Kultur von

Inkompetent mit Kompetenzen

Heinz Sichrovsky über Maria Fekters Sparvisionen

Kultur - Inkompetent mit Kompetenzen © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Die Ferien Tür an Tür mit Maria Fekter verbringen zu müssen zählt zu den Schicksalsschlägen, die man selbst unsympathischen Menschen nur zögerlich zudenken will. Wie dann erst dem großen und liebenswürdigen Dirigenten Franz Welser-Möst, der die mitteilungsfrohe Politikerin im Gefolge verhängnisvoller Hausnachbarschaft am Attersee erduldet! Was sie ihm fröhlich schwatzend anvertraute, ließ ihre Einlassungen zur EU-Krise vergleichsweise lichtvoll erscheinen: Die Staatsoper solle, „wenn möglich“, zehn Millionen einsparen, verlautete sie unter Berufung auf ein anerkannt flatulentes Evaluierungspapier.

Die Kunstministerin dementierte umgehend, und doch bleibt ein Gefühl der Beunruhigung. Denn so realitätsverloren die Guillotinierung des Opernbudgets um ein Fünftel auch anmutet: Eine Politikerin ohne Kompetenz, aber mit Kompetenzen hält sie für möglich. Von ebensolchen Entscheidungsträgern wurde die italienische Kultur bis an die Wurzel zerstört, sie wüten mit erst seit kurzem ausdenkbaren Folgen in Ungarn, und ihre provinzformatigen Imitationen drangsalieren die Salzburger Festspiele. Die Kunstministerin aber sollte daraus die Lehre ziehen, dass man Elaborate wie das Evaluierungspapier ­besser nicht in Auftrag gibt. Es findet sich immer einer, der unverständig genug ist, sie ernst zu nehmen.

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