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Die Häuslbauer-Falle

210.000 österreichische Haushalte bangen um ihre Existenz - NEWS nennt Lösungsansätze

Kredite - Die Häuslbauer-Falle © Bild: Corbis

Sonnige Lage, 140 Quadratmeter Wohnfläche, 30 Minuten von Wien entfernt, und das um 220.000 Euro waren für Andreas G. im Jahr 2007 gute Argumente für den Kauf des Häuschens am Land. Doch heute ist das Familienidyll in der Nähe von Gerasdorf bedroht. 2007 hatte G. einen Teil der Immobilie mit einem 190.000-Franken-Kredit finanziert. Zu Beginn der Laufzeit zahlte er monatlich 800 Euro - und stottert damit nicht einen Kredit ab, sondern zahlt in einen Tilgungsträger ein - ein Fonds, der Zinsen erwirtschaften und zu Ende der Laufzeit den Kredit abdecken soll. Doch seit der Euro gegen den Schweizer Franken enorm an Wert verloren hat, steigt seine Kreditlast ins Unerträgliche: Nun will die Bank die Rate um 300 Euro erhöhen. 1.100 Euro im Monat, die nächsten 21 Jahre lang. Zu viel für G.

Gab es im Oktober 2007 für einen Euro 1,68 Franken, so sind es heute nur noch 1,20 Franken. Diese Aufwertung verteuerte laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) die privaten Franken-Kredite der Österreicher um stattliche zehn Milliarden Euro. Andreas G. ist nur einer von 210.000 österreichischen Haushalten, die mit Franken-Krediten im Wert von über 40 Milliarden Euro in der Kreide heimischer Banken stehen. Häuslbauer und Banken suchen verzweifelt nach einem Ausweg.

Das Grundprinzip der Franken-Kredite ist bestechend einfach und hatte bisher für jeden Häuslbauer Charme. Der Kredit wird in Schweizer Franken aufgenommen und auch in dieser Währung zurückbezahlt. Getilgt wird der Kredit erst am Ende der Laufzeit. Der Kreditnehmer soll dabei von den günstigen Zinsen in der Schweiz, dem Wechselkurs und natürlich vom hochprofitablen Tilgungsträger profitieren. Die Konstruktion versprach deutlich geringere Kreditbelastungen als bei einem klassischen Bauspar- oder Hypothekarkredit in Euro. Was im Prinzip sehr einfach klingt, ist ein hochkomplexes Konstrukt mit sehr vielen Unsicherheitsfaktoren. Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenpolitik in der Arbeiterkammer Wien: "Es beinhaltet eine Wette auf den Euro-Franken-Kurs, auf die Zinsen-Differenz zwischen Österreich und der Schweiz und auf die Profitabilität des Tilgungsträgers.“

Seit der Bankenkrise 2008 ist alles anders. Aktien, Anleihen und Fonds sind eingebrochen und haben viele Tilgungsträger nahezu wertlos gemacht. Mit der Euro-Krise hat der Euro zum Franken abgewertet und die Kredite enorm verteuert. Peter Kolba, Leiter der Rechtsabteilung des Verein für Konsumenteninformation (VKI): "Viele Kreditnehmer stehen trotz mehrjähriger Einzahlungen mit nahezu wertlosen Tilgungsträgern bei den Banken tief in der Kreide.“

Kolba nennt nun sechs Wege aus der Fremdwährungs-Falle. Als Patentlösungen sind sie allerdings nicht zu verstehen, denn die gibt es nicht.

1.) Abwarten
Viele Franken-Kredite laufen noch mindestens zehn oder mehr Jahre. In dieser Zeit kann sich noch noch sehr viel ändern. Der Euro könnte gegen den Franken wieder aufwerten und auch der heute vielleicht etwas angeschlagene Tilgungsträger könnte sich wieder erholen. Auch eine größere Erbschaft wäre möglich und die Welt wäre wieder in Ordnung. Insgesamt sind das aber sehr viele Konjunktive und je mehr Zeit verstreicht, desto höher wird der Schuldenberg. Experten gehen davon aus, dass die Schweizer Notenbank den Franken nur über einen kurzen Zeitraum bei einem Verhältnis von 1,20 zum Euro fixieren wird. Die Euro-Krise und die volatile Börse werden uns sicher noch ein paar Jahre begleiten.

2.) Tilgungsträger-Tausch
Viele Tilgungsträger wie fondsgebundene Lebensversicherungen, Fonds oder sogar Aktien blieben in den vergangenen Jahren weit hinter den Rendite-Erwartungen. Damit ist bei Fälligkeit des Kredites eine Tilgungs-Lücke vorprogrammiert. "Den Tilgungsträger einfach zu tauschen reicht aber nicht und kostet nur zusätzliche Provisionen. Am Besten legen Kreditnehmer den maroden Tilgungsträger still und investieren ihr Geld in sichere Sparvarianten wie zum Beispiel ein Sparbuch“, so Peter Kolba vom VKI.

