Landeerlaubnis für VIE in Bratislava: Was jetzt auf Fluglinien und Passagiere zukommt

FORMAT: Mit dem CAT in 50 Minuten in die Slowakei Passagiere 2005: Bratislava 1 Mio., Wien 16 Millionen

Der Wiener Flughafen steht kurz vor der Übernahme des Airports Bratislava. FORMAT weiß schon jetzt, was alles auf Fluglinien und Passagiere zukommen wird.

Der Anflug war schwierig, die Landung holprig: Die Privatisierung der Flughäfen Bratislava und Kosice durch die slowakische Regierung geriet dank protestierender Opposition, opponierender Behörden und öffentlicher Gefechte zwischen den kaufinteressierten Konsortien zum Politikum. Gute Geschäfte sind in dieser Atmosphäre kaum zu machen. Herbert Kaufmann, Chef des Wiener Flughafens (VIE), dürfte es trotzdem geschafft haben.

Der slowakische Verkehrsminister Pavol Prokopovic hat das VIE-Konsortium TwoOne mit RZB und der slowakischen Investmentgesellschaft Penta als Bestbieter für 66 Prozent an den zur Privatisierung anstehenden Flughäfen Bratislava (Pressburg) und Kosice (Kaschau) erkannt und seiner Regierung die Wiener als Käufer empfohlen.

Inklusive Investitionszusagen hat TwoOne 404,5 Millionen Euro geboten. Prokopovic: "TwoOne hat in dem Verfahren 77 von 100 möglichen Punkten erreicht." Es bestehen kaum noch Zweifel daran, dass die für kommenden Mittwoch erwartete endgültige Entscheidung der slowakischen Regierung zugunsten Wiens ausfallen wird.

"Ich freue mich über die Empfehlung des slowakischen Verkehrsministers. Es ist die richtige für Wien, Bratislava und die gesamte Region", sagt VIE-Boss Herbert Kaufmann. Der ehemalige Arbeiterkämmerer wird nach dem Verhandlungserfolg nun schon als nächster österreichischer Verkehrsminister im Falle einer sozialdemokratischen Regierungsbeteiligung nach der Wahl im Herbst gehandelt. Auf seinen Lorbeeren ausruhen kann er sich trotzdem nicht.

Denn jetzt muss Kaufmann mit seinen Kovorständen Christian Domany und Gerhard Schmid die im TwoOne-Kaufoffert vorgesehene Zusammenführung der Flughäfen Wien und Bratislava zu einer für Ostösterreich und die Westslowakei Frucht bringenden Einheit angehen. Laut den strengen Regeln des Tender-Verfahrens dürfen die Bietergruppen ihre Planung für den Flughafenstandort nicht vor der endgültigen Regierungsentscheidung bekannt geben. Doch es kristallisiert sich bereits heraus, womit Fluglinien und Passagiere künftig zu rechnen haben.

Wien wird als Drehscheibe für Netzwerkflüge gestärkt, um so im härter werdenden Wettbewerb mit den Drehkreuzen Prag, München, Frankfurt und Mailand bestehen zu können. Bratislava wird ausgebaut und schwerpunktmäßig für Point-to-Point-Flüge, zu denen auch hochwertige Businessflüge in die europäischen Hauptstädte zählen, genutzt. Auch Charter- und Low-Cost-Flüge sollen künftig verstärkt über die VIE-Osttochter abgewickelt werden. Der Flughafen Kosice, etwas größer als jener von Klagenfurt, wird als Regionalflughafen etwa für den Tourismus in der Hohen Tatra weiterentwickelt.

Zentraler Punkt im TwoOne-Businessplan ist der Ausbau in Bratislava. 210 Millionen Euro sind hierfür eingeplant, die vordringlichsten Maßnahmen betreffen Terminal, Flugzeugstandplätze und Parkplätze. Mit Gastronomie- und Retailflächen nach Wiener Vorbild soll der Airport künftig den Ansprüchen gehobener Geschäftsreisender genügen.

Der Wiener Flughafen, der zu den Stoßzeiten um 7, 10, 14, 17 und 20 Uhr schon seine Kapazitätsgrenzen erreicht, kann die Airlines auch künftig nicht einfach nach Bratislava umdirigieren. Das geht nur über eine gezielte Tarifpolitik. Intern diskutiert wird eine Variante, bei der in Bratislava startende Point-to-Point-Flüge über drei Jahre um achtzig, sechzig beziehungsweise vierzig Prozent ermäßigt werden.

In Wien läuft es umgekehrt, hier werden Netzwerkflüge gefördert. Eine Airline zahlt pro abfliegenden Passagier 14 Euro und bekommt für jeden Umsteiger 10 Euro als Bonus zurück. Auch die Vergabe von Slots ist ein Steuerungsinstrument. Will eine Airline zur Stoßzeit in Wien landen, muss sie warten - oder nach Bratislava fliegen.

Kaufmann kann den 400 Millionen Euro teuren Bau der dritten Piste in Wien so um zwei bis vier Jahre verzögern, was dem VIE Kapitalkosten spart. Hauptproblem ist jedoch die Verkehrsverbindung zwischen Wien und Bratislava. ÖBB und Verkehrsministerium wollen die Verlängerung des CAT (City Airport Train) nach Bratislava "prioritär behandeln". Drei bis vier Jahre wird es trotzdem dauern. Die Fahrzeit Wien-Bratislava wird dann knapp fünfzig Minuten betragen. Eingecheckt wird in Wien. Bis dahin wird ein Shuttledienst mit Bussen eingerichtet. Die Fertigstellung des letzten Autobahnteilstücks 2007 wird die Anfahrtszeit verkürzen, der Beitritt der Slowakei zum Schengen-Abkommen 2008 den Stress an der Grenze beenden.

Der Flughafen Wien ist mit der Übernahme jedenfalls besser für die erwartete Explosion der Passagierzahlen in der Region gerüstet. In Bratislava waren es 2004 noch 893.000, 2005 schon mehr als eine Million Reisende, Wien steigerte sich von 15 auf 16 Millionen.

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