Marcel Hirscher von

"Unfassbar schwieriger Tag"

Salzburger Gesamtweltcup-Sieger spricht über seinen Erfolg und den enormen Druck

Marcel Hirscher - "Unfassbar schwieriger Tag" © Bild: GEPA/Harald Steiner

Marcel Hirscher hat es geschafft, er ist Gesamtweltcupsieger. Wie schwer der Weg zum Erfolg war und wie der 23-jährige Salzburger mit dem Erwartungsdruck umgegangen ist, darüber spricht er kurz nach seinem Sieg.

Dieses Rennen muss für Sie sehr emotional gewesen sein, richtig?
Marcel Hirscher: "Es war für mich ein unfassbar schwieriger Tag. Ich war so emotional, weil jeder von mir Wunderdinge erwartet hat. So nach dem Motto, der Wunderwuzzi wird's schon richten. Das ist alles nicht so einfach. Dass es dann so funktioniert hat, war mir selbst zu gescheit und kaum vorstellbar. Heute habe ich die Meisterprüfung geschafft."

Wie gingen Sie mit den enormen Druck um?
"Wenn man den Druck beiseitelegt, ist das Skifahren nach wie vor rote und blaue Tore. Wenn man den Druck von außen an sich heran lässt, wird es um einiges schwerer. Entweder du gewinnst alles, oder du verlierst alles."

Können Sie sich gut konzentrieren?
"In der Schule war es teilweise schwierig, vor allem wenn wir Geschichte hatten. Sonst aber kann ich mich sehr gut fokussieren. Das ist eine meiner positiven Eigenschaften."

Sie wirken so ruhig, ernst und gefasst. Warum?
"Mich wundert's auch, dass ich so ruhig bin. Es war alles sehr anstrengend. Ich denke gerade viel über Dinge nach, die ich bisher nicht an mich rangelassen habe. So konnte ich den Job außergewöhnlich gut erledigen. Jetzt drehen sich tausend Räder in meinem Kopf. Das ist alles sehr speziell für mich, man muss emotional alles neu ordnen oder neue Gefühle entdecken."

Vielleicht auch, weil rechnerisch derzeit im Gesamtweltcup noch immer nicht alles fix ist?
"Richtig. Rein rechnerisch ist im Augenblick noch immer alles möglich. Nix ist fix. Bisher habe ich meinen Job gewaltig gemacht. Aber so lange es nicht schwarz auf weiß gedruckt ist und ich die Kugel in der Hand habe, kann ich keine großen Sprünge machen."

Sie haben nun wie Maier und Eberharter fünf Saison-Riesentorläufe gewonnen. Freut Sie das?
"Das ist nett. Ich schaue aber nicht auf Rekorde."

Ihr Sager von der "depperten Glaskugel" sorgte für Aufsehen. Sehen Sie das wirklich so?
"Das ist kein Scherz. Wir haben im Jänner begonnen zu rechnen und wenn man sich auf das Spiel einlässt, wird es schwer. Wir wissen nicht einmal im Augenblick, wer sie gewinnt. Es stellt sich also die Frage, wie sinnvoll es ist, schon im Jänner wegen einer Glaskugel zu rechnen. Ich hab's halt diesmal anders formuliert."

Hatten Sie Sorge, am Ende noch von der Erfolgswelle zu stürzen?
"Die coole Sau habe ich bis heute nicht gefunden, die bei diesem Thema emotionslos ist."

Wie weit war ihre Verletzung im Vorjahr ein Wendepunkt?
"Das hatte menschlich einen sehr großen Einfluss. Sport ist nicht alles, das hat mir meine Verletzung gezeigt. Es war das erste Mal, dass ich meine Ziele nicht schneller erreichen kann. Ich war erstmals gezwungen, Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind und acht Wochen nichts zu tun."

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