Kältewelle in Österreich hält an: Kinder- garten in OÖ wegen Einsturzgefahr evakuiert

Dach drohte wegen Schneemassen einzustürzen!<br>Rot-weiß-roter Kältepol Lunz am See mit -26 Grad! Ganz Europa zittert: Extreme Kälte auch im Süden!<br><b>PLUS:</b> Aktuelle Prognose - so wird das Wetter

Die gute Nachricht der Wetterexperten: "Der ganz extreme Frost mit Werten um minus 25 Grad sollte vorbei sein", berichtete Christian Csekits von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien am Mittwoch der APA. Die schlechte: "Trotzdem wird es auch in den kommenden Nächten zum Teil sehr kalt - mit Tiefstwerten zwischen minus fünf und minus 16 Grad."

Lunz am See war mit minus 26,2 Grad Mittwoch früh erneut der Kältepol in Österreich, St. Michael im Lungau (minus 25,8), Zeltweg (minus 25,2) und Aigen im Ennstal (minus 24,5) folgten auf den Plätzen. In Zeltweg und in Klagenfurt (minus 22,0) wurden die tiefsten Temperaturen seit 1987 gemessen. In Zeltweg gibt es seit 1962 eine Station, am 22. Jänner 1963 wurden minus 30,2 Grad, am 13. Jänner 1987 minus 29 Grad Celsius registriert.

Schneefall am Donnerstag
Die ZAMG-Prognose für den Donnerstag im Detail: Besonders in Vorarlberg und Tirol kann es gebietsweise etwas schneien. Sonst ist es zumindest teilweise auch aufgelockert bewölkt und sonnig. Der Wind weht mäßig bis lebhaft aus Ost bis Südost. Die Frühtemperaturen liegen zwischen minus 15 und minus fünf, im Bodenseeraum bis minus zwei Grad. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen minus acht bis null Grad, in einzelnen Föhnlagen der Alpennordseite bis plus drei Grad.

Freitag mit Sonnenschein
Am Freitag überwiegt der Sonnenschein. Vor allem im Westen und Südwesten ziehen Wolkenfelder durch. Der Wind weht mäßig bis lebhaft aus Südost. Die Frühtemperaturen liegen meist zwischen minus 16 und minus fünf Grad. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen minus sechs bis null Grad, in Föhnlagen der Alpennordseite bis plus sechs Grad.

Seit Montag waren Pannenhelfer der Automobilclubs im Dauereinsatz, Mittwoch früh gab es für die Gelben Engel des ÖAMTC in Ostösterreich bis 8.00 Uhr ungefähr 650 Pannen zu beheben. "Wien ist nach wie vor am stärksten betroffen", betonte Gerhard Samek vom ÖAMTC. In Niederösterreich und dem Burgenland habe sich die Lage entspannt. Mit Minustemperaturen von 19 Grad auch in Tal-Lagen war heute früh beim ARBÖ-Pannendienst in Kärnten "buchstäblich die Hölle los", hieß es in einer Aussendung. Pro Stunde gab es an die 100 Anrufe. In erster Linie wurden Starthilfen erbeten.

Kinder in Steiermark evakuiert
Im obersteirischen Bezirk Knittelfeld drohte Mittwoch früh das Dach eines Kindergartens unter der großen Schneelast einzustürzen. Als Vorsichtsmaßnahme wurde das Gebäude evakuiert und die 24 Kinder mit den drei Kindergärtnerinnen in einer Ersatzunterkunft untergebracht. Wie es von Seiten der Feuerwehr hieß, wurde das Dach des Gebäudes abgeschaufelt und mit Stützen gesichert. Ein Sachverständiger soll nun klären, ob und wann das Gebäude wieder benutzt werden kann.

Die Leiterin des Kindergartens in Apfelberg (Bezirk Knittelfeld) hatte Mittwoch früh die Risse am Gebäude bemerkt und die Einsatzkräfte verständigt. Die Feuerwehr rückte an und befreite das Dach der Kindertagesstätte, dass aus einer Holzkonstruktion besteht, von rund 50 Zentimeter Schnee. Danach wurde das Gebäude mit Trägern abgestützt.

Die Kinder und ihre Betreuerinnen mussten vorübergehend in der Mehrzweckhalle des Ortes untergebracht werden. Wie der Einsatzleiter der Feuerwehr betonte, habe es sich bei der Evakuierung um eine "reine Vorsichtsmaßnahme" gehandelt - akut habe für die Kinder keine Gefahr bestanden. Bereits in den Vormittagsstunden hatte der Gemeindesachverständige den Kindergarten begutachtet. Nun soll gemeinsam mit dem Bürgermeister und weiteren Sachverständigen über die weitere Vorgehensweise beraten werden.

