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Selbst Schwarz-Blau tat Gutes

Heinz Sichrovsky über Martin Kusejs Absturz in München

Kultur - Selbst Schwarz-Blau tat Gutes © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Das demnächst wieder in Betrieb gehende Burgtheater hat die vergangene Saison mit der höchsten Jahresbesucherzahl seiner Geschichte beschlossen. Das soll nicht das Wichtigste sein, beruhigt aber zu Zeiten, in denen der Quotenkretinismus unter dem Vorwand des Spargedankens die Kulturpolitik unterwandert hat. In dieser Situation musste der österreichische Regisseur Martin Kusej, seit einem Jahr Intendant des renommierten Münchner Residenztheaters, einen wahren Auslastungsabsturz bekannt geben.

Nach Lesart des Hauses sank man von etwa 90 auf 70 Prozent, doch berichten Augenzeugen von noch dramatischeren Entwicklungen. Die sind nicht etwa besonderer Kühnheit geschuldet: Die Kritik ließ rasch alle Contenance beiseite und zieh Kusejs Wirken der Belanglosigkeit, eine Einschätzung, an welcher der Spielplan der nun beginnenden Saison garantiert nichts ändern wird. Kusej hatte bei Amtsantritt das komplette Ensemble seines Vorgängers Dieter Dorn gekündigt und wider das Burgtheater, ­dessen Direktor er gern geworden wäre, großmäulige Ansagen abgefeuert. Nicht wenige meiner Kollegen hätten ihn gern in diese Position geschrieben, doch der damals amtierende Kunst-Staatssekretär Morak vertraute seinem eigenen Urteil. Womit der schwarz-blauen Regierung doch noch für etwas zu danken ist.

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