Kurioses Finale im Snowboard-Cross: US-
Girl Jacobellis zu cool - Gold verschenkt!

Überraschender Sieg geht an Schweizerin Frieden Krings und Günther im Pech - Out im Viertelfinale

Die erste Olympia-Entscheidung im Damen-Snowboardcross wird in die Geschichte eingehen. Die Schweizerin Tanja Frieden (30) holte Gold, weil die klar führende und siegessichere US-Weltmeisterin Lindsey Jacobellis im Finish bei einem Show-Sprung stürzte. Bronze ging an Dominique Maltais aus Kanada. Die beiden Salzburgerinnen Doresia Krings und Doris Günther scheiterten im Viertelfinale und belegten die Plätze 13 und 14. Damit gingen nach den Herren (8. Platz für Dieter Krassnig) auch Österreichs-SBX-Damen leer aus.

Einen Tag nach den Herren boten auch die Damen bei der Olympia-Premiere des Snowboardcross packende Vierkämpfe. Der Höhepunkt war aber das chaotische Medaillenfinale. Zunächst stürzte die bis dahin in allen Läufen absolut Schnellste, die Kanadierin Maelle Ricker (CAN) so schwer, dass sie mit dem Akja abtransportiert werden musste. Maltais durchschlug dann den Sicherheitszaun und flog in den Abgrund, rettete aber noch Bronze.

Die bereits klar führende Jacobellis zeigte beim vorletzten Sprung einen Backside-Air, stürzte bei der Landung und musste Frieden noch vorbeziehen lassen. Die 30-jährige Lehrerin aus Thun nahm das Geschenk dankbar an und konnte ihre Glück zunächst kaum fassen. Sie hatte es damit ihrem Freund Seth Wescott nachgemacht, der am Vortag bei den Herren SBX-Gold geholt hatte.

Krings und Günther im Viertelfinale out
Auf einen völlig verkorksten Tag mussten hingegen die beiden nicht fit angetretenen ÖSV-Damen zurückblicken. Die verkühlte Mitfavoritin Krings, die die letzten 48 Stunden vor dem Olympiabewerb im Bett verbracht hatte, blieb schon im ersten Qualilauf am Start hängen. Die mit einem steifen Nacken angetretene Günther stürzte im zweiten Quali-Heat und kam nur als 16. und letzte in die Medaillen-Entscheidung.

Die nervenstarke Krings war letztlich als 10. aufgestiegen, damit hatten beide Österreicherinnen aber keine optimalen Startpositionen im Viertelfinale. Günther setzte in ihrem Lauf trotzdem gerade zum Sprung auf Platz zwei an, als sie mit einer Konkurrentin zusammenstieß und stürzte. Nicht zu überbieten war aber das Pech von Krings. Die als Medaillen-Mitfavoritin in den Bewerb gegangene 28-jährige aus Obertauern war drauf und dran die auf Platz zwei liegende Olivia Nobs zu überholen, als die nervöse Schweizerin vor ihr stürzte und Krings mit sich riss.

"Das ist wirklich sehr bitter. Gegen so etwas bist du machtlos", sagte Krings, die in der ersten Enttäuschung wütend und mit Tränen in den Augen ihr Board und den Helm zu Boden geschleudert hatte. "Ich habe keinen einzigen Fehler gemacht und hätte sie locker überholt. Ohne dieses Pech wäre das Finale für mich sicher drin gewesen", sagte die zweifache SBX-Weltcupsiegerin später etwas gefasster und versuchte realistisch zu sein. "Es war eh ein Wunder, dass ich überhaupt noch fit geworden bin. Jetzt werde ich mich auskurieren und ans Alpinset gewöhnen. Vielleicht habe ich ja im Parallel-Riesentorlauf mehr Glück."

Doris und Doresia im Pech
Auch Günther hofft jetzt auf den PGS. "Ich habe aus meinem kranken Körper alles heraus geholt. Jetzt muss ich fit werden", sagte die 27-Jährige aus Zell am See. Damencheftrainer Walter Hinterhölzl fasste den Unglückstag so zusammen: "Doris hat in ihrem Lauf einen taktischen Fehler gemacht, Doresia einfach Riesenpech gehabt. Ich hätte nicht gedacht, dass man an einem Tag so viel Pech haben kann. Das ist schon fast zu viel, es mag uns einfach nicht."

Manuela Riegler, die wegen ihrer Fußverletzung auf den SBX verzichten hatte müssen, ist nach einem mehrtägigen Heimataufenthalt wieder in Bardonecchia und wird laut Hinterhölzl am Montag eine Art interne "Ausscheidung" gegen Marion Kreiner um den vierten Platz im Riesentorlauf bestreiten. "Es ist mein Recht, bei Olympia zu starten. Wenn ich fit bin, fahre ich" sagte Weltmeisterin Riegler.

(apa/red)