Katholiken kehren Kirche weiterhin den Rücken: 43.885 traten im Jahr 2005 aus

Kirchenaustritte im Vergleich zu Vorjahr gesunken PLUS: Die Zahlen für die einzelnen Diözesen

Sichtlich erleichtert hat die katholische Kirche am Dienstag einen "deutlichen Rückgang" bei den Austrittszahlen vermeldet. Nachdem im Jahr 2004 - das kirchenintern vom Sex-Skandal im St. Pöltner Priesterseminar geprägt gewesen war - mit 51.731 Kirchenaustritten österreichweit ein Rekordwert erreicht wurde, kehrten im Vorjahr 43.855 Katholiken ihrer Kirche den Rücken. Das bedeutet einen Rückgang von 15 Prozent. Trotzdem ist dies der dritthöchste Wert seit 1945.

Den stärksten Rückgang bei den Kirchenaustritten verzeichnet St. Pölten (minus 26 Prozent), gefolgt von den Erzdiözesen Wien (minus 17 Prozent) und Salzburg (minus 16 Prozent). Einzige Ausnahme ist die Diözese Eisenstadt. Im Burgenland gab es im Vorjahr 947 Kirchenaustritte, ein Plus von 9 Prozent.

Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner erklärte im Ö1-"Mittagsjournal", der Rückgang bei den Kirchenaustritten sei einerseits auf den "Abbau der Störungen und Irritationen" innerhalb der Kirche rund um die umstrittenen Bischöfe Hans Hermann Groer und Kurt Krenn zurückzuführen, andererseits auf einen allgemeinen Trend hin zu mehr Spiritualität.

Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, erklärte in der Kathpress, am Stephansplatz werde jeder Kirchenaustritt schmerzlich betrachtet. Alle aus der Kirche ausgetretenen Katholiken erhielten von Kardinal Christoph Schönborn einen persönlichen Brief, dem ein Fragebogen beigelegt ist, in dem die Beweggründe für den Austritt benannt werden können. Rund 20 Prozent der Ausgetretenen schicken laut Leitenberger diesen Fragebogen zurück. Ein Teil mache auch von der Möglichkeit Gebrauch, in einem weiteren persönlichen Brief von Kardinal Schönborn eine Antwort auf die im Fragebogen angesprochenen Problemfelder zu bekommen.

Zunahme bei Wiedereintritten
Die aktuelle Kirchenstatistik zeigt auch einen weiteren Trend, nämlich eine Zunahme bei den Wiedereintritten. In der Steiermark etwa ist die Zahl der Wiederaufnahmen von 678 im Jahr 2004 auf 807 im Jahr 2005 gestiegen. Nach Einschätzung des Wirtschaftsdirektors der Diözese Graz-Seckau, Herbert Beiglböck, würden sich hier die ersten Früchte einer breit angelegten Kommunikationskampagne zeigen. So wurde der formale Wiedereintritt erleichtert: Es genügt, zu einem Priester eigener Wahl zu gehen und dort den Wunsch vorzubringen.

Anlässlich der Präsentation der Kirchenstatistik machte die Diözese Innsbruck auf ein anderes Problem aufmerksam, nämlich den wachsenden Priestermangel. In zehn Jahren stehen für die 286 Tiroler Pfarrgemeinden nur noch 80 Priester zur Verfügung. Trotz des starken Priestermangels soll in der Diözese Innsbruck jede Pfarrgemeinde in ihrer Identität erhalten bleiben, kündigte die Leiterin des Seelsorgeamtes, Elisabeth Rathgeb, bei einer Pressekonferenz an. Derzeit gebe es in der Diözese Innsbruck noch 229 Priester mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren. In zehn Jahren könne man daher nur noch mit 80 Priestern rechnen. Deshalb sei ein Konzept zur verstärkten Einbindung von Laien in Ausarbeitung, so Rathgeb.

Die Zahlen der Kirchenaustritte im Detail:
2004 2005
Erzdiözese Wien 16.820 14.016
Erzdiözese Salzburg 4.267 3.571
Diözese Graz-Seckau 8.347 7.060
Diözese Gurk-Klagenfurt 2.925 2.770
Diözese Linz 8.028 7.050
Diözese Innsbruck 3.015 2.625
Diözese St. Pölten 5.174 3.811
Diözese Eisenstadt 871 947
Diözese Feldkirch 2.284 2.005
Gesamt 51.731 43.855

(apa/red)