Karikaturen-Gipfel in Wien: Plassnik
zufrieden - "Treffen war ein kleines Signal"

Plassnik und Däne Möller empfingen Religionsführer Syrischer Großmufti Ahmad Bader Hassoun für Dialog

"Dieses Treffen war ein kleines Signal." So fasste Außenministerin Ursula Plassnik die Gespräche mit ihrem dänischen Amtskollegen Per Stig Möller und hochrangigen islamischen Würdenträgern aus Syrien und Bosnien-Herzegowina zusammen. Möller erklärte der Agentur Ritzau, das Treffen in Wien sei "hervorragend" gelaufen. Der syrische Großmufti Ahmad Bader Hassoun, trat für einen Dialog aller Kulturen und Religionen ein.

Vor den zahlreich erschienenen Pressevertretern sprach Plassnik in Wien von einem "kleinen Netzwerk von Brückenbauern", das gebildet worden sei. Der österreichische EU-Ratsvorsitz hatte das Treffen kurzfristig anberaumt im Bemühen, den Konflikt um die Mohammed-Karikaturen zu entschärfen.

An den Beratungen nahmen neben den beiden Außenministern der syrische Großmufti Ahmad Bader Hassoun, der oberste moslemische Geistliche von Bosnien-Herzegowina, Reis ul Ulema Mustafa Ceric, der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, und der dänische lutherische Bischof Steen Skovsgaard teil. Nur Plassnik gab danach eine Pressekonferenz, was vor allem unter den arabischen Medienvertretern Enttäuschung hervorrief.

"Nicht nur Bilder brennender Botschaften"
"Es gibt nicht nur die Bilder der brennenden Botschaften, es gibt Menschen, die auf einander zugehen, auch unter schwierigen Bedingungen", so Plassnik. "Wir haben in einer Stimmung der Offenheit Wege diskutiert, wie mit der schwierigen Situation umzugehen ist."

Über konkrete Gesprächsinhalte befragt, sagte Plassnik, das Thema einer Vermittlertätigkeit der Türkei im Karikaturen-Streit sei in diesem Forum nicht angesprochen worden. Sie fügte aber hinzu: "Die Türkei hat hier eine besondere Rolle." Angesprochen auf die Solidaritätsklausel der EU-Partner, sagte Plassnik, die österreichische Ratspräsidentschaft habe klar gemacht, dass Gewalt als Mittel nicht zulässig und Angriffe auf Botschaften nicht akzeptabel.

Ausdrücklich plädierte die Außenministerin für den Dialog, auch auf der Ebene der Jugend. Der Dialog zwischen den Religionen und Kulturen müsse auch auf praktische Fragen eingehen. In der globalisierten Welt sei eine Trennung in eine westliche und eine islamische Welt eine künstliche. Auch in Österreich sei die islamische Welt "eine Realität".

Möller meinte zu Ritzau, es seien "eine Menge Vorschläge auf den Tisch gekommen", wie man in dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen weiter kommen könne. Nun werde man diese Vorschläge prüfen. Alle Seiten seien sich einig gewesen, dass dafür gesorgt werden müsse, dass es nicht "zu eine Menge Zusammenstöße und Missverständnisse" käme, die überall zwischen der arabischen, moslemischen und der europäischen Kultur aufflammten, so Möller.

Syrischer Großmufti unterstützt Dialog
Der syrische Großmufti sagte in einem Interview für das Ö1-Mittagsjournal, das heutige Krisentreffen hätte früher stattfinden sollen. Er selbst habe schon vor drei Monaten begonnen, mit der dänischen Regierung Kontakt aufzunehmen. Es habe aber kein Entgegenkommen von dänischer Seite gegeben, sagte der von der syrischen Regierung eingesetzte Großmufti.

Er kritisierte, dass bisher nur auf politischer Ebene kommuniziert worden sei. Man habe vergessen, mit dem Mann auf der Straße zu sprechen. Auf die Frage, wie groß der Einfluss der gemäßigten Bevölkerung auf die Radikalen sei, antwortete der Großmufti mit einem Beispiel: In Syrien hätten weitere Demonstrationen stattfinden sollen. Nach Gesprächen mit Diplomaten und Beteiligten sei es gelungen, diese Demonstrationen weit ruhiger zu gestalten. "Ich fordere keinen religiösen Staat", sagte Hassoun. "Aber ich fordere einen gerechten Staat für alle Religionen, die in einem Staat leben", fügte der Großmufti hinzu.

(apa/red)