Kongo-Hilfskonferenz in Brüssel: EU und
UNO rufen zur Hilfe für Bürgerkriegsland auf

Egeland fordert Staaten auf, 561 Mio. € aufzubringen

Die Vereinten Nationen und die EU haben gemeinsam zu internationaler Hilfe für Kongo aufgerufen. Die EU sagte am Montag bei einer Geberkonferenz in Brüssel 38 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zu. Der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, Jan Egeland, forderte die Vertreter von insgesamt 44 Staaten auf, 561 Millionen Euro aufzubringen. EU-Diplomaten bezeichneten es jedoch als fraglich, dass dieses Ziel erreicht wird.

Mit dem Geld soll ein "Aktionsplan 2006" für die von jahrelangem Bürgerkrieg schwer getroffene Bevölkerung finanziert werden. Er besteht aus rund 330 Hilfsprojekten - von der medizinischen Versorgung bis hin zum Wiederaufbau zerstörter Dörfer. Seit 1998 sind nach UN-Angaben rund 3,9 Millionen Kongolesen wegen des Krieges ums Leben gekommen. Täglich sterben rund 1200 Menschen. "Das ist so, als ob Kongo alle sechs Monate Opfer eines Tsunami wird", sagte Egeland.

Unterdessen setzte die Europäische Union die Vorbereitungen für einen möglichen Einsatz von EU-Soldaten in Kongo fort. Mitarbeiter von EU-Chefdiplomat Javier Solana bereiteten ein "Optionenpapier" vor, über das die Botschafter der EU-Staaten an diesem Dienstag im Politischen und Sicherheitspolitischen Komitee (PSK) beraten sollten. Die Vereinten Nationen haben die EU gebeten, die rund 16.000 UN-Soldaten in Kongo (MONUC) während der für April geplanten ersten freien Wahlen seit gut 40 Jahren militärisch zu unterstützen.

Die EU hat grundsätzlich ihre Bereitschaft erklärt, die Wahlen in Kongo, die mit 149 Millionen Euro unterstützt werden, auch militärisch abzusichern. Allerdings haben wichtige EU-Staaten - unter anderem Deutschland, Frankreich und Großbritannien - bisher eine Führungsrolle in der EU-Truppe abgelehnt. Kongo ist etwa so groß wie Westeuropa, doch ist sein Straßennetz zu wesentlichen Teilen mittlerweile wieder vom Dschungel überwuchert. Die im Juni 2003 gebildete Übergangsregierung von Joseph Kabila kämpft vor allem im Osten des riesigen Landes mit Hilfe aus Angola, Namibia und Simbabwe gegen Milizen, die von Ruanda und Uganda unterstützt werden. (apa/red)