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Was heißt hier bitte "Geht's"?

Wolfgang Kralicek über die absurde rhetorische Begrüßungsfloskel

Wolfgang Kralicek © Bild: News

Österreich ist ein Volk von Gehern. Abgesehen davon, dass wir im Zweifelsfall lieber mit dem Auto fahren, geht hier eigentlich alles. Zur Begrüßung sagen wir: „Wie geht’s?“ Die korrekte Antwort darauf lautet selbstverständlich: „Danke, es geht.“ So weit, so klar. Schwieriger verhält es sich mit einer noch kürzeren, aber ebenso rhetorischen Frage: „Geht’s?“ Gestellt wird sie meist in Situationen, in denen jemand etwas macht, während eine oder mehrere Personen untätig danebenstehen. Nicht weil sie zu faul wären, selbst Hand anzulegen, sondern weil das, was der aktive Part gerade macht, nur allein erledigt werden kann. Obwohl das alle Beteiligten wissen, signalisieren die Untätigen mit der Floskel „Geht’s?“ Hilfsbereitschaft. Absurd daran ist, dass sie erstens gar nicht helfen könnten und es zweitens offensichtlich eh geht (was in der Variante „Geht’s eh?“ subtil mitschwingt). Warum also die Frage? Weil wir ein schlechtes Gewissen haben, wenn jemand etwas tut, was wir selbst auch tun könnten. Oder, positiver formuliert: Weil wir auf diese Weise zum Ausdruck bringen wollen, dass wir die Leistung des anderen sehr wohl zu schätzen wissen. Man könnte statt „Geht’s eh?“ theoretisch natürlich auch „Geht eh!“ sagen. Aber das geht bitte gar nicht. Obwohl: Einer ist immer noch gegangen.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: kralicek.wolfgang@news.at

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