3.) Sondertilgung
Kreditnehmer mit größeren liquiden Mitteln können derzeit auch eine Sondertilgung in Erwägung ziehen. Das senkt die Kreditlast und auch das zukünftige Risiko.

4.) Laufzeit verlängern
"Wenn die monatlichen Belastungen bedingt durch einen zusätzlichen Tilgungsträger wie zum Beispiel einem Sparbuch zu hoch werden, kann mit den Banken auch über eine Laufzeitverlängerung verhandelt werden“, so VKI-Experte Kolba. Die Kreditinstitute zeigen sich derzeit bei einer Konvertierung auch bei den Laufzeiten besonders kooperationsbereit.

5.) Euro-Konvertierung
Natürlich ist es aktuell schwer zu sagen, wohin sich der Euro-Franken-Wechselkurs und auch der Wert des Tilgungsträgers entwickeln wird, aber die aktuellen Prognosen machen wenig Hoffnung auf Besserung. Wer ruhiger schlafen will und die voraussichtlich größeren monatlichen Belastungen auch finanziell stemmen kann, sollte eine Konvertierung in Erwägung ziehen. Kreditinstitute wie die Erste Bank bieten Wechselwilligen derzeit Sonderkonditionen. Zum Beispiel bietet die Erste Bank einen Euro-Kredit mit Fix-Zinssatz von 3,75 Prozent über 10 Jahre inklusive Spesenfreiheit bei Konvertierung. Über eine gleichzeitige Laufzeitverlängerung kann natürlich auch verhandelt werden.

6.) Rückversicherung
Zwar haben auch die Kreditinstitute derzeit ein vitales Interesse daran, dass Fremdwährungs-Kreditnehmer in den Euro wechseln, doch nicht jedes Angebot ist so gut, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Rechts-Experte Kolba: "Kreditnehmer sollten gemeinsam mit dem Kreditinstitut eine individuelle Lösungs-Strategie ausarbeiten. Aber bevor der neue Kreditvertrag unterschrieben wird, sollte dieser von einem unabhängigen Experten wie zum Beispiel der Arbeiterkammer oder dem Verein für Konsumenteninformation überprüft werden.“

Mehr zur Häuslbauer-Falle lesen Sie im NEWS 37/11

Kommentare

RobOtter

Es gab Zeiten... ...da wurde von den Banken fast vermittelt, dass man mit einem Fremdwährungskredit fast Geld verdienen könne. Für den durchschnittlichen Kreditnehmer wurden solche "Versprechen" aber bald zum Albtraum. So viele Häuser wie derzeit gab es schon lange nicht mehr am Markt, weil die Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Zum einen sind die Sicherungen - zumeist Aktien - gefloppt. Zum anderen sind die Zinsen der Fremdwährungskredite nicht mehr tragbar.

Meine Meinung: Wer keine Kreditverluste verschmerzen kann, sollte die Hausträumereien beenden!!

stabilis melden

Alles nur Geschäftemache Jeder einigermaßen ökonomisch gebildete Mensch weiß, das die Schweiz im Moment die größten Probleme hat und dieser harte Kurs ein großes Problem für die Schweiz darstellt.

D.h. die Schweiz wird alles dran setzen, den Kurs wieder auf über 1.40 zum Euro zu bringen um den Export nicht abzuwürgen.

Die Banken haben jetzt einen großen Spass. Ein Kredit, der vergeben ist und voll besichert ist, kann nochmals verkauft werden, tw. mit längerer Laufzeit. Das ist ein tolles Geschäft für die Bank und ein ganz schlechtes für den Kreditnehmer.

Der schlechte Euro / CHF Kurs ist erst dann realisiert, wenn man konvertiert. Und keine Bank wird es sich erlauben, das Beispiel des Artikel einzuklagen, weil primär die Banken diese Kredite aktiv vergeben haben und somit selbst mithaften. Siehe Ungarn!

stabilis melden

Re: Alles nur Geschäftemache Ich persönlich, selbst Kreditnehmer in CHF, hatte grade ein Bankgespräch dazu. Alles ok, natürlich habe ich grade mal 15% mehr Schulden, natürlich performen die Tilgunsträger im Moment nicht so wie früher angenommen (heute wird nur mehr mit 3.5% gerechnet, früher mit 6%), aber keine Rede von Konvertierung etc.

