Lage bei Alitalia nach Streik beruhigt sich: Verhandlungen beginnen nächste Woche

Für Gewerkschaft handelt es sich um 'Waffenstillstand' Berlusconi hofft auf Lösung am Verhandlungstisch

Lage bei Alitalia nach Streik beruhigt sich: Verhandlungen beginnen nächste Woche

Nach einer Woche hat die Belegschaft der Alitalia den "wilden Streik" beendet, der die italienische Fluggesellschaft lahm gelegt hatte. Die Mitarbeiter kehrten am Donnerstag allmählich zur Arbeit zurück, nachdem die Gewerkschaften Verhandlungen mit dem Airline-Management zugestimmt hatten. "Die Lage normalisiert sich endlich", teilte die Fluggesellschaft mit.

Allerdings mussten am Donnerstag noch einmal Dutzende Flüge am Flughafen Fiumicino in Rom gestrichen werden. Grund dafür war, dass sich während der Streiktage ein Stau bei den Sicherheitschecks für die Maschinen gebildet hatte.

Die italienische Regierung und Gewerkschaften wollen sich am Mittwoch nächster Woche erneut treffen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte im Rundfunk, die Regierung arbeite an einer Lösung. "Jetzt können wir hoffen, dass es zu einer konstruktiven Lösung für Alitalia kommen wird", so Berlusconi.

Die zehn Gewerkschaften, die die Alitalia-Beschäftigten vertreten, protestieren gegen den Sanierungsplan des Vorstandschefs Giancarlo Cimoli. Er will mit Einsparungen in Milliardenhöhe das seit Jahren Verluste schreibende Unternehmen in diesem Jahr wieder in die Gewinnzone bringen. Dazu sollen 3.700 Arbeitsplätze abgebaut und das Fluggeschäft von Alitalias Dienstleistungssparte getrennt werden. Von Letzterer hat Cimoli bereits 49 Prozent verkauft und strebt die Veräußerung von weiteren zwei Prozent an. Die Gewerkschaften fürchten den Jobverlust für viele der 9.000 in der Sparte Beschäftigten.

"In Hinblick auf die Gesprächsrunde kommende Woche haben wir uns zu einem Waffenstillstand entschlossen, dies bedeutet nicht, dass wir auf unseren Protest verzichtet haben", sagte ein Gewerkschaftssprecher. Industrieminister Claudio Scajola rief die Arbeitnehmerorganisation zur Vernunft auf und mahnte sie, Cimoli zur Sanierung des Unternehmens arbeiten zu lassen.

Die Regierung warnte vor einem Scheitern der Gespräche. Gingen die Streiks weiter, so drohe Alitalia der Bankrott, sagte der italienische Arbeitsminister Roberto Maroni am Mittwoch. Er unterstrich, dass der italienische Staat wegen der EU-Wettbewerbsregeln der Airline nicht mehr wie in der Vergangenheit mit Finanzspritzen helfen könne.

Der Arbeitskampf kostet laut Experten die Verluste schreibenden Gesellschaft 20 Mio. Euro pro Tag. Über eine Kapitalerhöhung hatte Alitalia im Dezember neue Aktien für rund 1 Mrd. Euro verkauft. Die EU-Kommission hatte das Geschäft, hinter dem Konkurrenten heimliche Beihilfen des Staates vermuten, unter der Auflage genehmigt, dass der Staatsanteil auf weniger als 50 Prozent sinke.

(apa/red)