Die Evaluierungsfirma Ernst & Young kann beeindruckende Referenzen im Kunstbereich vorweisen: Sie wurde verklagt, weil sie den Osterfestspielen auf dem Höhepunkt der Malversationsvorgänge saubere Gebarung attestiert hatte. Folgerichtig prüfte sie daraufhin im Ministerauftrag die Bundestheater. Schon der Rohbericht war ein satirisches Juwel, und auch der nun publizierte Endbericht enttäuscht nicht.
Zum Beispiel erfahren wir, dass Ensemblemitglieder des Burgtheaters mehr verdienen als die Kollegen an der Oper. Freilich steht an der Burg die Elite des Sprachraums unter Festvertrag, während sich Opernensembles aus Anfängern und Kleindarstellern rekrutieren: Internationale Kräfte kommen nur als Gäste. Daraus resultiert die nächste Enthüllung: Gastdirigenten beziehen an der Staatsoper bis zu 9.000 Euro pro Abend. Das ist in der Tat ungeheuer, denn anderswo kosten sie weit mehr, und das Ganze nennt man Marktwert. Als einziger Politiker übrigens mahnte der grüne Kultursprecher Konsequenzen an, kaum dass der Humbug publik war. Neoliberaler Großkotz und birkenstockdumpfe Elitefeindlichkeit haben den gemeinsamen Nenner gefunden. Er heißt Ignoranz.