Leiharbeitskräfte in Österreich: Seit 1996 hat sich die Zahl mehr als verdreifacht!

Wirtschaftsministerium: 46.679 Leiharbeiter 2005

Die Zahl der Leiharbeitskräfte hat sich von 1996 bis 2005 mehr als verdreifacht. Waren es 1996 noch 14.548 Personen, die als Leiharbeiter ihrer Beschäftigung nachgingen, wurden 2005 nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bereits 46.679 Leiharbeitskräfte verzeichnet. Das waren 1,6 Prozent aller Beschäftigten.

Auch die Zahl der "Überlasser" - der Fachausdruck für Leiharbeitsunternehmen - hat sich in dieser Zeit fast verdreifacht. 1996 hatte es 593 derartiger Firmen gegeben, 2005 sind es schon 1.427 gewesen. Analog zu dieser Entwicklung nahm auch die Zahl jener Firmen, die Leiharbeitskräfte beschäftigten, zumindest bis 2002 kontinuierlich zu, dann gab es einen Rückgang, 2004 wieder einen Anstieg auf das bisherige Rekordhoch von 14.341 und 2005 einen neuerlichen Rückgang auf nunmehr 12.300.

Seitens des Wirtschaftsressorts hieß es dazu auf Anfrage der APA, dass der Sprung von 2003 auf 2004 mit einem starken Anstieg bei den kleinen Firmen zu tun hatte. Es könnte jetzt eine Verschiebung in Richtung Großbetriebe statt gefunden haben.

Leiharbeitskräfte sind beim "Überlasser" beschäftigt und auch sozialversichert und werden an den "Beschäftiger" verliehen. Es gibt auch einen eigenen Kollektivvertrag für Leiharbeitnehmer. In "Stehzeiten" - also beispielsweise nach Auslaufen einer Leiharbeit - muss die Leiharbeitskraft beim "Überlasser" nach dem KV bezahlt werden. Während der eigentlichen Leiharbeit bei einem Fremdunternehmen gilt für den Betroffenen aber der dortige Kollektivvertrag.

Für den Betrieb, der Leiharbeiter nimmt, ergibt sich damit eine Art Flexibilitätsreserve. Leiharbeiter werden in einem Unternehmen auch nicht als Personalkosten, sondern als Sachkosten geführt. Als positiven Aspekt sieht Christoph Klein, der Sozialexperte der Arbeiterkammer, dass man auch Gruppen in den Arbeitsmarkt hinein bekommt, die es aufgrund ihres Alters schwieriger haben, wieder einen Job zu finden. Firmen hätten panische Angst, Leute über 50 Jahre einzustellen, dies sei bei Leiharbeitern aber kein Problem, weil die Kündigungsbestimmungen wegfielen.

Als problematisch sieht Klein dagegen die Entwicklung von "Überlassern" an, Leiharbeitskräfte während der Stehzeiten zu kündigen. "Die wollen die Bezahlung der Stehzeiten umgehen" und hier wäre ein gesetzliches Umgehungsverbot sinnvoll, heißt es. Zumindest müsste der Lohn für die Kündigungsfrist bezahlt werden. Sinnvoll wäre es auch, die Stehzeiten für die Fortbildung der Leiharbeitskräfte zu nützen. Die Arbeiterkammer kann sich einen "Branchenfonds" vorstellen, um diese Fortbildung zu finanzieren.

Österreich an sechster Stelle unter "alten" EU-15
Österreich lag 2004 in einem Vergleich mit den "alten" 15 EU-Staaten beim Anteil der Leiharbeitskräfte an allen Beschäftigten eines Landes an sechster Stelle. Mit 44.125 Leiharbeitern betrug der Anteil 1,38 Prozent. Spitzenreiter war mit fünf Prozent oder insgesamt 1,434.000 Leiharbeitern Großbritannien. Als Schlusslicht wurde von einer Studie der CIETT (International Confederation of temporary work business) Griechenland mit 0,1 Prozent oder 3.000 Leiharbeitern ausgewiesen.

In einem Vergleich von 1999 bis 2004 weist Italien mit einem Plus von fast 400 Prozent den größten Zuwachs auf. Dahinter folgen Großbritannien mit einem Zuwachs von 157,7 Prozent und Finnland, das seine Leiharbeitskräfte verdoppelte. Im Minusbereich liegen nur Niederlande und Frankreich. Obwohl Griechenland in der Aufstellung in Absolut-Zahlen und auch am Anteil aller Beschäftigten des Landes an letzter Stelle liegt, hätte es rein mathematisch den stärksten Anstieg von 1999 auf 2004 verzeichnet. Dieser ist aber in Prozenten nicht messbar, da eine Erhöhung von Null auf irgend eine Zahl als unendlich auszuweisen wäre. Keine 2004-er Daten lagen von Irland vor, hier ist auch kein Vergleich möglich.

(apa)