Julia Timoschenko von

Teilnahme am Prozess verweigert

Ex-Regierungschefin beruft sich auf gesundheitliche Gründe

Julia Timoschenko - Teilnahme am Prozess verweigert © Bild: Reuters/Garanich

Unmittelbar vor Beginn eines neuen Prozesses hat die inhaftierte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ihre Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen verweigert. In einem Schreiben an den staatlichen Gefängnisdienst der Ex-Sowjetrepublik berief sich die kranke Oppositionsführerin auf ein Gutachten des Neurologen Prof. Karl Max Einhäupl von der Berliner Charité. Das teilte die Behörde mit.

Der Prozess wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung sollte um 9.00 Uhr MESZ beginnen. Einhäupl hatte die 51-Jährige am Vortag in einer Klinik in der Stadt Charkow untersucht und von einem Transport abgeraten.

Die Anklage fordert nun eine Untersuchung durch einen Amtsarzt und hat vom Gericht recht bekommen. Damit solle geklärt werden, an welcher Krankheit die Oppositionsführerin leidet und ob sie an dem umstrittenen Verfahren teilnehmen könne. Das sagte Staatsanwalt Viktor Lobatsch Medien zufolge im Gerichtssaal.

Keine vollständige Genesung mehr?
An der Berliner Charité gibt es Zweifel an einer vollständigen Genesung Timoschenkos. Es sei "nicht auszuschließen, dass bestimmte Störungen für immer bleiben", sagte Timoschenkos behandelnder Arzt von der Charité, Lutz Harms, der "Berliner Morgenpost". Wenn ein Nerv lange Zeit komprimiert sei, könne er am Ende zerstört sein. Die in der Ukraine in Haft sitzende Timoschenko könne ein Bein bisher kaum bewegen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass doch noch eine Operation nötig sei.

Wegen der Vorwürfe aus ihrer Zeit als Chefin eines Energiekonzerns in den 1990er Jahren drohen Timoschenko zwölf weitere Jahre Haft. Der Richter hatte den umstrittenen Prozess bereits im Mai wegen Timoschenkos schlechtem Gesundheitszustand vertagt. Sie war im Oktober 2011 in einem international kritisierten Prozess wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Straflager verurteilt worden.

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