Megadeal in der Stahlbranche bahnt sich an: Mittal will Arcelor für 18,6 Mrd. Euro!

Weltgrößter Stahlkonzern legte Angebot für Nr. zwei

Mit dem 18,6 Mrd. Euro teuren Kaufangebot des weltgrößten Stahlkonzerns Mittal Steel für Arcelor, die Nummer zwei, bahnt sich die größte Übernahme in der Geschichte der Branche an. Von der Fusion könnte auch der deutsche Konzern ThyssenKrupp profitieren und doch noch im Rennen um den kanadischen Konkurrenten Dofasco zum Zuge kommen. Damit würde ThyssenKrupp seine Position in Nordamerika entscheidend stärken.

Der Börsewert des neuen Stahlgiganten nach einem Zusammengehen von Mittal mit Arcelor würde rund 40 Mrd. Dollar - umgerechnet 32,9 Mrd. Euro - betragen, teilte Mittal heute, Freitag, mit. Das jährliche Produktionsvolumen des dann mit Abstand führenden weltweiten Branchenprimus werde bei mehr als 100 Millionen Tonnen Stahl liegen. Mittal erwartet zudem Synergien von einer Milliarde Dollar. Die Stahlbranche befindet sich seit geraumer Zeit vor allem durch den Nachfrage-Boom in China und Indien in einer kräftigen Aufschwungphase.

Das Angebot von Mittal bewertet die Arcelor-Aktie mit 28,21 Euro. Dies sei ein Aufschlag von 27 Prozent auf den Arcelor-Schlusskurs vom Donnerstag. Das Offerte sieht vor, dass Arcelor-Aktionäre für je fünf eigene Anteilsscheine vier Mittal-Aktien und 35,25 Euro in bar bekämen. Eine Erhöhung des Angebots wurde nicht ausgeschlossen.

Die französische Regierung hat indes besorgt reagiert. Dass das Offert "einen feindlichen Charakter" habe und ohne vorherige Diskussion zwischen beiden Gruppen erfolgt sei, habe "Beunruhigung" in Paris ausgelöst, sagte Wirtschafts- und Finanzminster Thierry Breton.

Er, Breton, werde den Fortgang des Projekts "mit größter Aufmerksamkeit" verfolgen. Dies gelte vor allem für die französischen und europäischen Industrie-Interessen und die Arbeitsplätze bei der Arcelor-Gruppe, die 2002 aus der französischen Usinor, Arbed (Luxemburg) und Aceralia (Spanien) entstanden war. Breton verlangte, Mittal-Chef Lakshimi Mittal "so bald wie möglich" treffen zu können.

Durch die Megafusion eröffnen sich auch ThyssenKrupp, der Nummer zehn in der Stahlbranche, neue Perspektiven. Für den Fall einer Übernahme Arcelors habe Mittal ThyssenKrupp angeboten, Dofasco für 68 kanadische Dollar (48,7 Euro) je Aktie übernehmen zu können, verkündete ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz auf der heutigen Hauptversammlung vor Tausenden von überraschten Anteilseignern.

Der Preis entspricht dem letzten Gebot des Konzerns im Bieterwettstreit um Dofasco, bei dem ThyssenKrupp von Arcelor ausgestochen worden war. "Vor dem Hintergrund unseres strategischen Interesses und der Tatsache, dass dieses Angebot mit der Höhe unseres freundlichen Übernahmeangebots identisch ist, haben wir beschlossen, den Vorschlag anzunehmen", sagte Schulz mit Blick auf das Offert von Mittal.

Ein ThyssenKrupp-Sprecher sagte, der Konzern könne die Übernahme Dofascos aus eigener Kraft finanzieren und benötige keine Kapitalerhöhung. Die ThyssenKrupp-Aktie notierte in Frankfurt gegen Mittag mehr als 7 Prozent im Plus bei 21,74 Dollar. Der Kurs von Arcelor schnellte in Paris knapp 35 Prozent in die Höhe auf 29,90 Euro.

Noch Anfang dieser Woche hatte Schulz das Rennen um Dofasco verloren gegeben und eingestanden, dass Arcelor mit dem Zuschlag einen deutlichen Vorsprung in Nordamerika errungen habe. Doch nach der Pressekonferenz von ThyssenKrupp am Dienstag habe Mittal dem Konzern Dofasco zum Kauf angeboten, sagte Schulz nun vor den Aktionären.

ThyssenKrupp war Ende November auf Bitten von Dofasco zur Abwehr einer feindlichen Übernahme durch Arcelor als "Weißer Ritter" in den Bieterkampf eingestiegen und zuletzt durch das Angebot Arcelors von 71 kanadischen Dollar je Dofasco-Aktie ausgestochen worden.

Zu den Gründen, warum die Stahlwelt durch große Deals nun stark in Bewegung kommt, meinte Voestalpine-Chef Eder gegenüber der APA: "Die Branche ist weltweit noch relativ wenig konsolidiert." Nach der guten Geschäftsentwicklung der letzten Jahre hätten die Unternehmen "genug Geld in der Kriegskasse, um über Übernahmen nachzudenken".

Für die Voest, die mit einem Produktionsvolumen von 5,9 Millionen Tonnen (2004) weltweit an 41. Stelle liegt, anders als die Großen sich aber vor allem auf hochwertige Stahlprodukte spezialisiert hat, sieht Eder im Fall eines Zusammenschlusses von Mittal und Arcelor sowie von ThyssenKrupp und Dofasco Vorteile. "Je weniger Spieler am Markt sind, desto stabiler ist auch die Preisentwicklung", so Eder.

Die Zyklizität bei Stahl werde damit geringer, und das sei für die gesamte Branche gut. Kritischer würden das natürlich die Kunden sehen, die sich nach Alternativen umsehen. Wenn es dabei um hochwertige Stahlprodukte gehe, könnte die Voest davon profitieren. Laut Eder käme Mittal mit Arcelor auf rund 40 Prozent Marktanteil in Europa. Eine derart starke Position hätte ohne Zweifel Auswirkungen auf die Möglichkeiten zur Gestaltung der Preise.

(apa)