"Keine b'soffene G'schicht": "Saliera"-Dieb wusst wahrscheinlich sehr gut, was er tat

Seipel hält eine Spontanaktion für unwahrscheinlich Einbruch hinterließ zwei Kratzer an der Gold-Skulptur

Obwohl die ermittelnden Beamten schilderten, der Dieb der Saliera sei "nicht ganz nüchtern" und kein Profi gewesen und der Einbruch wäre spontan erfolgt, verwehrt sich der Direktor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, gegen die Darstellung des spektakulärsten Kunstdiebstahls Österreichs als "b'soffene G'schicht". "Es ist nicht richtig zu sagen, das ist eine 'b'soffene G'schicht'", so Seipel. Der nun festgenommene Dieb "scheint das sehr wohl genau geplant zu haben".

Angesprochen auf den Tathergang, nach dem die Sicherheitseinrichtungen im KHM dem Dieb offenbar genügend Zeit gelassen haben, um nach dem Aushebeln des Fensters noch einmal über das Baugerüst am KHM zum Auto zurückzugehen und ein Stanleymesser zu holen, meinte Seipel: "Es ist richtig, dass es keine Außenhautsicherung gegeben hat". Das KHM habe sich vor dem Diebstahl bei der Burghauptmannschaft um eine solche bemüht. "Die Burghauptmannschaft hat das abgelehnt".

Seipel verwies auf die noch vor dem Geständnis des Täters von der Polizei gefundenen Aufzeichnungen, in denen die für den Einbruch notwendigen Utensilien aufgelistet wären. Angesichts dieses "Auffindens der Unterlagen eines geplanten Einbruchs" wäre es "nicht ganz logisch", den Diebstahl als Spontanaktion anzusehen.

Einbruch war nicht spontan
Ob der Zeitpunkt des Einbruches "nun spontan gewählt wurde oder nicht doch in Zusammenhang mit der Langen Nacht der Musik steht, sei dahingestellt, so Seipel. Aber dass es eine spontane Sache war, glaube ich sicher nicht". Am Tag vor dem Diebstahl (11. Mai 2003) hat im Kunsthistorischen Museum eine Veranstaltung im Rahmen der Langen Nacht der Musik stattgefunden.

Der nun festgenommene 50-jährige Wiener Robert M. hatte "offensichtlich nicht damit gerechnet, dass der Alarm losgeht. Denn hätte die Sicherheit richtig reagiert, hätte man jedenfalls gesehen wie er aussieht", so Seipel.

Licht im KHM wurde nicht aufgedreht
Bei einem Alarm hätte das Licht in der nächtens "eigentlich aus Sicherheitsgründen" (Seipel) im Dunkeln liegenden Gemäldegalerie, wo die "Saliera" zum Zeitpunkt des Diebstahls gewesen ist, aufgedreht werden müssen, schilderte der Direktor. In diesem Fall wäre der als Alarmanlagen-Errichter tätige Verhaftete "wahrscheinlich sogar erkannt worden", so Seipel. Denn der im KHM Dienst habende Sicherheitsbeamte sei schon lange im Sicherheitsbereich tätig gewesen und "hätte vielleicht den Herrn M. schon einmal wo gesehen".

Die Beschädigungen an der Saliera seien beim Einbruch in die Vitrine entstanden. Dabei sind "Glassplitter herumgeflogen, und die haben zwei Kratzer an den beiden Figuren, am Neptun und der Ceres, verursacht", schilderte Seipel. "Wir werden jetzt einmal prüfen, wie die beseitigt werden können". Es seien "nur ein paar Kratzer. Aber auch das ist nicht gut, dennoch können wir glücklich sein, dass nichts sonst passiert ist".

"Saliera" bald wieder zu sehen
Die "Saliera" werde spätestens am kommenden Sonntag beim Fundraising-Dinner zu Gunsten der derzeit geschlossenen Kunstkammer anlässlich der "Goya"-Finissage wieder im KHM zu sehen sein, bestätigte Seipel. "Wir versuchen es noch früher". (apa)