Landesparteitag der FPÖ Steiermark: Gerhard Kurzmann zum neuen Chef gewählt

Strache attackiert Haider: "Überwutzelter alter Löwe" "Kein Ortstafelmessias, sondern ein Ortstafeljudas"

Der Grazer Stadtparteiobmann Gerhard Kurzmann (53) ist neuer steirischer FPÖ-Chef. Der Magistratsbedienstete trat mit mit einer Zustimmung von 77,29 Prozent am außerordentlichen Landesparteitag am Sonntag in Graz die Nachfolge des scheidenden Leopold Schöggl an. Kurzmanns Gegenkandidat, der erst kurz vor dem Parteitag in den Ring gestiegene Brucker Bezirksobmann und Polizist Kletus Schranz, erreichte allerdings auf Anhieb und ohne großen Aufwand 22,71 Prozent der Delegiertenstimmen.

Kurzmann meinte sofort nach der Wahl, er freue sich auf die Zusammenarbeit und er danke für die Treue und Verlässlichkeit gegenüber der FPÖ, speziell in der schweren Zeit nach der BZÖ-Abspaltung und nach der verlorenen steirischen Landtagswahl. Es werde demnächst eine Sitzung des Landesparteivorstands geben, um das nächste große Ziel, ein gutes Abschneiden des FPÖ-Volksbegehrens "Österreich bleib frei" zu organisieren. Zu den Stellvertretern von Kurzmann wurden übrigens der Landesobmann des Rings freiheitlicher Jugend (RFJ), Gerfried Schönangerer sowie der Leibnitzer Bezirksobmann Josef Riemer gewählt.

Von 401 laut Statut stimmberechtigten Delegierten waren 281 beim Parteitag im Grazer Kammersaal anwesend und wahlberechtigt, 277 gaben ihre Stimme ab, 273 davon waren gültig. 211 Stimmen oder 77,29 Prozent entfielen auf Kurzmann, 62 bzw. 22,71 Prozent auf den Brucker Polizisten Schranz. Dieser war von der früheren Landtagsabgeordneten Verena Graf auf Beschluss der Brucker Bezirkspartei vorgeschlagen worden. Zuvor hatten sich allerdings alle Redner eindeutig auf Kurzmann festgelegt.

Bei den vor der Kür gehaltenen Parteitagsreferaten beschworen der scheidende Landesobmann Schöggl, Bundesparteichef Heinz Christian Strache und Kurzmann selbst die "Geschlossenheit der FPÖ" in Bezug auf die Nationalratswahl im Herbst, bei der ein zweistelliges Ergebnis erreicht werden müsse. Schöggl mahnte in seinem Resümee der vergangenen fünf Jahre als Parteiobmann Einigkeit ein. Kurzmann selbst zog das ganze Register traditioneller freiheitlicher Themen. Keine Gemeindebau-Öffnung für Ausländer, Bekämpfung der "ausländischen Drogenkriminalität", mehr Kontrolle und eine Absage an die multikulturelle Gesellschaft. Das in ruhigem Ton gehaltene Referat Kurzmanns erhielt nur dann kräftigen Applaus, als es gegen Brüssel und gegen Ausländer gerichtet wurde.

Den Löwenanteil des nachmittäglichen Parteitags nahm die Rede von Bundesobmann Strache ein. Eher langatmig beschäftigte sich der Wiener Landeschef mit FPÖ-Themen wie kein NATO-Beitritt Österreichs, dem Eintreten gegen die EU-Verfassung, und ein wenig Anti-Amerikanismus. Lebhafter wurde es im Saal, als es gegen vornehmlich islamische Ausländer ging, bzw. gegen das in Straches Rede omnipräsente Feindbild Jörg Haider. "Die Verräter sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst", so Strache in Richtung BZÖ-Avancen auf eine eventuelle Zusammenarbeit im Vorfeld der Herbstwahl. Dann eine Kampfansage gegen Haider persönlich: "Ich lass ihn nicht aus, ich besuch ihn jeden Tag. Ich werde dem überwutzelten alten Löwen die blaue Flagge zeigen. Haider ist kein Ortstafelmessias, sondern ein Ortstafeljudas." Abschließend rief Strache die etwa 250 bis 300 Parteitagsbesucher zum Zusammenhalten auf: "Machen wir gute und ehrliche Arbeit, dann kommen die Menschen wieder zu uns zurück. Das blaue Wunder ist möglich, dazu brauchen wir nur genug Herz."

(apa/red)