Turnsaal in Graz Notunterkunft für ausländische Obdachlose
"Bettengarantie für alle Inländer in Graz, aber ausländische Obdachlose müssen frieren." Der Alarm von Armen-Pfarrer Wolfgang Pucher hatte umgehend Erfolg: Seitens der Politik organisierte man am Mittwoch eine Unterkunft in einer leer stehenden Schule, Matratzen und warmes Essen. Das Rote Kreuz stellte 25 Notbetten zur Verfügung.

Pfarrer Pucher wollte, wie er sagte, gerade 16 frierende Roma aus ihrem Fahrzeug nahe der Sperrmüllsammelstelle holen, um ihnen zumindest den Keller des Vinzi-Hauses als Übernachtungsstätte anzubieten, als er am Mittwoch die Nachricht bekam: Der für Liegenschaften zuständige Stadtrat Wolfgang Riedler (S) hatte angeboten, als Soforthilfe für die Menschen für eine Notunterkunft zu sorgen. Tatsächlich konnte mit den Räumlichkeiten der zur Zeit leer stehenden Hauptschule in der Kronesgasse eine geeignete Unterkunft gefunden werden. "Sie steht leer, ist beheizt und sofort verfügbar", hieß es aus dem Büro des Stadtrats. Die Obdachlosen sollen vorübergehend während der Kälteperiode im Turnsaal der Schule untergebracht werden.

Graz wird "obdachlosenfrei"
Auch andere Rathaus-Politiker bemühten sich nach dem Aufruf des Pfarrers um Hilfe: So organisierte Kulturstadtrat Werner Miedl (V) Matratzen und Polster und der Gemeinderatsclub der Grünen zusammen mit Sozialstadträtin Tatjana Kaltenbeck-Michl (S) wollen über die Sozial- und Zentralküche für ein warmes Essen täglich sorgen. Das Rote Kreuz halt mit 25 Notbetten aus. Auch Private würden nun vermehrt anrufen und ihre Hilfe anbieten, hieß es von der Vinzenz-Gemeinschaft.

Rund 250 Personen pro Nacht beherbergt die Vinzenzgemeinschaft in ihren Unterkünften in Graz. Bisher mussten zwischen 20 und 30 ausländische Obdachlose auf den Straßen übernachten, mit der neuen Unterkunft dürfte nun für jeden Platz sein, so die Pressesprecherin der Vinzenz-Gemeinschaft, Donja Noormofidi, zur APA: "Wir freuen uns, dass Graz ab der kommenden Nacht 'obdachlosenfrei' sein wird".

Kaum mehr Probleme für Wiener U-Bahn
Die Wiener U-Bahn hat sich offenbar an die Kälte gewöhnt. Musste sie am Dienstag wetterbedingt zum Teil mit reduziertem Tempo fahren, war am Mittwoch bereits wieder Normalbetrieb angesagt. Dafür machen die Wiener Linien unter anderem den leichten Temperaturanstieg verantwortlich. Gestern hatten kleine Risse im Gleisbereich die Stromzufuhr unterbrochen und die Signalanlagen an manchen Abschnitten der U4 außer Betrieb gesetzt.

Laut einem Wiener Linien-Sprecher dürften inzwischen jene Schweißnähte, die keine allzu tiefen Temperaturen aushalten, bereits aufgegangen und wieder repariert worden sein. Neue Risse hätten sich darum am Mittwoch nicht mehr gebildet.

Probleme gab es aber sehr wohl bei der Straßenbahn, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Im Bereich Simmeringer Hauptstraße bzw. Zentralfriedhof hat eine Stromstörung die Linien 6 und 71 beeinträchtigt. Und ein Wasserrohrbruch im Bereich Rosensteingasse hat für eine Umleitung der Linie 9 gesorgt.

Energieverbrauch steigt
Die Kälte treibt in Österreich auch den Stromverbrauch nach oben. Beim Verbund laufen die kalorischen Kraftwerke auf vollen Touren, so ein Verbund-Sprecher zur APA. Bei den Wasserkraftwerken sei die Produktion wegen der Trockenheit geringer, die Wasserspeicher reichten aber noch bis Ende April. Es bewähre sich der Produktions-Mix des Verbund. Im Stromhandel treibe die Kälte die Preise kurzfristig stark nach oben.

Auch der Gasverbrauch wird kräftig nach oben getrieben. Aktuell werden laut ORF-Mittagsjournal in Österreich 2,1 Millionen Kubikmeter Gas pro Stunde verbraucht, das ist um die Hälfte mehr als an normalen Tagen. Aus dem Hauptlieferland Russland komme derzeit etwas weniger als vertraglich vereinbart - minus acht Prozent wurde an den Pipelines gemessen. Doch diese Schwankung läge laut OMV im Bereich des Üblichen. Die Reserven Österreichs lägen bei mehr als 1 Mrd. Kubikmeter.

(apa/red)