Kritikerin der US-Sozialpolitik: Martin
Luther Kings Witwe Coretta gestorben

Menschenrechtsaktivistin starb im Alter von 78 Jahren

Die amerikanische Menschen- und Bürgerrechtsaktivistin Coretta Scott King, Witwe des 1968 ermordeten Friedensnobelpreisträgers Pastor Martin Luther King, ist am Dienstag 78-jährig verstorben, wie ihr Mitkämpfer Andrew Jackson Young, der ehemalige Bürgermeister von Atlanta, mitteilte. Sie war am 16. Jänner, dem Martin-Luther-King-Gedenktag, nach einer schweren Herzerkrankung im Rollstuhl zum letzten Mal in der Öffentlichkeit gesehen worden. Noch vor kurzer Zeit war sie als kompromisslose Kritikerin des Irak-Krieges hervorgetreten. "Sie war militanter als er" (ihr Mann), sagte Andrew Young, der unter Präsident Jimmy Carter Ende der siebziger Jahre amerikanischer UNO-Botschafter war, im NBC-Fernsehen.

Coretta Scott King hatte das King-Zentrum in Atlanta, der Hauptstadt des US-Staates Georgia, gegründet, um das politische Erbe ihres Mannes weiterzuführen und für die Rechte von Schwarzen und anderen Minderheiten einzutreten. Mit seiner Rede nach dem historischen Marsch auf Washington (mit 300.000 Teilnehmern) vom August 1963 "I have a dream..." (von einer auf Gleichheit beruhenden amerikanischen Gesellschaft) hatte Martin Luther King Weltgeltung erlangt. Er wurde am 4. April 1968 in Memphis (Tennessee) von dem weißen Rassisten James Earl Ray ermordet. Das Paar hatte vier Kinder: Yolanda, Martin III, Dexter und Bernice.

Geboren wurde Coretta Scott am 27. April 1927 in Alabama als Kind armer, aber bildungshungriger Eltern. Ihr Vater Obediah Scott war der erste schwarze Lastwagenbesitzer in der Region und sah sich ständigen Einschüchterungsversuchen weißer Nachbarn ausgesetzt. Als Vorzugsschülerin konnte Coretta ein Hochschulstudium in Ohio absolvieren, erhielt aber wegen ihrer Hautfarbe keine Lehrbefugnis. Sie erhielt später ein Stipendium an der Musikhochschule "New England Conservatory" von Boston, wo sie ihren späteren Ehemann, einen baptistischen Geistlichen, kennen lernte. 1953 wurden sie von Kings Vater, ebenfalls Pastor, getraut, bevor sie sich in Montgomery in Alabama niederließen. 1955 wurde Rosa Parks verhaftet, weil sie sich weigerte, in einem öffentlichen Bus einem Weißen Platz zu machen. Dies führte zur Solidarisierungsaktion "Montgomery Bus Boycott" und bildete den Auftakt des Kampfes gegen die Rassentrennung.

1964 wurde Martin Luther King in Anerkennung seines gewaltlosen Kampfes gegen den Rassismus mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet und vom US-Nachrichtenmagazin "Time" zum "Mann des Jahres" gekürt. Er wandte sich dann gegen den Vietnamkrieg und geriet in Opposition zu Präsident Lyndon B. Johnson.

Coretta Scott King hatte dreißig Jahre nach der Ermordung ihres Mannes neue Ermittlungen gefordert. Ihre Familie hatte Zweifel an der Täterschaft von James Earl Ray, der die Tat zunächst gestanden, bald darauf aber widerrufen hatte. Die Witwe des Friedensnobelpreisträgers engagierte sich auch massiv im Kampf gegen das Apartheidsystem in Südafrika an der Seite von Nelson Mandela. Den republikanischen US-Regierungen warf sie vor allem eine ungerechte Sozialpolitik vor und machte die Öffentlichkeit auf die schlechten Lebensbedingungen der Kinder der armen Bevölkerungsschichten aufmerksam: "Es gibt nur zwei Worte, die angemessen die Lebensbedingungen für so viele Kinder im reichsten Land der Erde wiedergeben, und diese zwei Wörter sind: Nationale Schande."

Bei seinem USA-Visite 1994 besuchte der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky die Witwe Pastor Martin Luther Kings.

(apa)