"Keine Möglichkeit für Leihgabe": Erbin der Klimt-Bilder belässt Gemälde nicht in Wien

Bilder können zu 'fairem Marktpreis' gekaufen werden Kanzler stellt Mäzenen Steuererleichterung in Aussicht

Die fünf Klimt-Bilder "Adele Bloch-Bauer I", "Adele Bloch-Bauer II", "Apfelbaum", "Buchenwald/Birkenwald" und "Häuser in Unterach am Attersee" werden nach ihrer Restitution an die Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann nicht als Leihgabe in Österreich bleiben. "Ich sehe keine Möglichkeit für eine Leihgabe", hieß es auf eine entsprechende APA-Frage in einem Email-Interview mit Maria Altmann und ihrem Anwalt Randol Schoenberg. Für die Finanzierung eines daher für einen Verbleib in Österreich notwendigen Ankaufs eines oder mehrerer der Bilder wurden weiterhin Geldgeber gesucht.

Der Großteil des "fairen Marktpreises", den Altmann im Falle eines Kaufs durch die Republik verlangen will, muss durch private Mäzene finanziert werden. Mit diesen führen sowohl Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) als auch u. a. der Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, Gerbert Frodl, "intensivste Gespräche". Die Form und das Ausmaß der Unterstützung durch die Regierung war auch weiter Gegenstand von Diskussionen. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) stellte steuerliche Anreize für mitfinanzierende Mäzene in Aussicht. Gehrer schloss nicht aus, dass es auch Mittel aus dem Budget geben könnte, diese würden jedoch vergleichsweise gering sein.

"Keine Spezialvereinbarung über den Preis
Altmann und Schoenberg meinten, es gebe bisher "keine Spezialvereinbarung über den Preis", den die Republik bei Kaufinteresse für eines oder mehrere der fünf Bilder zahlen müsste. Der Wert der Bilder müsse "fair bestimmt werden, wenn Österreich eines oder mehrere Bilder zu kaufen wünscht". "Es hat niemand den großen Wunsch, die Bilder in Österreich zu belassen", so Altmann und Schoenberg. "Aber wir alle erkennen ihre Bedeutung für Österreich an, und wir hätten nichts dagegen, wenn Österreich sie für einen fairen Marktpreis kauft". Altmann "erwartet keine Entschuldigung, aber wir würden mit Sicherheit eine verdienen, nachdem wir siebeneinhalb Jahre kämpfen mussten, damit die österreichische Regierung ihrem eigenen Gesetz folgt."

Keinen Kommentar gab es von beiden Seiten zu den in Medienberichten transportierten Zeitplänen, nach denen die weiteren Gespräche zwischen Republik und Bloch-Bauer-Erben verlaufen sollen. Die Österreicher lehnen nach einer Umfrage im Rahmen der pulstv-Sendung "Cafe Puls" bei 1.453 Personen einen Ankauf der Werke ab. 22,3 Prozent antworteten auf die Frage "Soll Österreich die Klimt-Bilder zurück kaufen" mit Ja, 77,7 Prozent mit Nein.

Busek wünscht sich "nationale Aktion"
Ex-Wissenschaftsminister und Sonderkoordinator für den Stabilitätspakt für Südosteuropa, Erhard Busek, hat sich dafür ausgesprochen, alles zu unternehmen, um die fünf Klimt-Bilder sofort von der Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann zurückzukaufen. Im "Kurier" schlägt Busek die Gründung eines Komitees vor, in dem er sich selbst engagieren würde. "Das muss eine nationale Aktion werden. Die Klimt-Bilder sind ein wesentlicher Teil unseres kulturellen Erbes und gehören zur Identität Österreichs", so Busek.

Helmut Zilk begrüßt Idee eines Nationalkomitees
Der ehemalige Wiener Bürgermeister und Unterrichtsminister Helmut Zilk hält die Idee eines Nationalkomitees für den Ankauf "möglichst aller" restituierter Klimt-Bilder "für eine sinnvolle Idee." "Natürlich muss der Bund ein Drittel bis die Hälfte der Mittel zur Verfügung stellen. Für den Rest sind Banken, Sparkassen und Versicherungen aufgerufen, die gut vom Wohlstand dieses Landes leben und solche, die davon reich geworden sind, also Mäzene", sagte Zilk gegenüber der APA.

"In dem Sinn könnte auch die Abschreibe-Möglichkeit bei nationalen kulturellen Ausgaben zum Tragen kommen, von der der Finanzminister gesprochen hat." Auf die Frage, ob sich auch die Stadt Wien finanziell beteiligen sollte, meinte Zilk, "Es ist in erster Linie eine Sache des Bundes. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Stadt Wien schon aus Gründen der Courtoisie nicht zurückstehen wird."

"Wenn ich die Frau Ministerin Gehrer wäre, würde ich Bittgänge bei den betreffenden Leuten machen. Es gibt in Wien ein paar, die dafür in Frage kommen. Die Flossen ausstrecken und das Schicksal walten lassen, ist zu wenig. Man muss mit einem klaren Appell beginnen. Und wenn ich der Herr Wlaschek wäre, würde ich heute kein Palais kaufen, sondern ein oder zwei Bilder", so Zilk.

Gehrer unter Beschuss
Die Kritik an Gehrer hielt ebenfalls an. Gehrer habe in ihrer "schnoddrigen Art", in der sie die Gesprächsangebote Altmanns ausgeschlagen hat, Menschen, denen Leid zugefügt wurde, brüskiert und eine Gesprächsbasis zerstört, meinte SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen in einer Aussendung. Dies sei "menschlich unverzeihlich und was den Zugang zu den Klimt-Werken betrifft ebenfalls unverzeihlich." (apa/red)