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Welterfolg vom Quotensaubartel

Heinz Sichrovsky über die Romantrilogie "Shades of Grey"

Kultur - Welterfolg vom Quotensaubartel © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Vom Feuilleton unter Ekelbekundungen wie mit Einweghandschuhen angefasst, hat uns in diesen Tagen ein sozusagen literarisches Mysterium heimgesucht: Teil eins der englischen Romantrilogie „Shades of Grey“ wurde unter dem Titel „Geheimes Verlangen“ in deutscher Sprache auf den Markt befördert und war binnen Tagesfrist vergriffen.

Eine unter dem Pseudonym E. L. James amtierende 49-jährige Fernsehredakteurin ferkelt sich da wortreduziert durch die Wonnen passiver sexueller Erniedrigung. Die Geschichte der tumb ihrer Entjungferung harrenden Literaturwissenschaftlerin und des verschwenderisch bestückten Milliardärs logiert an der Debilitätsgrenze. Bei flüchtiger Recherche im Internet ist das hier Gebotene gebührenfrei – und rundum plastischer – verfügbar.

Dennoch langten schon 20 Millionen Käufer zu, und die deutschsprachige Auflage wurde soeben auf eine Million erhöht: Frau James profitiert, wie schon die nur unwesentlich verbalisiertere Charlotte Roche, vom Status des Quotensaubartels. Alice Schwarzer, als außenstehende Autorität in Fragen heterosexueller Befindlichkeit gern konsultiert, hat das Werk schon gutgeheißen. Und in der Tat ist „Shades of Grey“ ein feministisches Vorzeigeprodukt: Es steht für das Frauenrecht, den nämlichen Mist verfassen zu dürfen wie Männer.