Zitat Banker: wenn sie nicht Konvertieren ist es ohnehin egal, der Verlust entsteht erst wenn sie realisieren.

achja, und mehr als 25.000 Euro Zinsvorteil habe ich in den letzten 10 Jahren durch den CHF Kredit auch gehabt (ich habe jetzt grade 1 1/8% Zinsen im CHF)

Fazit: wer es sich nicht leisten kann, sollte keinesfalls konvertieren! Drinnen bleiben und abwarten! Das ist meine Meinung

rotra melden

... Das lachen soll Ihnen mit einer dicken Fischgräte im Hals stecken bleiben, das wünsche ich Ihnen von Herzen!

Ich habs in einem anderen Thread bereits geschrieben, vielen Leuten wurde keine Entscheidungsfreiheit bei der Kreditwahl gelassen. Entweder Sfr oder gar kein Geld, basta!

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Re: ... In solchen Fällen haften die Banken, da ist eine Klage gegen die Bank jedenfallsl in Erwägung zu ziehen um sich schadlos zu halten. Auch für jene Fälle, wo unzureichend über die tatsächlichen Risiken informiert wurde bzw dies nicht in schriftlicher Form erfolgte.

sidestep13 melden

Da kann man nur sagen... Selbst schuld kann man da nur sagen. Das geschieht Ihnen allen recht. Ich habe auch ein Haus gebaut und meinen Kredit bei österreichischen Banken in inländischer Währung "abgestottert". Ich hätte auch einen Kredit in ausländischer Währung aufnehmen können. Das war mir vorausschauend zu unsicher. Mein Mitleid mit diesen "Kreditfremdgehern" hält sich in Grenzen! Zuerst haben sie mich ausgelacht, jetzt jammern sie. Ratet einmal wer jetzt lacht?

Gscheitel melden

Re: Da kann man nur sagen... Ganz deiner Meinung. Konnte mir auch nur von den Bekannten anhören wie viel Geld sie sich gegenüber einen normalen Kredit erspart haben. Aber von dem hört man jetzt nichts mehr. Eher in der Richtung das der Staat es jetzt richten soll ( Steuerzahler ).

Rasso melden

Re: Da kann man nur sagen... Wartet nur ab, bis man für den Euro 15 % Zinsen zahlt.

Woppo melden

Re: Da kann man nur sagen... Die Banker reden dir immer nur ein,wo sie selber am meisten verdienen ! Die Angestelten müssen Produkte den Kunden verkaufen,wo sie selber Bauchweh haben die Ungarn haben doch nur Recht,den Gewinn abziehen,und die Krod sollen dann die Schudner zahlen, den ungarischen Präsidenten gehört ein Preiß !

Xpresso melden

Re: Da kann man nur sagen... Auch wir haben, als wir unser Haus gekauft haben einen Kredit aufgenommen, der jetzt zurück bezahlt ist.
Wir waren am überlegen, einen Frankenkredit zu nehmen, aber aufgrund des unsicheren, teilweise unseriös wirkenden gebahrens, haben wir uns für einen "österr. Bankkredit" entschieden. Weiters konnte wir sogar bessere Bedingungen ausverhandeln. Im nachhinein, alle die uns belächelt haben gucken nun etwas blass aus der Wäsche. Das Risiko, die Zinsen waren einfach bei der österr. Lösung überschaubar und kein "Ramschkauf" !

günza melden

Re: Da kann man nur sagen... im nachhinein reden alle so gescheit daher, oh wie bin ich froh das ihr euch alle so schön auskennt. Den Schweizer Franken Kredit gibt es ja nicht seit gestern und Endfälligkeit ist auch nichts Neues. Viele haben sich über die Zinsdifferenz viel erspart und haben das ebenfalls während der Laufzeit zur Tilgung oder Ansparung verwendet. Besonders gescheite haben die Zinsersparnis in Schweizer Franken investiert und damit alleine schon das Währungsrisiko herausgenommen. Aber wie war denn das bei der Kreditaufnahme den genau? Ach ja, die jetzigen Raunzer konnten sich den Euro Kredit nicht leisten aber ein Haus mußte ja trotzdem her. Und jetzt sind die bösen Berater schuld. Ihr Jammerlappen, ich kann das schon nicht mehr hören.

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Re: Da kann man nur sagen... Mir ging es genau so. Ich habe vor Jahren meinen Hauskredit bei inländischen Banken genommen und mir jahrelang anhören können wie blöd ich bin, weil ich ziemlich hohe Kreditraten hatte. Ich bin damals sehr gut von meinem Versicherungsvertreter beraten worden. Heute kann ich zwar nicht lachen, aber ich weiss, dass ich sehr gut beraten wurde.Ob Kollegen, die in Fremdwährungskredite gesetzt haben das auch können ????

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