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Mehrere Tote in Haus in
Böheimkirchen entdeckt

Frau tötete eigene Familie und richtete sich selbst - Drei Kinder unter den Opfern

In einem Haus in Böheimkirchen sind sechs Tote gefunden worden © Bild: APA/Helmut Fohringer

In einem Haus in Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten) sind sechs Tote gefunden worden. Das teilte die Polizei am Donnerstag mit. Nach Informationen der APA soll eine Frau ihre Mutter, ihren Bruder und die eigenen drei Kinder im Alter zwischen sieben und zehn Jahren erschossen haben.

Die genauen Hintergründe der Bluttat waren vorerst unklar, die Leiterin der Staatsanwaltschaft St. Pölten, Michaela Schnell, gab unter Verweis auf laufende Ermittlungen keine Auskünfte. "Wir gehen von Fremdverschulden aus", antwortete sie auf die Frage, ob eine Gewalttat vorliege. Eine Obduktion wurde angeordnet.

In einem Haus in Böheimkirchen sind sechs Tote gefunden worden
© APA/Helmut Fohringer

Tatort war ein größeres Einfamilienhaus in einer Siedlung auf einer Anhöhe in Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten). Dutzende Medienvertreter fanden sich am späten Donnerstagnachmittag dort ein.

Frauen begehen eher "erweiterte Selbstmorde"

Laut Gerichtspsychiater Reinhard Haller liegt bei Frauen bei Bluttaten wie der in Böheimkirchen meist ein "erweiterter Selbstmord" vor. "Sie sind oft depressiv und wollen ihre Liebsten in eine vermeintlich bessere Welt mitnehmen." Außergewöhnlich an der Tat ist allerdings, dass die Frau ihre Opfer erschossen hat. "Das ist sehr selten", sagte Haller. Es sei daher auch möglich, dass eine psychiatrische Erkrankung vorgelegen ist und die Frau unter Wahnvorstellungen gelitten hat.

Beim wesentlich öfter vorkommenden "erweiterten Mord", der in der Regel von Männern begangen wird, ist die Motivlage eine vollkommen andere: Hier wird etwa bei einem Rosenkrieg ein gezielt gewaltsamer finaler Schlusspunkt gezogen.

Beim "erweiterten Selbstmord" ist das Motiv hingegen ganz anders. "Die Motivlage ist altruistisch", sagte Haller. Täter empfinden eine Situation als vollkommen aussichtslos und möchten auch nicht, dass ihre Liebsten sich diesem Umstand noch länger aussetzen müssen. Der Täter will gemeinsam mit seinem Opfer "alles hinter sich lassen" und sie in "eine bessere Welt mitnehmen".

In einem Haus in Böheimkirchen sind sechs Tote gefunden worden
© APA/Helmut Fohringer

"Erweiteret Selbstmorde", bei denen meist Frauen die Täterinnen sind, "sind in den vergangenen Jahren Gott sei Dank sehr selten geworden", sagte der Gerichtspsychiater. Ein Gebrauch von Schusswaffen ist dabei sehr ungewöhnlich.

Familie lebte sehr zurückgezogen

Das Gebäude in Böheimkirchen, das zum Schauplatz einer Bluttat geworden ist, war früher einmal ein Wirtshaus. Es hatte im ersten Stock auch Fremdenzimmer, berichtete eine Frau, die in der auf einer Anhöhe gelegenen Siedlung ein paar Häuser weiter wohnt. Nach der Schließung der Gastwirtschaft sei die Familie - drei Generationen - eingezogen, habe aber sehr zurückgezogen gelebt, sagte die Nachbarin.

20 Jahre lang hatte er das nahe der Westbahn gelegene Gasthaus geführt, ehe er das Gebäude vor gut einem Jahr an die aus der Umgebung stammende Familie verkaufte, erzählte der vormalige Gastronom, dessen Tochter noch im Nachbarhaus wohnt. Er beschrieb die Familie - Bruder und Schwester plus drei Kinder und ihre Mutter - als "unauffällig". Es seien keine Streitereien vorgefallen bzw. bekannt geworden.

In einem Haus in Böheimkirchen sind sechs Tote gefunden worden
© APA/Helmut Fohringer

Nach seinen Angaben hatte der ehemalige Hauseigentümer am Donnerstag um 11.00 Uhr einen Anruf von der Polizei erhalten. Er wurde nach dem Zugang zu dem Gebäude gefragt, weil die Beamten Nachschau halten wollten. Die drei schulpflichtigen Kinder seien nämlich bereits seit drei Tagen vermisst worden, habe es geheißen.

Das Haus selbst war von der Polizei abgesperrt worden, während die Spurensicherung am späten Nachmittag offenbar noch im Gang war. Schaulustige zeigten sich in der Umgebung zunächst wenige.

Mehrere Tote in Böheimkirchen gefunden
© APA/Martin Hirsch

Kommentare

alles klar, soweit man sagen kann, aber : wo ist der Mann (Ehemann) bzw, Vater der Kinder, wo ist er, was hat er dazu zu sagen ?

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