Life Ball 2012 von

Gery Keszler im Talk

"Ich kenne Neid in seiner reinsten Form", erklärt der Life-Ball-Erfinder gegenüber NEWS

Life Ball 2012 - Gery Keszler im Talk © Bild: APA/Pfarrhofer

Er trägt das Herz auf der Zunge. Und verzichtet auf verbalen Weichspüler. Trotzdem schade, dass die Feierlichkeiten zum 20. Life Ball am 19. Mai vom Schrebergartenstreit "Keszler versus Schnorrer-Society" befleckt werden. Seitdem Ball-Vater Gery Keszler, 48, in einem Ö3-Interview seine (kritische) Meinung zu VIPs wie Jeannine Schiller und Richard Lugner äußerte, hat er wenig Schlaf gefunden. Selbst wenn er nach wie vor dazu steht, das Recht zu haben, nicht jedem gefallen zu müssen – die letzten Tage vor dem spektakulärsten Charity-Event des Jahres nagen an seiner Substanz. Ein Gespräch über 20 Jahre voller Therapie, Träume und Tränen.

NEWS: Was haben 20 Jahre Life Ball aus Ihnen gemacht?
Gery Keszler: Ich habe heute eine dickere Haut. Das kommt vom Alter – beim ersten Ball war ich ein Burli von knapp 30 Jahren, mit entsprechend wenig Erfahrung. Ich stand und stehe mitten im Hickhack der Politik, der Medien, der verschiedenen gesellschaftlichen Strömungen. Manche wollten mich vereinnahmen, manche manipulieren, manche wollten mich einfach nur vernichten. Heute kann ich besser mit dem Irrsinn umgehen. Ich habe meinen Dickschädel kultiviert und gelernt, dass es unmöglich ist, Everybody's Darling zu sein.

NEWS: Mit dem Ball stieg auch Ihr Bekanntheitsgrad. Fluch oder Segen?
Keszler: Ich bin sicherlich kein Promi. Ich komme aus einem Kuhdorf bei Brunn am Gebirge. Und ich bin eigentlich schüchtern. Das ist keine Koketterie. Happy bin ich, wenn ich vor meinem Häuschen im Burgenland sitze. Aber wie könnte ich denn Menschen mobilisieren, wenn ich nicht auf Events oder in den Medien präsent wäre – und zwar so oft wie möglich? Mittlerweile bin ich fast schon ein wenig paranoid: Ich betrete einen Raum, und alle nehmen mich wahr. Jeder sieht, ob ich einen Fehler begehe.

Ich wurde zur Primadonna. Das musste sein.

NEWS: Haben Sie eine Kunstfigur erschaffen, um mit dem Druck besser umgehen zu können?
Keszler: Ja, ich bin eine Primadonna geworden. Aber das muss einfach sein, sonst nimmt dich keiner ernst. Auf den Good Guy hören nicht alle, ganz egal wie harmoniesüchtig ich auch bin. Früher habe ich mir sogar optisch einen Schutzschild zugelegt, mit irren Outfits und bunten Haaren. Es gab Momente, in denen dachte ich: Das bist doch gar nicht du. Heute traue ich mich den anderen mehr zu.
Aber es stimmt schon, ich habe einen Teil meiner Persönlichkeit geopfert, private Dinge vertraue ich nur wenigen an. Denn ich habe Neid in seiner reinsten Form kennengelernt. Aber es wird besser, ich werde wieder offener. Oder mein Umgang mit dem Bild, das die Leute von mir haben, wird besser.

NEWS: Sind Sie heute näher bei sich?
Keszler: Die Arbeit mit meinem Team ersetzt jede Therapie. Wir wachsen mit- und aneinander.

NEWS: Ärgern Sie sich manchmal über sich selbst?
Keszler: O ja. Darüber, dass ich manchmal nicht einfach meinen Mund halten kann. Oder wenn ich merke, dass ich genervt reagiere, wenn ich erkannt werde. Das darf nicht sein. Nichts freut mich mehr als der Austausch mit anderen, aber nichts erschöpft mich auch mehr. Ich habe auch gelernt, mit Auseinandersetzungen besser umzugehen. Ich war noch vor wenigen Jahren weitaus streitbarer, jetzt kann ich mich mittlerweile wunderbar umdrehen und denken: Leb doch einfach dein Leben. Nur wenn Fakten verdreht werden und der Ball gefährdet wird, kann ich noch zur Bestie werden. Immerhin ist der Ball mein bester Freund. Und hat mir die schrägsten Momente meines Lebens beschert. Unlängst saß ich mit Bill Clinton in einem Wiener Beisl. Dem ehemaligen Präsidenten der USA. Das ist schon skurril.

NEWS: Welcher Moment ist jährlich der einprägsamste für Sie?
Keszler: Wenn ich nach dem Ball mit der U-Bahn nachhause fahre und die ersten Berichte in den Tageszeitungen lese. Gerade hat mir noch Sharon Stone gratuliert und dann die Brotverkäuferin. Das ist mein Leben. Und ich will es auch gar nicht anders haben. Aber natürlich gibt es auch andere, weitaus weltlichere Erlebnisse, die ich nie vergessen werde: Wie wir Grace Jones bequatscht haben, doch aufzutreten, als sie sich in der Sauna verbarrikadiert hatte. Als ich Angst davor hatte, Dennis Rodman würde mich verprügeln – er wollte mich übrigens nur umarmen. Wie ich Helmut Berger rausgeschmissen habe, weil er ausgetickt ist.

Kommentare

Gerry Du hast recht... Ich bin zwar kein absoluter Fan von Leuten in extravaganten und skurrilen Kostümen, nur das was Du über die C-Kategorie Promis, die von C-Kategorie Journalisten immer wieder in die Medien gebracht hast, dem stimme ich 100 % zu.

Es ist einfach nervig immer die selben Leute in Wien auf den Abendveranstaltungen zu sehen, deren Ziel es offensichtlich ist sich medial immer wieder in Szene zu setzen. Die Journalisten, die dies tun, sind mindestens genauso krank wie diese C-Kategorie Promis egal ob Sie nun ehemaliger Baumeister oder Missen mit aufgespritzen Lippen, x-mal geliftet und silikonverstärkt sind oder nicht.

Seite 1 von 1