Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit: Grüne fordern 10.000 geförderte Jobs für Junge

Konzentration auf Kernthemen bei Wahljahres-Auftakt

Nach SPÖ, ÖVP und FPÖ haben sich diese Woche auch die Grünen auf den Weg ins Wahljahr 2006 gemacht. Bei ihrer Klubklausur in Loipersdorf forderten Parteichef Alexander Van der Bellen und Sozialsprecher Karl Öllinger am Dienstag eine "Aktion 10.000" zur Schaffung staatlich geförderter Jobs für Jugendliche. Dem Arbeitsmarktservice würde das nach Ansicht der Grünen über mehrere Jahre verteilt rund 100 Mio. Euro kosten.

Insgesamt war die Partei bei ihrer Klubklausur sichtlich bemüht, Fehler des letzten Wahlkampfes zu vermeiden: Kein allzu offensives Drängen in die Regierung, keine Festlegung auf mögliche Koalitionspartner - stattdessen Konzentration auf einige wenige Kernthemen und das merkliche Bemühen, sich wieder verstärkt als Öko-Partei in Szene zu setzen - letzteres in Form einer zum Klausur-Auftakt von Vizeparteichefin Eva Glawischnig geforderten "Energiewende".

Jugendarbeitslosigkeit als Schwerpunkt des zweiten Tages
Der zweite Tag stand dann im Zeichen der Jugendarbeitslosigkeit. Offiziell waren 2005 durchschnittlich 41.568 Jugendliche bis 25 ohne Job. Die tatsächliche (weil teilweise versteckte) Jugendarbeitslosigkeit liegt nach Ansicht der Grünen aber fast doppelt so hoch. Dem will Öllinger mit einem staatlich geförderten Beschäftigungsprogramm entgegenwirken, das Jobs für 10.000 Jugendliche im öffentlichen und gemeinnützigen Bereich schaffen soll.

Angelehnt ist der Grünen-Vorschlag an die "Aktion 8.000" der 80er und 90er Jahre. Demnach sollten laut Öllinger arbeitslose Lehrer in der Nachmittagsbetreuung und Mediziner ohne Turnusplatz in der Krankenhausverwaltung arbeiten. Finanzieren soll das zu zwei Drittel das AMS, zu einem Drittel der jeweilige Arbeitgeber. Die auf ein Jahr befristeten Jobs sollen dann in reguläre Beschäftigungsverhältnisse münden, hoffen die Grünen.

"Chancen verschleudern und Zukunft verschlampen"
Ganz ohne Wahlkampftöne ging es beim Neujahrstreffen der Grünen im steirischen Thermenland aber nicht ab. So warf Parteichef Van der Bellen der Regierung zum Auftakt beider Klausurtage nahezu wortgleich vor, nach dem Motto "Chancen verschleudern und Zukunft verschlampen" zu agieren und wünschte seiner Partei für die Wahlen einen "Platz am Stockerl".

Besonders in der Steiermark steht den Grünen bis dahin aber noch ein gehöriges Stück Arbeit bevor, gilt das Bundesland doch spätestens seit der Landtagswahl im Oktober als parteiinterne Baustelle. Damals hatten die Grünen zwölf Prozent ihrer Stimmen verloren und das erste Minus bei einer Landtagswahl seit sechs Jahren eingefahren. Landesparteichef Werner Kogler versprach seinen Parteifreunden zum Auftakt denn auch einen "Aufholprozess".

Kaum Statements der politischen Gegner
Die politische Konkurrenz war mit Stellungnahmen zur Grünen-Klausur eher zurückhaltend. ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka befand, die Energie- und Umweltpolitik sei bei seiner Partei in besseren Händen. BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch riet den Grünen indes, sich nicht zu früh über den dritten Platz zu freuen. Er sei "guter Dinge", dass sein Bündnis diesen schaffen kann.
(apa/red)