Karikaturen-Streit eskaliert immer weiter: Muslime töten in Nigeria 15 Christen

Aufgebrachte Menge steckte elf Kirchen in Brand PLUS: Islam-feindlicher italienischer Minister geht

Die gewaltsamen Proteste gegen die Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed haben am Wochenende in Afrika mindestens 26 Menschen das Leben gekostet. In Nigeria richteten muslimische Demonstranten ihre Wut gegen die christliche Minderheit und töteten mindestens 15 Menschen, womit der Konflikt einen neuen, blutigen Höhepunkt erreichte. Am Freitagabend waren in Libyen bei einer Kundgebung vor einem italienischen Konsulat elf Demonstranten von der Polizei erschossen worden.

In der nigerianischen Stadt Maiduguri artete ein Protestmarsch gegen die Mohammed-Karikaturen am Samstag in blindwütige Gewalt gegen christliche Kirchen und Geschäfte aus. Kundgebungsteilnehmer schwärmten mit Macheten, Stöcken und Eisenstangen im Stadtzentrum aus. Eine Gruppe steckte einen Mann in einen Autoreifen, übergoss ihn mit Benzin und zündete ihn an. Augenzeugen erklärten, die meisten der 15 Todesopfer seien Christen, darunter auch drei Kinder und ein katholischer Priester.

US-Botschaft in Pakistan beworfen
Aus Protest gegen Abbildungen des Propheten Mohammed bewarfen unterdessen wütende Demonstranten am Sonntag die US-Botschaft in der indonesischen Hauptstadt Jakarta mit Eiern, Tomaten und Steinen. In Pakistan nahm die Polizei im Vorfeld einer verbotenen Großkundgebung mehr als 100 Mitglieder einer Islamisten-Vereinigung fest.

Vor der US-Botschaft verurteilten mehr als 200 Mitglieder der militanten Gruppe "Verteidigerfront des Islams" auf Plakaten die in Europa erschienenen Mohammed-Karikaturen sowie die Darstellung des Religionsstifters in einer Skulptur am Obersten Gerichtshof in Washington. "Das ist nicht die letzte Warnung. Das ist nur der Anfang. Es werden größere Taten folgen", sagte ein führendes Mitglied der militanten Gruppe der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Demonstrant schrie: "Selbstmordanschläge! Macht Euch auf eine Bombe gefasst!"

Pakistan verhängt Demonstrationsverbot
Auch in Pakistan hielt der Unmut bei Teilen der moslemischen Bevölkerung über die Mohammed-Darstellungen an. In der Hauptstadt Islamabad verhängte die Regierung ein Demonstrationsverbot, um eine angekündigte Großkundgebung der größten islamistischen Vereinigung des Landes zu verhindern. Der Anführer der Vereinigung "Muttahida Majlis-i-Amal (MMA) sei am Sonntag kurz vor seinem Aufbruch in der östlichen Stadt Lahore nach Islamabad festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden, sagte eine Sprecherin der MMA. Insgesamt seien mehr als 100 Mitglieder der Vereinigung festgenommen worden. Die MMA hatte zuvor erklärt, das Demonstrationsverbot ignorieren zu wollen.

11 Tote in Libyen
Die blutigen Proteste in Libyen waren eine Reaktion auf einen provokativen Auftritt des italienischen Reformministers Roberto Calderoli gewesen. Dieser hatte am Freitag in einer Fernsehsendung sein Hemd aufgeknöpft und ein T-Shirt gezeigt, auf dem die umstrittenen Karikaturen abgedruckt waren. Libysche Demonstranten zogen danach vor das italienische Konsulat in der Stadt Bengasi und legten Feuer, woraufhin die Polizei in die Menge schoss. Elf Demonstranten kamen dabei ums Leben, 35 wurden verletzt. Einen Tag später trat Calderoli nach heftiger Kritik auch aus der eigenen Regierung zurück. Der libysche Innenminister wurde wegen der Schüsse auf die Demonstranten suspendiert.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der libysche Revolutionsführer Muammar al Gaddafi bemühten sich am Samstag in einem Telefongespräch, die Wogen zu glätten. Beide seien sich einig, dass die Vorfälle die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Libyen nicht beeinträchtigen dürften, teilte Berlusconis Büro mit. Libyen ist für Italien ein wichtiger Öl- und Gaslieferant, in dem nordafrikanischen Land leben rund 1.400 italienische Staatsbürger. Außenminister Gianfranco Fini besuchte am Samstag demonstrativ eine Moschee in Rom, um seinen Respekt für den Islam zu bekunden.

Friedliche Demos auf der ganzen Welt
Auch in anderen Staaten kam es am Wochenende wieder zu Demonstrationen gegen die Mohammed-Karikaturen. Sie verliefen jedoch weitgehend friedlich. Zehntausende Anhänger einer islamischen Partei haben am Sonntag in Istanbul gegen die als beleidigend empfunden Karikaturen des Propheten Mohammed protestiert. Die von der außerparlamentarischen Saadet-Partei organisierte Kundgebung verlief laut Medienberichten äußerst diszipliniert. Sie stand unter dem Motto: "Respekt dem Glauben, Liebe dem Propheten". Die Teilnehmer riefen anti-europäische Parolen. Der Kundgebungsplatz glich einem Fahnenmeer aus der türkische Nationalflagge und der sehr ähnlich gestalteten Fahne der Saadet-Partei.

40 islamische Gelehrte riefen in einer in Kairo veröffentlichten Mitteilung zu einer Beendigung der Proteste auf. Mohammed Sayed al-Tantawi, Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, der höchsten theologischen Autorität des sunnitischen Islam, schlug ein weltweit gültiges Verbot von Beleidigungen religiöser Empfindungen vor.

Kopenhagen: Tausende demonstrierten für Dialog der Religionen
Tausende Menschen haben am Samstagabend in Kopenhagen für den Frieden und den Dialog der Religionen demonstriert. An der Kundgebung nahmen nach Angaben der Organisatoren rund 5.000 Menschen teil, unter ihnen waren demnach auch Imame und Bischöfe. Der rund einstündige Marsch durch ein vor allem von Moslems bewohntes Stadtviertel der dänischen Hauptstadt verlief nach Polizeiangaben friedlich. Die Polizei gab die Teilnehmerzahl mit etwa 2.500 an. Zu der Kundgebung hatte eine dänische Moslem-Organisation nach der Veröffentlichung der Karikaturen des Propheten Mohammed in der Zeitung "Jyllands-Posten" aufgerufen.
(apa/red)