Massenpanik im Stadion: Mindestens 73 Tote und 350 Verletzte auf den Philippinen!

Bombendrohung Auslöser der Tragödie im Stadion? Vor allem ältere Frauen wurden zu Tode getrampelt<br>PLUS: BILDER der entsetzlichen Tragödie in Manila

Bei einer Massenpanik auf einem Stadiongelände in der philippinischen Hauptstadt Manila sind mindestens 73 Menschen zu Tode getrampelt und erdrückt worden. Mehr als 350 Menschen erlitten nach den Worten des philippinischen Gesundheitsministers Francisco Duque Verletzungen. Tausende zumeist arme Philippiner hatten seit Tagen vor dem Stadion im Stadtteil Pasig auf Einlass zu einer beliebten Fernseh-Spielshow gewartet, als die Menge plötzlich panikartig in Richtung des Eingangs drängte.

Unklar ist der genaue Auslöser der Tragödie. Berichten zufolge hatte jemand laut vor einer Bombe gewarnt, woraufhin es zu der Massenpanik gekommen sei. Nach anderen Angaben versuchten Wartende überstürzt, in das Stadion zu gelangen, nachdem Sicherheitskräfte ein Eingangstor geschlossen hatten. "Die Leute trampelten aufeinander, andere fiele auf jene, die schon am Boden lagen, es war das totale Chaos", sagte ein Polizeisprecher.

Zahlreiche Überlebende standen unter Schock. "Wir hatten uns so sehr gefreut, hier dabei zu sein", sagte eine Frau, die bei der Massenpanik zwei ihrer Begleiterinnen verlor, unter Tränen. "Ich weiß nun nicht, was werden soll." Viele der Leichen wurden zunächst nur notdürftig abgedeckt. Am Ort des Unglücks lagen in der Panik zurückgelassene Taschen, Kleidungsstücke und Schuhe wie stumme Zeugen verstreut umher.

Der Traum vom schnellen Spielshow-Glück ist vor allem für weniger begüterte Philippiner zur Tragödie geworden. Sie hatten auf einen der wertvollen Geld- oder Sachpreise gehofft. Bei der Sendung "Wowowee!" gibt es unter anderem umgerechnet 16.000 Euro, ein Haus oder Autos zu gewinnen. Viele der Opfer sind nach den Worten von Pasigs Bürgermeister Vicente Eusebio ältere Frauen, von denen einige aus hunderten Kilometern entfernten Provinzen angereist waren.

"Sie glaubte, dies ist die Chance, unser Leben etwas besser zu machen", sagte ein 20-Jähriger schluchzend, als er neben dem Leichnam seiner Mutter sitzt. "Sie hat wirklich geglaubt, einen der Preise gewinnen zu können, und jetzt geschieht uns das." Der Wunsch nach ein wenig Glück im Leben brachte auch einen 45-Jährigen zum Stadion von Pasig. Ihn machte die Massenpanik zum Witwer. "Wir wollten nur ein bisschen Geld gewinnen, weil wir beide arbeitslos sind", erzählte er. "Jetzt habe ich meine Frau verloren. Wir sind zuerst beide gestolpert. Ich konnte mich wieder aufrappeln und mich in Sicherheit bringen. Aber meine Frau hat es einfach nicht geschafft."

Mehr als jeder Dritte der schätzungsweise 85 Millionen Philippiner muss am Tag mit weniger als zwei US-Dollar auskommen. "Die Leute haben auf Mahlzeiten verzichtet und Schlaf geopfert, nur um eine Chance auf einen Gewinn zu haben", sagte der Politologe Ben Lim. "Unser Volk ist in Armut versunken und verzweifelt."

Der Fernsehsender ABS-CBN sagte nach dem Unglück die für die Mittagszeit geplante Aufzeichnung der populären TV-Show ab. Sie soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. "Wir sind entsetzt von dieser Tragödie", sagte ein Sprecher des größten Senders auf den Philippinen. "Einfach mit der Show fortzufahren, wäre sehr gefühllos gewesen." Auch der Moderator der Sendung, Willie Revillame, zeigte sich tief bestürzt über das Unglück: "Wir wollten die Menschen glücklich machen und nicht, dass so etwas passiert." (apa)