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Gehirnwäsche an Kindern ist schuld

Heinz Sichrovsky über das langsame Sterben der Sprache

Kultur - Gehirnwäsche an Kindern ist schuld © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Der Sprachwissenschaftler Peter Wiesinger hat in der „Presse“ die Ergebnisse einer Erhebung unter erstsemestrigen Germanistikstudenten veröffentlicht: Das österreichische Idiom verabschiedet sich aus dem Sprachgebrauch selbst seiner künftigen Exponenten.

In der Tat ist den „Paradeiser“- und „Erdapfel“-Nostalgikern die Zeit schon davongelaufen. Es geht nicht mehr um die Bewahrung des Einzelnen, sondern um den Bestand des Ganzen. Niemand würde großen Kinderbuchautoren wie Kästner oder Preußler die Verwendung des Berliner oder des bayrischen Idioms vorhalten wollen. Das Problem ist, dass die meisten der heute produzierten oder übersetzten Kinderbücher, -serien und -computerspiele gar keine Sprache mehr haben. Eine gigantische Gehirnwaschanlage ist da entstanden. Sie distribuiert ein sprachneutrales Konglomerat ohne Herz und Hirn, das sich aus dem zur Verständigung unerlässlichen Minimalwortschatz speist.

Die Gegenmaßnahmen heißen Erich Kästner, Otfried Preußler, Hans Christian Andersen, Tove Jansson, Selma Lagerlöf, Astrid Lindgren, Christine Nöstlinger, Käthe Recheis, Renate Welsh, Mira Lobe … Vertrauen wir ihnen!