Kunstexperten sind einig: Geforderter Preis
für Klimt-Bilder ist "skurril bis zum Exzess"

Sammler Liaunig: 'Realistisch keine 50 Millionen wert' Altmann-Anwalt will sofortigen Verhandlungsbeginn

Neuer Streit um Klimt-Bilder! Der Industrielle und Kunstsammler Herbert Liaunig bezeichnete die vom Altmann-Anwalt genannten Preise als "skurril bis zum Exzess" und "völlig sinnlos". Einen derart hohen Preis, wie er nun für die "Goldene Adele" genannt wird, "hat es noch nie auf der Welt gegeben für ein Bild".

Die von Schoenberg genannten Preise belaufen sich auf 100 Millionen Euro für die "Goldene Adele" bzw. 255 Millionen Euro für alle fünf Klimt-Bilder.

Nach Ansicht Liaunigs sei ein Klimt-Bild "auf dem internationalen Markt realistisch keine zehn Millionen Euro wert". Liaunig fürchte, dass "unbeleckte Politiker" unter dem medialen Druck diese Bilder trotzdem kauften. "Und der Anwalt wittert das Geschäft seines Lebens."

Gottfried Toman von der Finanzprokuratur hat indes Zweifel an den Preisen geübt: Der Streitwert wurde in der Klagschrift 2000 noch mit 150 Mio. Dollar angegeben, und hat sich damit seither verdoppelt.

Altmann-Anwalt verlangt sofortigen Verhandlungsbeginn
Der Anwalt von Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann ruft die Republik Österreich auf, sofort Verhandlungen über einen etwaigen Kauf eines oder mehrerer der fünf Klimt-Bilder aufzunehmen, sonst könnte die Optionsvereinbarung hinfällig werden.

Von Seiten der Republik hieß es zuletzt, man warte noch auf die Preisvorstellungen der 25-Prozent-Erbengruppe um Nelly Auersperg (Kanada), da zwar Schoenberg als Vertreter der restlichen Erben den Wert der Bilder beziffert hatte, aber noch nicht alle restlichen Erben ihre Vorstellungen geäußert haben. Auersperg will laut Schoenberg jedoch kein Preisangebot für die fünf Klimt-Bilder stellen. Sie verlange vielmehr über ihren Anwalt William S. Berardino, dass nun die Republik Österreich ihre Ansicht zum Wert der Bilder äußert, so Schoenberg.

Berardino habe ein dahin lautendes Schreiben an die Finanzprokuratur übermittelt, so Schoenberg. In der Finanzprokuratur wollte man dies gegenüber der APA nicht bestätigen. Auersperg wolle deshalb keine Preisvorstellungen äußern, da sie "kein unabhängiges Wissen über den Wert der Gemälde besitzt", meinte Schoenberg.

Wenn Österreich nun "nicht sofort beginnt, zu verhandeln, dann bricht Österreich die Optionsvereinbarung", in der die weitere Vorgehensweise um die fünf Klimt-Bilder festgehalten ist, erläuterte Schoenberg. "Wir könnten uns dann dafür entscheiden, das Verfahren abzubrechen, und Österreich wird die Möglichkeit verlieren, die Gemälde zu kaufen".
(apa)