Das Internet hat keine Seele. Es kennt keine Moral, keinen Anstand, kein Benehmen. Es ist eine elektronische Kloake, die von Milliarden Zuflüssen gespeist wird, egal, ob die Wasser blitzsauber oder total verdreckt sind. Und je nach Bedarf spuckt es über ein riesiges Delta seine Inhalte wieder aus.

Warum diese Metapher? Weil dieser Tage am Beispiel eines fälschlicherweise des Mordes Verdächtigten im deutschen Emden im Web eine Lynch justiz orgie losgebrochen ist, die bisher ohnegleichen dasteht: Über eine lecke Stelle bei der Polizei gelangte der Name des 18-jährigen Burschen an die Öffentlichkeit und damit – richtig – ins Internet. Ein virtuelles Tribunal forderte zunächst von der Todesstrafe durch Hängen abwärts alles, was der Mob gern im Mund führt: Nägel ziehen, auspeitschen, steinigen etc.

Alles schon immer dagewesen, mögen Beruhigungstheoretiker einwerfen. Stimmt: Was uns jetzt die Quatschforen Facebook, Twitter und Co sind, waren vor Beginn des Digizeitalters der Bassenatratsch, das Mauscheln im Kaffeehaus oder die Leserbriefe in der „Krone“.

Der Unterschied ist nur: Die üble Nachricht war an ihren jeweiligen Träger gebunden und konnte nie über die „kritische Masse“ derer, die sie verbreiteten, hinauswachsen. Das Internet jedoch perpetuiert, rechnet hoch, streut – einer Kettenreaktion gleich – über den ganzen Erdball.

Und die Frage ist nicht, ob wir eine Art Internet-Kripo brauchen, die weltweit für die Einhaltung bestimmter Normen und Gesetze im Web sorgt. Sondern vielmehr: Geht das überhaupt? Mal sehen, was die nächsten fünfzig Jahre bringen …