Julian Assange von

OAS-Außenminister beraten

Diplomatischer Streit um Wikileaks-Gründer entbrannt - dieser will am Sonntag sprechen

Julian Assange - OAS-Außenminister beraten © Bild: APA/EPA

Die Außenminister der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) werden über den Fall des in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzenden Wikileaks-Mitbegründers Julian Assange beraten. 23 Mitgliedstaaten der OAS stimmten bei einem Treffen in Washington für die Einberufung der Dringlichkeitssitzung am 24. August. Die USA, Kanada sowie Trinidad und Tobago votierten dagegen. Währenddessen plant Assange selbst am Sonntag vor die Öffentlichkeit zu treten.

Das US-Außenministerium stellte unterdessen klar, dass die Vereinigten Staaten den Begriff des "diplomatischen Asyls" nicht anerkannt hätten. Die USA hätten die Konvention der OAS von 1954 über diplomatisches Asyl nicht unterzeichnet "und erkennen das Konzept des diplomatischen Asyls im Völkerrecht nicht an", erklärte das Ministerium in Washington. "Wir denken, es handelt sich um eine bilaterale Angelegenheit zwischen Ecuador und Großbritannien und dass die OAS dabei keine Rolle zu spielen hat", hieß es weiter.

Großbritannien will ihn nicht ausliefern
Ecuador hatte Assange , der am 19. Juni wegen einer drohenden Auslieferung nach Schweden in die ecuadorianische Botschaft in London geflohen war, am Donnerstag diplomatisches Asyl gewährt. Allerdings will Großbritannien Assange unter keinen Umständen ausreisen lassen. In Schweden soll Assange zu Vorwürfen befragt werden, zwei Frauen sexuell belästigt beziehungsweise vergewaltigt zu haben. Der 41-jährige Australier fürchtet, wegen der brisanten Veröffentlichung vertraulicher US-Diplomatendepeschen durch Wikileaks letztlich in die USA ausgeliefert zu werden.

Diplomatischer Streit
Der Fall Assange war zu einem diplomatischen Streit zwischen Ecuador, Großbritannien und Schweden ausgeartet. Ecuadors Außenminister Ricardo Patino bezichtigte Großbritannien, es habe gedroht, die Botschaft des südamerikanischen Landes zu stürmen. Sein britischer Amtskollege William Hague sagte, eine solche Drohung gebe es nicht. Großbritannien müsse aber seine internationalen Verpflichtungen erfüllen.

Australien bereitet sich auf Auslieferung an USA vor
Währenddessen bereitet sich die australische Botschaft in Washington auf die mögliche Auslieferung in die USA vor. So könne die diplomatische Vertretung die Regierung in Canberra beraten, sollte sie den Eindruck haben, dass eine Auslieferung unmittelbar bevorstehe, sagte Handelsminister Craig Emerson dem Fernsehsender ABC. Allerdings gebe es derzeit keine Hinweise darauf, betonte Emerson. Es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Laut australischen Medienberichten glauben australische Diplomaten in den USA, dass Washington Assange wegen Spionage und Verschwörung zur Verantwortung ziehen könnte.

Öffentliches Statement geplant
Assange will am Sonntag vor die Öffentlichkeit treten. Das kündigte die Enthüllungsplattform Wikileaks im Kurznachrichtendienst Twitter an. Der 41 Jahre alte Australier werde "live" und "vor der Botschaft Ecuadors" ein Statement abgegeben, hieß es.

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