Linger-Brüder krönten sich in Turin zu Olympiasiegern: 'Blindes Vertrauen im Sport'

Sieg bei Generalprobe 2005 war Goldes wert

Die Brüder Andreas und Wolfgang Linger sind im Sport auf ihrer Doppelsitzer-Rodel eng verbunden und verstehen sich auch privat prächtig. "Das blinde Vertrauen ist in unserem Sport enorm wichtig", erklärte Andreas, der Ältere. Gemeinsam dominierten sie am Mittwoch den Olympia-Bewerb in Cesana Pariol. Auf einer Bahn, die Wolfgang vor einem Jahr schlimm abgeworfen hatte.

Doch im vergangenen November gelang im Challenge Cup an gleicher Stelle ein für das Selbstvertrauen enorm wichtiger Sieg. "Der war Gold wert", sagte Andreas Linger nach dem Triumph. Die Goldmedaille, erst die zweite im Doppelsitzer für den ÖRV (nach Josef Feistmantl/Manfred Stengl 1964 in Innsbruck), hat für das Duo einen speziellen Glanz.

"Nach der schweren Verletzung Wolfgangs (komplizierter Beinbruch, Anm.) war es unsicher, ob alles wieder gut wird, bis Oktober haben wir gezweifelt, ob er schmerzfrei rodeln kann. Und bei den ersten Fahrten im November in Cesana haben wir schon etwas geschwitzt", erzählte der 24-jährige Andreas, der so wie der 17 Monate jüngere Wolfgang nach der Matura am Sport-BORG Innsbruck als Zeitsoldat zum Bundesheer gewechselt ist.

Ihr Sieg wirkte souverän, doch bei den Tirolern stellte sich vor dem zweiten Lauf, den sie als Letzte in Angriff nahmen, doch eine gewisse Unsicherheit ein. "Wir haben nicht gewusst, um wieviel die Bahn im Lauf des Rennens langsamer geworden ist, daher war der Druck groß", sagte Andreas als Sprecher des Duos, weil sein Bruder zur Dopingkontrolle musste. "Aber wir sind unsere Sache sicher runtergefahren, denn wir sind keine Harakiri-Typen."

Das Fahren sei aber nur die halbe Miete gewesen, sagte der Gewinner von vier Weltcuprennen und Ex-Weltmeister. "Auch das Material hat optimal gepasst und es war auch das nötige Glück dabei." Mit dem Brüderpaar jubelten auch die Eltern und einige Freunde von der Poker-Partie aus dem Stammlokal in Absam, die im Bus gemeinsam mit Schiegl-Fans angereist waren.

Die Lingers haben nun Zeit, die restlichen Spiele zu genießen. Am Donnerstag werden sie den ebenfalls aus Absam stammenden Christoph Bieler die Daumen drücken, der gute Chancen auf eine Team-Medaille in der Nordschen Kombination hat. Und am Abend werden sie in Turin auf der Piazza Castello vor Tausenden Zuschauern die ersehnte Goldmedaille in Empfang nehmen. Andreas Linger blickte schon weiter voraus: "Im April beginnt die Vorbereitung auf Vancouer 2010."

(apa)